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Gelungener Start in Kolumbien

David Gámez berät Fachkräfte zur Anerkennung am neuen Standort von ProRecognition in Kolumbien. Im Interview berichtet er über erste Erfolge.

Seit 2020 berät die AHK Kolumbien zur Anerkennung. David Gámez ist seit Juni dabei und mit 24 einer der jüngsten Berater im ProRecognition-Team. Im Interview berichtet er über erste Erfolge.

Wie sind Sie zu ProRecognition an der Auslandshandelskammer (AHK) in Kolumbien gekommen?

David Gámez: Für die deutsche Kultur und Sprache interessiere ich mich schon seit meiner Kindheit. In Bogotá habe ich Germanistik studiert und parallel mehrere Jahre als Deutschlehrer und Reiseführer gearbeitet. Bei meinem ersten Besuch in Deutschland war ich von Land und Leuten schwer begeistert. Solche Erfahrungen wollte ich auch meinen Landsleuten ermöglichen. Ich machte mich auf die Suche nach einem Job im kolumbianisch-deutschen Kontext. Und nun bin ich seit Juni 2020 Anerkennungsberater im Projekt ProRecognition.

Kolumbien ist seit 2020 neu im Projekt ProRecognition. Wie war das, zeitgleich mit Corona und dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz an den Start zu gehen?

David Gámez: Corona erschwert die Arbeit und den Aufbau unseres Beratungsstandortes natürlich sehr. Von Beginn an steuern wir den Beratungsalltag komplett aus dem Homeoffice heraus. Es ist seltsam, im Lockdown einen Beraterjob anzutreten, den Kommunikation, Kontakte und Begegnungen ausmachen. Von meinen 20 Kolleginnen und Kollegen an der AHK in Bogotá habe ich bis jetzt kaum jemanden persönlich treffen können. Selbst meine Projektkollegin erst dreimal! Das ist sehr schade, denn gerade zu Beginn ist ein regelmäßiger persönlicher Austausch wichtig. Dennoch sind wir als Team schnell zusammengewachsen. Das Koordinationsteam in Berlin und die erfahrenen Kolleginnen und Kollegen der anderen Standorte haben uns beim Aufbau geholfen. Seitdem können wir die Fachkräfte tatkräftig bei der Anerkennung unterstützen. Wir sind froh, gleichzeitig mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz gestartet zu sein. 15 Prozent unserer Interessenten sind beruflich qualifizierte Fachkräfte, die nun leichter nach Deutschland einreisen können. Und es werden mehr.

Was sind Ihre Aufgaben?

David Gámez: Ich berate kolumbianischer Fachkräfte, die in Deutschland arbeiten möchten, und informiere sie über die Möglichkeiten der Berufsanerkennung. Sind die notwendigen Deutschkenntnisse vorhanden? Handelt es sich um eine berufliche oder akademische Qualifikation und ist diese staatlich anerkannt? Welche ist die zuständige Stelle für das Anerkennungsverfahren? Diese und weitere Fragen müssen vorab geklärt werden. In einem nächsten Schritt erläutere ich den Fachkräften, welche Dokumente wie auszufüllen sind und helfe ihnen beim Antrag für das Arbeitsvisum. Dabei teile ich auch gerne meine eigenen persönlichen Erfahrungen, gebe Tipps beim Deutsch lernen und helfe bei der Jobsuche. Wichtig für den Erfolg meiner Arbeit ist die Kontaktpflege zu den Akteuren der Anerkennung, allen voran den zuständigen Stellen in Deutschland und der deutschen Botschaft hier in Bogotá.

Was sind das für Personen, die zu Ihnen in die Beratung kommen und welche Qualifikationen bringen sie mit?

David Gámez: Die Nachfrage nach Beratungen ist sehr hoch. Bisher verzeichnen wir über 1000 Interessenten und haben über 270 Erstberatungsgespräche geführt. Die Arbeitslosigkeit ist hierzulande durch Corona zwar gestiegen, viele Personen, die ich berate, melden mir aber, dass ihre Aussichten auf einen Beruf bereits vor Corona nicht allzu rosig waren. Sie spielen schon viel länger mit dem Gedanken, ihre Heimat zu verlassen und in Deutschland einen Neustart zu wagen. Vom Ingenieur über die Pflegekraft bis zum Techniker ist eigentlich alles dabei. Die Akademiker haben meist schon eine genauere Vorstellung, bringen gute Deutschkenntnisse mit und sind über den aktuellen Fachkräftebedarf in Deutschland informiert. 

