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Für eine Zukunft in Deutschland

Das Projekt „Shaping the Future“ verhilft Fachkräften aus Kolumbien zum beruflichen Neustart als Erzieherin oder Kindheitspädagoge in Deutschland. Wie das funktioniert, erläutern Jonathan Koch und Paula Cots Gómez von der Bundesagentur für Arbeit.

„Shaping the Future“ unterstützt kolumbianische Fachkräfte im Bereich der frühkindlichen Erziehung auf ihrem Weg nach Deutschland. Ziel ist eine nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt und die staatliche Anerkennung als Erzieherin und Erzieher oder Kindheitspädagogin und Kindheitspädagoge. Die Anerkennung ist von zentraler Bedeutung, da beide Berufe landesrechtlich reglementiert sind. Im Interview berichten die Verantwortlichen Jonathan Koch und Paula Cots Gómez vom Regionenteam Südamerika der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit (BA) über Ablauf, Erfolge und Herausforderungen des Projekts.

Was ist das Ziel von „Shaping the Future“?

Jonathan Koch: Unser Ziel ist, ein Projekt zur Gewinnung von frühpädagogischen Fachkräften aus Drittstaaten zu entwickeln, um den erhöhten Bedarf von Einrichtungen in Deutschland zu bedienen. Im September 2024 haben wir dann das Pilotvorhaben in Kolumbien gestartet, da es hier schon Kontakte und ein gutes Bewerberpotenzial gab. Auch die kolumbianische Arbeitsverwaltung SPE war an einer Vermittlungszusammenarbeit in diesem Sektor interessiert. Auf deutscher Seite konnten wir sieben Kindertagesstätten in Heidelberg gewinnen.

Paula Cots Gómez: Seither begleiten und unterstützen wir die Fachkräfte auf dem gesamten Weg: angefangen von der Bewerbung bei den Arbeitgebenden, über das Sprachtraining und den Antrag auf Anerkennung bis zur Einreise und dem Berufsstart in Deutschland. Auch den Einrichtungen in Deutschland stehen wir unterstützend zur Seite.

An welchem Punkt befinden sich die Fachkräfte aktuell?

Paula Cots Gómez: Die 14 Teilnehmenden aus dem Pilotprojekt arbeiten seit Anfang des Jahres als „Fachkraft in Anerkennung“ in den Kitas in Heidelberg. Dort absolvieren sie neun Monate lang die praktische Ausgleichsmaßnahme für die Anerkennung. Parallel besuchen sie nach Feierabend einen Berufssprachkurs.

Eine Hälfte muss anschließend noch 240 Praxisstunden mit Kindern über sechs Jahren absolvieren. Danach empfehlen wir optional die Teilnahme am LeNa-Anpassungslehrgang, der zusätzliches Wissen über die rechtlichen Grundlagen, Erziehungsstile und Elternarbeit in Deutschland vermittelt. Ende des Jahres sollte dann die volle Anerkennung erreicht sein.

Jonathan Koch: Die Fachkräfte aus Kolumbien verfügen über ein frühpädagogisches Studium und damit über die erforderliche 3-jährige Ausbildung. Ihnen fehlen aber in der Regel bestimmte Ausbildungsinhalte und Handlungskompetenzen, die für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Deutschland verpflichtend sind. Deshalb müssen sie hier je nach Bundesland und angestrebtem Beruf entsprechende Anpassungsmaßnahmen für die volle Anerkennung absolvieren. In Baden-Württemberg kam der Weg der Eignungsprüfung für unser Pilotprojekt nicht infrage, da es keine Vorbereitungskurse gibt.

Welche Fragen beschäftigen die Fachkräfte am meisten?

Paula Cots Gómez: Viele Teilnehmende haben vorher keine Fremdsprache gelernt. Das ist für manche eine echte Herausforderung. Die Intensivsprachkurse im Herkunftsland sind anspruchsvoll, mit umfangreichen Hausaufgaben und regelmäßigen Prüfungen. Deshalb müssen die Teilnehmenden frühzeitig verstehen, wie sie den Sprachkurs organisieren und erfolgreich absolvieren können.

Zentral ist für viele auch die Frage, wann und wie sie ihre Familie nachholen können. Wir informieren über die Einreisebedingungen für Familienmitglieder und weisen auf Beratungsstellen hin. Und schließlich gibt es Fragen zu den Rahmenbedingungen in Deutschland, wie beispielsweise Arbeitsvertrag, Krankenversicherung, Urlaub oder Probezeit.

Wie kommen die Fachkräfte ins Projekt und nach Deutschland?

Jonathan Koch: Die Fachkräfte werden in Kooperation mit der kolumbianischen Arbeitsverwaltung rekrutiert. Interessierte melden sich in Kolumbien bei ihren lokalen Agenturen. Sind die grundlegenden formalen Voraussetzungen erfüllt, geht eine entsprechende Liste an unsere Arbeitsvermittlerinnen und Arbeitsvermittler.

