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Mehr Fachkräfte für soziale Berufe

ApaLe - ein Best Practice-Beispiel für Anpassungslehrgänge zur Berufsanerkennung im Bereich Heilpädagogik, Soziale Arbeit oder Kindheitspädagogik. Interview mit Leiterin Prof. Dr. Meike Günther

Prof. Dr. Meike Günther, Leiterin von „ApaLe“, erläutert im Interview, wie der Kurs für soziale Berufe in Berlin ausländische Fachkräfte bei der Anerkennung unterstützt. 

Wofür steht ApaLe? Seit wann gibt es diesen Anpassungslehrgang und an wen richtet sich das Angebot?

Prof. Dr. Meike Günther: Der Name ApaLe steht für „Anpassungslehrgang“. Für Menschen, die gerade in Deutschland angekommen sind, ist das Wort aber zu lang und kompliziert. Mit ApaLe haben wir ein griffiges Kurzwort kreiert, das freundlich klingt. Denn wir möchten die Menschen hier willkommen heißen. ApaLe gibt es seit 2018 an der Katholischen Hochschule Berlin. Es ist ein Kurs für all diejenigen Menschen, die nach Berlin kommen und aus ihrem Heimatland einen Studienabschluss im Bereich der Heilpädagogik, der Sozialen Arbeit oder der Kindheitspädagogik mitbringen. Mit dem Brückenkurs ermöglichen wir diesen Menschen, die Qualifikationen nachzuholen, die ihnen fehlen, um hier die staatliche Anerkennung zu bekommen. 

Was ist das Besondere an dem Anpassungslehrgang? Wie ist er konzipiert und wie lange dauert er?

Prof. Dr. Meike Günther: Die Menschen bekommen zum einen bei ApaLe genau die Inhalte, die sie für ihre Berufsanerkennung benötigen. Darüber hinaus finden sie sich in einer Gemeinschaft wieder, in der sie wertgeschätzt werden und in der man sich gegenseitig unterstützt. Zudem werden sie von uns über die reinen Lerninhalte hinaus gefördert. Beispielsweise durch Berufscoaching. So gehen sie gestärkt aus dem Kurs und sehen eine gute Zukunft für sich in Berlin.

Je nachdem, welche Wissenslücken die Teilnehmenden haben, dauert der Kurs zwischen sechs und zehn Monaten. Der Kürzere ist für Menschen, die in einem anderen Land in einem Curriculum studiert haben, das inhaltlich relativ nah an unserem in Deutschland ist. So dass sie beispielsweise nur noch die Rechtsmodule nacharbeiten müssen. Menschen, die für ihre volle Anerkennung mehr Inhalte nachholen müssen, belegen den längeren Kurs. Beide werden mit einer Rechtsklausur beendet. 

Wie erleichtert ApaLe Menschen die Anerkennung ihrer ausländischen Berufsabschlüsse?

Prof. Dr. Meike Günther: Ohne ApaLe mussten sich die Menschen die einzelnen Auflagen, die ihnen die zuständige Stelle der Senatsverwaltung als Anpassungsleistung beschieden hatte, einzeln an den Hochschulen zusammensuchen. Sie mussten sich also durchfragen, in der Regel als Gasthörerinnen und -hörer einschreiben, selbst dafür bezahlen, Wartezeiten in Kauf nehmen und erheblich mehr Zeit investieren. Das war natürlich sehr kompliziert. Die meisten haben das finanziell, zeitlich und organisatorisch nicht geschafft. Und deshalb ihre Anerkennung nicht bekommen, was zu einer extrem niedrigen Anerkennungsquote in den sozialen Professionen führte. Dank ApaLe und dessen öffentlicher Finanzierung erhalten nun alle Teilnehmenden einen für sie kostenlosen Lehrgang, der jeweils speziell auf sie zugeschnitten ist. 

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden, um an ApaLe teilzunehmen?

Prof. Dr. Meike Günther: Wer an dem Kurs teilnehmen möchte, hat seinen im Ausland erworbenen Abschluss der zuständigen Stelle der Senatsverwaltung zur Gleichwertigkeitsprüfung vorgelegt und von dort einen entsprechenden Bescheid über die für die Anerkennung erforderlichen Auflagen erhalten. Dadurch erfahren wir zugleich, welche Lücken die zuständige Stelle festgestellt hat und wie diese ausgeglichen werden können. Die Teilnehmenden müssen Deutsch mindestens auf Sprachniveau B2 beherrschen und einen ausländischen Studienabschluss sowie 100 Tage Berufstätigkeit in Deutschland vorweisen. Eine weitere, sehr wichtige Voraussetzung ist, dass sie am Kurs regelmäßig teilnehmen. Wir haben eine sehr strikte Präsenzpflicht bei allen Modulen.

Wie kommt das Angebot bei den Teilnehmenden an?

Prof. Dr. Meike Günther: Ich habe noch kein Bildungsangebot erlebt, bei dem die Menschen so glücklich sind, dass es das Angebot gibt. Und so motiviert. Deswegen bestehen in der Regel auch alle die Klausur und wir haben eigentlich nie irgendwelche Schwierigkeiten wie Kursabbrüche. 

Haben sich aus ApaLe weitere Erkenntnisse für die Zukunft ergeben? Sind Änderungen oder weitere ähnliche Kurse geplant?

Prof. Dr. Meike Günther: Wir würden uns eine Verstetigung von ApaLe wünschen. Momentan ist ApaLe bis Ende 2022 finanziert. Bei einer Verstetigung von ApaLe könnten wir beispielsweise noch einen zusätzlichen Kurs anbieten, um die hohe Nachfrage zu bedienen. Gerne würden wir auch in den anderen Bundesländern auf die Wichtigkeit des Angebots hinweisen. Und wir möchten ein Alumninetzwerk aufbauen, bei dem die ehemaligen Teilnehmenden die Neuen unterstützen. 

Das Interview mit Prof. Dr. Meike Günther fand im Mai 2022 statt. Seit 2018 leitet sie ApaLe an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin. Bis 2020 wurde ApaLe von der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales über das Netzwerk „Integration durch Qualifizierung (IQ)“ finanziert. Seit 2021 finanziert die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie ApaLe mit Mitteln aus dem Gute-Kita-Gesetz. Kontakt für Fragen zum Best Practice-Beispiel ApaLe: Anpassungslehrgang@KHSB-Berlin.de 

Wichtige Informationen zur Zuständigkeit und Details zum Anerkennungsverfahren für die deutschen Referenzberufe bieten der Profi-Filter hier im Profi-Bereich und der Anerkennungs-Finder im Fachkräfte-Bereich von „Anerkennung in Deutschland“.