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Betriebslotsin für das Handwerk

Dilek Intepe unterstützt Handwerksbetriebe bei der Berufsanerkennung. Im Interview berichtet sie über ihre aktuelle Rolle als Betriebslotsin im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierten Projekts „Unternehmen Berufsanerkennung: HWK“.

Sie sind seit 2019 als Betriebslotsin bei UBA tätig. Was sind Ihre konkreten Aufgaben? 

Dilek Intepe: Ich bin als Betriebslotsin die direkte Ansprechpartnerin für Berliner Handwerksbetriebe rund um das Thema Anerkennung der ausländischen Berufsqualifikation. Das reicht von der Erstberatung bis hin zur Begleitung während einer Anpassungsqualifizierung nach einer teilweisen Anerkennung. Dabei kann es sich um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Betriebs handeln oder um Bewerberinnen und Bewerber, auch aus dem Ausland. 

Seit wann gibt es die UBA-Betriebslotsinnen und -lotsen? Was ist das Besondere an dem Konzept?

Dilek Intepe: Wir haben 2019 unsere Arbeit aufgenommen. Unser Angebot richtet sich ausschließlich an Handwerksbetriebe. Das Besondere ist, dass wir aktiv auf diese zugehen und sie unterstützen. Die Betriebslotsinnen und -lotsen tragen dazu bei, dass die Betriebe effizient sowie ohne große finanzielle Belastung durch den Prozess der Anerkennung und Qualifizierung kommen können.

Wie unterstützen Sie die Betriebe konkret bei der Berufsanerkennung von Mitarbeitenden? Was sind wichtige Voraussetzungen, damit eine Betriebsbegleitung erfolgreich abläuft?

Dilek Intepe: Es ist wichtig für die Handwerksbetriebe, dass sie für die Berufsanerkennung eine Ansprechpartnerin oder einen Ansprechpartner haben. Insbesondere die kleineren Betriebe verfügen kaum über die zeitlichen und personellen Ressourcen, um zusätzliche Aufgaben der Mitarbeiterqualifizierung bzw. Personalrekrutierung zu übernehmen. Meine Tätigkeit als UBA-Betriebslotsin beginnt schon bei den Bewerbungen. Hier prüfe ich bereits im Vorfeld, ob einer der Bewerbenden für eine Berufsanerkennung infrage kommt. Aber auch bei der bestehenden Belegschaft schaue ich, ob es Mitarbeitende mit einem entsprechenden ausländischen Berufsabschluss gibt. 

Bekommt jemand eine teilweise Anerkennung, überlegen der Betrieb und ich gemeinsam, welche Fertigkeiten und Kenntnisse der potenziellen Fachkraft fehlen und wie man sie gezielt qualifizieren kann. Das ist dann eine individuelle und maßgeschneiderte Anpassungsqualifizierung.

Eine weitere wichtige Aufgabe als UBA-Betriebslotsin besteht darin, dass ich über die Kosten für Anerkennungsverfahren und Anpassungsqualifizierung aufkläre. Ich überprüfe mögliche Wege der Kostenübernahme und beantrage diese, gemeinsam mit dem Betrieb und der anerkennungsinteressierten Person. In der Regel nutzen wir den Anerkennungszuschuss, den Anerkennungsinteressierte erhalten können. 

Welche Voraussetzungen müssen die UBA-Betriebslotsinnen und -lotsen mitbringen, um Handwerksbetriebe gezielt und nachhaltig zu unterstützen?

Dilek Intepe: Zum einen müssen sie sich mit den einschlägigen Gesetzesgrundlagen in Deutschland auskennen, also dem Anerkennungsgesetz, dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz, dem Aufenthaltsgesetz sowie der Beschäftigungsverordnung. Aber das Wichtigste ist, dass man die Betriebe aktiv aufsucht. Das bedeutet: Als UBA-Betriebslotsin gehe ich auf die Handwerksbetriebe zu und frage sie, was sie aktuell benötigen und wo Herausforderungen bei der Berufsanerkennung bestehen. Dabei stimme ich mich mit der zuständigen Stelle unserer Kammer ab, die das Anerkennungsverfahren als hoheitliche Aufgabe durchführt. Gleichzeitig muss ich mit allen Institutionen, die mit der Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen betraut sind, gut vernetzt sein. Das betrifft insbesondere die Ausländerbehörden (in Berlin heißt sie Landesamt für Einwanderung) und Arbeitsagenturen, die über Fragen der Aufenthalts- und Arbeitserlaubnisse entscheiden. Auch Innungen des Berliner Handwerks gehören dazu, denn in deren Ausbildungszentren wird die berufsfachliche Anpassungsqualifizierung angeboten.

Wie wird das Angebot von den Handwerksbetrieben angenommen?

Dilek Intepe: Die Rückmeldungen, die wir von den Berliner Handwerksbetrieben erhalten, sind durchweg positiv. Die meisten Betriebe sind froh, dass ihnen jemand von der Handwerkskammer individuelle Unterstützung anbietet. Kürzlich habe ich einem Elektro-Handwerksbetrieb bei einem Mitarbeiter geholfen, der für seine Ausbildung aus der Ukraine eine teilweise Anerkennung erhalten hatte. Er konnte die fehlenden Kenntnisse nachholen und stellt jetzt einen Folgeantrag auf volle Anerkennung. Zuvor haben wir einen Antrag auf Kostenübernahme gestellt. Der Betrieb ist sehr daran interessiert, dass sich sein Mitarbeiter zu einer ausgebildeten Fachkraft weiterqualifiziert. Denn dann kann er bei zukünftigen Kundenaufträgen für die gesamte Tätigkeitspalette eingesetzt werden. Das ist der Mehrwert einer Berufsanerkennung für den Handwerksbetrieb. 

In wie vielen und welchen Regionen gibt es aktuell UBA-Betriebslotsen? Soll das Angebot weiter ausgebaut werden? 

Dilek Intepe: UBA-Betriebslotsinnen und -lotsen gibt es aktuell an der Handwerkskammer Berlin, an der Handwerkskammer für München und Oberbayern und an der Handwerkskammer Region Stuttgart. Auf unsere Aktivitäten sind bereits auch andere Handwerkskammern aufmerksam geworden. Sie nehmen unsere Unterstützungsarbeit, die über das hoheitliche Anerkennungsverfahren hinausgeht, als einen Mehrwert für die Handwerksbetriebe wahr.

Das Interview mit Dilek Intepe fand im ersten Halbjahr 2022 statt. Seit 2019 ist sie UBA-Betriebslotsin an der Handwerkskammer Berlin. Die UBA-Betriebslotsinnen und Betriebslotsen des Projekts „Unternehmen Berufsanerkennung: HWK“ unterstützen Handwerksbetriebe dabei, das Instrument der Berufsanerkennung zur Gewinnung und Sicherung von Fachkräften zu nutzen.

Wichtige Informationen zur Zuständigkeit und Details zum Anerkennungsverfahren für die deutschen Referenzberufe bieten der Profi-Filter im Profi-Bereich und der Anerkennungs-Finder im Fachkräfte-Bereich von „Anerkennung in Deutschland“.