Paula Cots Gómez: Wir schauen uns an, welche Kriterien erfüllt sind und welche Profile zueinander passen. Dann werden die Bewerberinnen und Bewerber zu (Online)-Interviews eingeladen. In unserem Projekt wählen die Arbeitgebenden die Fachkräfte selbst aus. Sie tragen auch die Rekrutierungskosten. Deshalb ist es entscheidend, sie von Anfang an aktiv einzubinden.

Nach der Zusage durch die Kita haben die Teilnehmenden etwa einen Monat Zeit, um ihre berufliche Situation in Kolumbien zu klären und sich auf den nächsten Schritt vorzubereiten: den 10-monatigen Intensivsprachkurs. Da der Kurs in Vollzeit stattfindet, erhalten die Teilnehmenden ein monatliches Stipendium. Parallel wird die Anerkennung beantragt. Wenn der Sprachkurs bestanden ist und alle Dokumente für das Visum vorliegen, folgen die Einreise und der Start in der Kita.

Wie werden die Fachkräfte bei der Anerkennung unterstützt?

Paula Cots Gómez: In Baden-Württemberg ist nur die Anerkennung als Erzieherin und Erzieher möglich. Dort stehen wir in engem Austausch mit der zuständigen Stelle in Stuttgart. Auch das vom Bundesbildungsministerium geförderte Projekt ProRecognition ist beteiligt und berät die Fachkräfte vor Ort in Kolumbien. Im Pilotvorhaben konnten wir so gemeinsam mit den Teilnehmenden vor der Einreise alle notwendigen Unterlagen für die Antragstellung optimal vorbereiten und gesammelt losschicken. Nach einer Woche lag dann bereits der Bescheid mit der Auflage einer Ausgleichsmaßnahme vor.

In regelmäßigen Gesprächen mit der zuständigen Stelle, den Arbeitgebenden und Partnern vor Ort lassen sich organisatorische Fragen schnell klären und wichtige Entscheidungen treffen.

Jonathan Koch: Die lokale Agentur für Arbeit ist auch von Anfang an eingebunden, da wir als ZAV die Teilnehmenden nur bis zur Einreise begleiten. Durch den Austausch mit allen Beteiligten stellen wir sicher, dass die Fachkräfte nicht nur formal anerkannt werden, sondern auch praxisnah vorbereitet sind, um in Deutschland erfolgreich in ihren Beruf zu starten. Alle Schritte, die wir bereits im Ausland vorbereiten, erleichtern den Prozess und schaffen Sicherheit für die Teilnehmenden und die Arbeitgebenden.

Was waren für Sie besondere Highlights?

Jonathan Koch: Mein persönliches Highlight ist die Netzwerkarbeit. Wir durften so viele motivierte Menschen und Institutionen kennenlernen, die genauso wie wir daran interessiert sind, den Anerkennungsprozess für pädagogische Fachkräfte und Einrichtungen zu verbessern. So haben wir zum Beispiel beim BIBB-Austauschtreffen mit den zuständigen Stellen erfahren, dass Baden-Württemberg das vom Bundesbildungsministerium geförderte Projekt ,,elma. - Elementarpädagogische Module zur Anpassungsqualifzierung‘‘ erprobt.

Paula Cots Gómez: Besonders schön war es auch, die Teilnehmenden bei einzelnen Präsenz-Treffen persönlich kennenzulernen. So hatten wir Gelegenheit, die Anerkennungsunterlagen mit ihnen durchzugehen und sie bei den Sprachprüfungen zu begleiten. Dieser persönliche Kontakt hat das Vertrauen gestärkt und die weitere Betreuung erleichtert. Die gemeinsame Willkommensfeier in Heidelberg war dann der krönende Abschluss – und für uns alle ein sehr erfüllender Moment.

Wie geht es mit dem Projekt weiter?

Jonathan Koch: Im November wollen wir mit der nächsten Rekrutierung in Kolumbien starten. Dies geschieht dann im Rahmen eines Modellprogramms, das auf den Erfahrungen aus dem Pilotprojekt aufbaut, auf weitere Bundesländer ausgeweitet und vom Bundesbildungsministerium gefördert wird. Aktuell sind wir bundesweit auf der Suche nach interessierten Arbeitgebenden, die Bedarf an frühpädagogischen Fachkräften aus dem Ausland haben. Bis 2028 sind noch zwei weitere Rekrutierungen in mindestens einem weiteren Land geplant. In Betracht kommen derzeit Ecuador und Brasilien.

Das Interview fand im April 2026 statt. „Shaping the Future“ wird 2026 und 2027 mit einer finanziellen Förderung des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) als Modellprogramm fortgeführt und evaluiert. In diesem Zeitraum bekommen die teilnehmenden Arbeitgeber 12.000 Euro pro Fachkraft für die Rekrutierungskosten im Ausland erstattet. Kontakt für Fragen: ZAV.BIPP@arbeitsagentur.de

Wichtige Informationen zur Zuständigkeit und Details zum Anerkennungsverfahren z.B. für die Referenzberufe Erzieher/in und Kindheitspädagoge/ Kindheitspädagogin bieten der Profi-Filter im Beratenden-Bereich und der Anerkennungs-Finder im Fachkräfte-Bereich des Informationsportals „Anerkennung in Deutschland“.