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Ein Jahr Beratung durch die ZSBA

Im Februar 2020 ging die Zentrale Servicestelle Berufsanerkennung (ZSBA) an den Start. Ein Jahr danach zieht Teamleiter Dominik Keindorf eine erste Bilanz.

Wie verlief der Start der ZSBA im Februar 2020?
Zunächst wurden 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rekrutiert und bis zum Inkrafttreten des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes am 1. März intensiv auf ihre neue Tätigkeit vorbereitet. Viele Mitarbeitende bringen bereits Erfahrungen in der Anerkennungsberatung, in der Migrationsberatung oder auch in der Qualifizierungsberatung mit. Viele haben selbst Migrationsbiografien und verfügen über entsprechende Sprachkenntnisse. Neben Deutsch und Englisch kann die ZSBA aktuell auf 12 weitere Beratungssprachen zurückgreifen, unter anderem Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Serbisch, Türkisch und Arabisch.

Gerade die ersten Wochen waren von viel Konzeptionsarbeit geprägt, alle haben angepackt und sich ihren neuen Arbeitsplatz aktiv mit aufgebaut. Die Aufgaben reichten von Teamzuständigkeiten und Vertretungsregelungen bis hin zum komplexen Zusammenspiel mit den vielen Anerkennungsstellen und dem Aufbau einer Hotline zur Kooperation mit dem BAMF. Parallel dazu stiegen die Anfragen stetig an. Und dann kam Corona. Danach war die Anzahl der ratsuchenden Fachkräfte zunächst stark rückläufig, inzwischen wächst sie wieder deutlich.

Worin bestehen die Aufgaben der ZSBA?
Die ZSBA begleitet Anerkennungsinteressierte aus dem Ausland und unterstützt sie dabei, einen künftigen Arbeitsort und die zuständige Anerkennungsstelle in Deutschland zu identifizieren. Wir helfen ihnen, die Chancen, formalen Bedingungen und Voraussetzungen für die Anerkennung realistisch einschätzen zu können und so eine gut begründete, erfolgversprechende Entscheidung zur Einwanderung zu treffen. In Zusammenarbeit mit den Anerkennungsinteressierten werden anschließend alle erforderlichen Antragsunterlagen zusammengestellt. Wenn Qualifizierungen notwendig sind, weisen wir auf entsprechende Angebote hin, um so die zuständigen Stellen und auch die Qualifizierungsberatung in den Regionen zu entlasten. Dies geschieht in enger Abstimmung mit vielen am Migrations- und Integrationsprozess beteiligten Akteuren. Hier die Schnittstellen zu kennen, zum passenden Zeitpunkt an die passende Stelle zu verweisen und für die ausländischen Fachkräfte erster Ansprechpartner in Deutschland zu sein, ist die wichtigste Rolle der ZSBA.

Was sind die Herausforderungen für Beratung und Verfahrensbegleitung?
Die Anerkennungslandschaft in Deutschland ist komplex und vielfältig. Darauf treffen Menschen, die über stark abweichende Erfahrungen mit staatlich-bürokratischen Abläufen verfügen und oft mit Sprach- und Verständnisbarrieren zu kämpfen haben. Da kann es passieren, dass einige resignieren, abbrechen, Formfehler bei der Antragstellung begehen oder Mehrfachanfragen bei verschiedenen Institutionen stellen. Neben einigen gut informierten und eigenständig handelnden Anerkennungsinteressierten sieht sich die Vielzahl der Fachkräfte mit hohen Herausforderungen konfrontiert. Eine zentrale Anlaufstelle für Antragstellende aus dem Ausland füllt daher eine Lücke im System der Berufsanerkennung. Die Unterstützung wird dankbar angenommen und die Gefahr fehlerhafter oder unvollständiger Anträge frühzeitig vermieden. Viel positives Kunden-Feedback bestärkt die Beratenden täglich in ihrer Arbeit.

Der inhaltliche und zeitliche Beratungsaufwand für die individuelle Verfahrensbegleitung ist erheblich – aber in den meisten Fällen lohnt es sich. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es weiterhin Hürden gibt. Zum Beispiel können wir zu Beginn des Beratungsprozesses nur sehr bedingt verbindliche Aussagen zu finanzieller Unterstützung machen. Hinzu kommen die vielfältige Landschaft von Anerkennungsstellen oder die notwendige Verbesserung von Deutschkenntnissen. Beratungen können so mitunter auch dazu führen, dass die Menschen sich gegen die Einwanderung entscheiden. 

Was sind häufige Herkunftsländer und Berufe?
Bisher haben wir Menschen aus fast 100 Ländern beraten, wobei sich aktuell die Türkei, Marokko und Bosnien und Herzegowina als vorrangige Herkunftsländer abzeichnen. Sofern die Anerkennungsinteressierten bereits konkrete Zielregionen im Blick haben, liegt der Schwerpunkt derzeit häufig auf Nordrhein-Westfalen, Bayern oder Berlin. Die Branchen mit den meisten Anfragen sind akademische und nicht-akademische Heilberufe, Ingenieurinnen und Ingenieure sowie IHK-Berufe.

Was sind die häufigsten Anliegen der Ratsuchenden?
Das Spektrum ist vielfältig und reicht von der allerersten Orientierung für Menschen ohne Deutschkenntnisse und mit noch sehr vagen Migrationsabsichten bis zu jenen, die bereits fließend Deutsch sprechen, alle Antragsunterlagen zusammengestellt und einen interessierten Arbeitgeber gefunden haben, aber vielleicht noch ein Qualifizierungsangebot benötigen. Es gibt andere, die aufgrund der Corona-Pandemie keinen Botschaftstermin bekommen, die eine Prüfung im Heimatland absolviert, aber keine eigentliche Ausbildung haben. Wieder andere, die ausgezeichnet qualifiziert sind, sich aber darum sorgen, ob und wie die Familie einen Umzug in ein anderes Land verkraftet. Oder auch Menschen, die tragische Schicksale als Begründung für ihren Veränderungswunsch vortragen. Die ZSBA-Beratenden stellen sich daher bei jedem Gespräch auf völlig neue administrative, kulturelle und persönliche Gemengelagen ein – eine Herausforderung, aber auch ein Erfahrungsgewinn für jede künftige Beratung.

 

Ein Gastbeitrag von Dominik Keindorf, Teamleiter bei der ZSBA. Die ZSBA hat ihren Sitz in der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit in Bonn. Fachkräfte im Ausland, die eine Anerkennung ihres Berufsabschlusses in Deutschland anstreben, können sich bereits vor ihrer Einreise durch die ZSBA beraten und im Anerkennungsverfahren individuell begleiten lassen. Sie erreichen die ZSBA über die Hotline „Arbeiten und Leben in Deutschland“.

Fakten und Zahlen auf einen Blick

Seit dem Start im Februar 2020 haben die 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ZSBA Menschen aus fast 100 Ländern beraten. Die 3 häufigsten Herkunftsländer sind aktuell Türkei, Marokko, Bosnien und Herzegowina. Zu den Branchen mit den meisten Anfragen gehören akademische und nicht-akademische Heilberufe, Ingenieurinnen und Ingenieure sowie IHK-Berufe. Die ZSBA berät in 14 Sprachen, darunter Deutsch, Englisch Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Serbisch, Türkisch, Arabisch.