Neue Chancen in der Altenpflege
Wie Pflegeeinrichtungen Anerkennung und Integration internationaler Pflegekräfte erfolgreich verbinden können, erläutern die Autorinnen einer neuen BIBB-Studie Carolin Böse und Rebecca Atanassov.
Wie Pflegeeinrichtungen Anerkennung und Integration internationaler Pflegekräfte erfolgreich verbinden können, erläutern die Autorinnen einer neuen BIBB-Studie Carolin Böse und Rebecca Atanassov.
Seit Einführung der generalistischen Pflegeausbildung im Jahr 2020 können Pflegeeinrichtungen selbst Anpassungsmaßnahmen im Rahmen der Anerkennung ausländischer Pflegequalifikationen anbieten – das kann eine Kenntnisprüfung oder ein Anpassungslehrgang sein. Eine neue Studie des Anerkennungsmonitorings im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) zeigt: Die gesetzlichen Möglichkeiten eröffnen große Chancen für die Fachkräftesicherung in der Altenpflege, stellen Einrichtungen aber auch vor neue Herausforderungen.
Im Interview erläutern die Autorinnen Carolin Böse und Rebecca Atanassov, welche Erfahrungen Pflegeeinrichtungen mit der Durchführung von Anpassungsmaßnahmen bislang gemacht haben, wo Hemmnisse bestehen und wie Anerkennung und Integration gemeinsam gelingen können.
Warum legen Sie mit Ihrer Studie den Fokus auf Pflegeeinrichtungen und die Anerkennung internationaler Pflegekräfte?
Rebecca Atanassov: Das deutsche Gesundheitswesen steht vor großen Herausforderungen. Besonders in der Altenpflege fehlen bereits heute viele Fachkräfte. Und der Bedarf steigt weiter. Bis zur Einführung des Pflegeberufegesetzes 2020 konnten Pflegeeinrichtungen nur selten selbst Anpassungsmaßnahmen im Anerkennungsverfahren anbieten. Daher konnten sie das Potenzial von internationalen Pflegekräften nur eingeschränkt nutzen. Nun können sie diese aber direkt im eigenen Haus qualifizieren, womit gleichzeitig das Potenzial steigt, sie langfristig an sich zu binden. Genau diesen neuen Ansatz haben wir in unserer Studie näher betrachtet.
Wie nutzen Pflegeeinrichtungen diese Möglichkeiten bislang?
Carolin Böse: Das Bild ist sehr unterschiedlich. Wir haben uns auf stationäre Pflegeeinrichtungen fokussiert, in denen Menschen höheren Alters gepflegt werden. Einige dieser Pflegeeinrichtungen sind bereits aktiv und führen erfolgreich Anpassungsmaßnahmen durch. Andere wissen kaum, dass sie dazu berechtigt sind. Hemmnisse sind fehlende Informationen oder personelle Engpässe – aber auch die Sorge, dass die anerkannten Pflegefachpersonen später in Krankenhäuser wechseln könnten.
Eindeutig ist: Wo Anpassungsmaßnahmen umgesetzt werden, zeigen sich klare Vorteile. Wenn die internationalen Pflegekräfte dabei früh integriert und fachlich begleitet werden, bleiben sie der Einrichtung häufiger erhalten. Zudem können langjährig Beschäftigte mit ausländischem Abschluss im vertrauten Umfeld die Anerkennung ihres Berufs nachholen und als Pflegefachperson arbeiten.
Was sind die zentralen Erfolgsfaktoren für eine gelungene Umsetzung?
Rebecca Atanassov: Wie Frau Böse gerade schon angedeutet hat: Anerkennung und Integration müssen zusammengedacht werden. Die Anpassungsmaßnahme sollte in ein umfassendes Integrationskonzept eingebettet sein. Dazu gehören feste Ansprechpersonen, Unterstützung beim Ankommen und eine gelebte Willkommenskultur. So lassen sich Pflegekräfte langfristig in der Pflegeeinrichtung halten.
Wichtig sind zudem qualifizierte Praxisanleiterinnen und -anleiter, die speziell auf die Begleitung internationaler Fachkräfte vorbereitet sind. Kooperationen mit Pflegeschulen und Bildungsträgern sowie eine gesicherte Finanzierung sind weitere Voraussetzungen, damit gerade auch kleinere Pflegeeinrichtungen Anpassungsmaßnahmen anbieten können.
Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie aus Ihrer Studie?
Carolin Böse: Die generalistische Pflegeausbildung öffnet den Weg, Pflegeeinrichtungen stärker in das Anerkennungsverfahren einzubeziehen. Diese Chance wird bisher jedoch zu selten genutzt. Obwohl die Einrichtungen langfristig davon profitieren. Denn sie binden internationale Fachkräfte und stärken ihre eigene Zukunftsfähigkeit.
Dafür braucht es aber klare Strukturen, regionale Netzwerke und verlässliche Förderungen. Viele Einrichtungen kennen die bestehenden Unterstützungsangebote noch nicht, etwa zur Finanzierung von Sprachkursen oder Integrationsmanagement. Hier können Informationsveranstaltungen und Praxisbeispiele helfen.
Wenn Anerkennung, Sprachförderung und Integration als Einheit verstanden werden, leisten Pflegeeinrichtungen einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung. Und sie schaffen Arbeitsorte, an denen internationale Pflegekräfte bleiben möchten.
Das Interview fand im November 2025 statt. Dr. Rebecca Atanassov und Carolin Böse sind wissenschaftliche Mitarbeiterinnen im Anerkennungsmonitoring des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Kontakt für Fragen: anerkennungsmonitoring@bibb.de
Die Studie „Pflegeeinrichtungen und die Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen – Chancen, Herausforderungen und Erfolgsfaktoren“ ist im November 2025 in der Reihe „BIBB Discussion Paper“ erschienen.
Wichtige Informationen zur Zuständigkeit und Details zum Anerkennungsverfahren z.B. für den Referenzberuf „Pflegefachperson“ bieten der Profi-Filter im Beratenden-Bereich und der Anerkennungs-Finder im Fachkräfte-Bereich des Informationsportals „Anerkennung in Deutschland“.
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