Was war Ihr erster erfolgreicher Beratungsfall?

David Gámez: Das war eine 25-jährige Psychologin mit guten B2-Deutschkenntnissen, die sehr motiviert war und schnell alle notwendigen Unterlagen für die Zeugnisbewertung zusammen hatte. In Rekordzeit von nur einem Monat lag ein unterschriebener Arbeitsvertrag vor. Daraufhin nahm der Arbeitgeber auf meine Empfehlung hin Kontakt zur „Zentralen Auslands- und Fachvermittlung“ (ZAV) auf, um zeitnah die Vorabzustimmung der Bundesagentur für Arbeit zu erhalten. Damit stand einer zügigen Bearbeitung des Visumantrages bei der Botschaft nichts mehr im Wege. Im Dezember 2020 ist sie nach Deutschland gereist und arbeitet heute als pädagogische Mitarbeiterin bei der Lebenshilfe in Rotenburg. Dass das so gut geklappt hat, hat mich sehr motiviert. Überhaupt bin ich stolz darauf, Fachkräfte auf ihrem Weg in ein neues Leben bestmöglich unterstützen zu können. Man wandert schließlich nicht alle Tage einfach so nach Europa aus. Die positiven Rückmeldungen der Fachkräfte bestätigen mich in meiner Arbeit.

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für kolumbianische Fachkräfte, die nach Deutschland auswandern wollen?

David Gámez: Die geforderten Sprachkenntnisse, die Kosten und die Dauer des gesamten Verfahrens. Vor dem Erstberatungsgespräch geben Fachkräfte oft Deutschkenntnisse an, die sich später im Gespräch als deutlich überschätzt herausstellen. Dies trifft vor allem bei beruflich qualifizierten Fachkräften zu. Ich erkläre dann, dass der Spracherwerb ein wesentlicher Schlüssel zur Anerkennung ist. Hier sind wir schon bei der nächsten Herausforderung – den Kosten. Neben Sprachkursen und beglaubigten Übersetzungen müssen der Versand von Dokumenten und das Anerkennungsverfahren selbst bezahlt werden. Bei einem Mindestlohn von derzeit 260 Euro im Monat kommen manche Fachkräfte schnell an ihre finanziellen Grenzen. Außerdem dauern die Verfahren mitunter recht lange. Von der Erstberatung bis zum Jobeintritt vergehen mehrere Monate.

Warum wollen kolumbianische Fachkräfte nach Deutschland und nicht nach Spanien?

David Gámez: Meine Landsleute sehen im wirtschaftsstarken Technologie- und Innovationsstandort Deutschland den besseren Ort für ihre berufliche und persönliche Weiterentwicklung. Hinzu kommt der Anreiz, eine neue Sprache zu lernen und einen Neustart in einer anderen Kultur zu wagen. Außerdem haben inzwischen viele Kolumbianer Familienmitglieder oder Freunde, die bereits in Deutschland leben und arbeiten.

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn Sie an die Zeit nach Corona denken?

David Gámez: Ich vermisse den persönlichen Kontakt, sowohl zu den Fachkräften als auch zu meinen Kolleginnen und Kollegen an der AHK. Auf diesen direkten Austausch freue ich mich sehr. Außerdem wurde das Büro in der Zwischenzeit renoviert und neu ausgestattet. Beste Voraussetzungen für gute Beratungsgespräche und Kaffeepausen!

Das Interview mit David Gámez fand im Februar 2021 statt. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte und von der DIHK Service GmbH umgesetzte Projekt ProRecognition ist neben Kolumbien noch an 9 weiteren AHK-Standorten vertreten: Ägypten, Algerien, Indien, Iran, Italien, Polen und Vietnam (seit 2015) sowie Bosnien und Herzegowina und Brasilien (seit 2020). Mehr über das Projekt erfahren Sie in diesem Portal und auf der Internetseite des Projekts ProRecognition.

Wichtige Informationen zur Zuständigkeit und Details zum Verfahren z. B. für den Referenzberuf „Psychologe/Psychologin“ bieten Profi-Filter und Anerkennungs-Finder in diesem Portal.