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Gaurav Kumar, Kraftfahrzeugmechatroniker

Dank der An­er­ken­nung bin ich viel selbst­be­wuss­ter in mei­nem Be­ruf und als Mensch.

2021 erfüllte sich Gaurav Kumar aus Indien den Traum, in Deutschland zu arbeiten. Mit der Anerkennung seiner Berufsausbildung arbeitet er heute als Kraftfahrzeugmechatroniker in einem Betrieb in Bielefeld.

Mein Tipp
Wer hier ar­bei­ten möch­te, soll­te zu­erst Deutsch ler­nen!
Steckbrief
Name
Gaurav Kumar
Alter
26
Referenzberuf
Kraftfahrzeugmechatroniker
Herkunftsland Abschluss
Indien
tätig als
Kraftfahrzeugmechatroniker

Meine Geschichte

„Die Anerkennung ist der größte Erfolg, den ich in meinem Leben bisher erreicht habe.“

„In Deutschland zu leben und zu arbeiten, war schon lange mein Traum“, erzählt der 26-jährige Gaurav Kumar aus Indien. Für den gelernten Kraftfahrzeugmechatroniker ist Deutschland der Inbegriff von Technik und Autos. Deshalb fasste er nach seiner Ausbildung und ein paar Jahren Berufserfahrung den Entschluss, nach Deutschland zu gehen. „Deutschland bietet mir viele Möglichkeiten, mich in meinem Beruf weiterzuentwickeln. Aus diesem Grund wollte ich unbedingt hierher.“ Über Online-Jobbörsen suchte er nach einem geeigneten Arbeitgeber. Und den fand er auch schnell. Eine Kfz-Werkstatt in Hessen brauchte eine Fachkraft im Bereich Mechatronik. Gaurav Kumar schrieb den Betrieb an und erhielt kurz darauf eine Einladung für ein erstes Online-Gespräch. Bis hierhin hatte der junge Inder alles eigenständig erledigt, ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Auch für die Anerkennung nahm er sich zunächst keine Hilfe. Mit einer Vollmacht von Gaurav Kumar stellte sein neuer Arbeitgeber im Mai 2018 den Antrag auf Anerkennung bei der Handwerkskammer Kassel. 3 Monate später erhielt Gaurav Kumar den Bescheid über die teilweise Anerkennung seiner Berufsqualifikation. Was als nächstes zu tun war, wussten aber weder Gaurav Kumar noch sein Arbeitgeber. 

Also wandte sich Gaurav Kumar an das Projekt ProRecognition, das an den Auslandshandelskammern (AHK) in aktuell 10 Ländern zur Anerkennung berät. Bei der Beratungsstelle im indischen Pune kam die Anfrage von Gaurav Kumar nicht überraschend: „Viele Ratsuchende machen bei der Anerkennung den zweiten vor dem ersten Schritt. Sie suchen zuerst einen Job und erkennen erst dann, dass sie die Anerkennung brauchen“, sagt Sapna Bhosle. Sie ist eine von 2 Beraterinnen, die Gaurav Kumar intensiv auf seinem weiteren Weg begleiteten. Um die volle Anerkennung zu erhalten, musste Gaurav Kumar eine Anpassungsqualifizierung in Form eines 4-monatigen Praktikums machen. ProRecognition beriet den Arbeitgeber beim Erstellen des Weiterbildungsvertrags. Und man half Gaurav Kumar dabei, die nötigen Unterlagen für sein Visum zu bekommen. Eine schwierige Aufgabe: „Bis dahin hatten wir wenig Erfahrung mit Ratsuchenden, die eine Ausbildung im Handwerksbereich abgeschlossen hatten. Die meisten indischen Ratsuchenden sind Akademiker“, erklärt Isabell Jenninger von ProRecognition. 

Mit Visum und Arbeitsvertrag startete Gaurav Kumar schließlich im April 2019 sein Praktikum in Deutschland. Doch das Praktikum endete schon nach 4 Wochen. Denn Gaurav Kumar war einer dringenden Empfehlung seiner Beraterinnen nicht gefolgt: Deutsch zu lernen. So aber funktionierte die Zusammenarbeit in dem Betrieb nicht. Heute sagt Gaurav Kumar: „Ohne die weitere Beratung durch ProRecognition wäre ich heute nicht hier. Ich hätte viel früher Deutsch lernen sollen. Daher mein Tipp an alle, die in Deutschland arbeiten möchten: Lernt zuerst Deutsch!“

„Ich war damals sehr enttäuscht, dass es nicht geklappt hatte“, erinnert sich Gaurav Kumar. Er kehrte nach Indien zurück und meldete sich zunächst nicht mehr bei seinen Beraterinnen. Doch die gaben ihn nicht so schnell auf. „Wir haben ihm weitere Unterstützung angeboten. Mit der teilweisen Anerkennung hatte er auch schon viel erreicht. Das haben wir ihm gesagt und ihm erklärt, dass es vor allem an seinen Deutschkenntnissen gescheitert war. Aber daran konnte er arbeiten“, sagt Sapna Bhosle. Daraufhin lernte Gaurav Kumar Deutsch am Goethe-Institut und erreichte das A2-Sprachniveau. Gleichzeitig fand er einen neuen Arbeitgeber in Deutschland: die Scania Vertrieb und Service GmbH in Bielefeld.

Auch dort war man schnell von dem Kraftfahrzeugmechatroniker aus Indien überzeugt. Wegen der Corona-Pandemie verging allerdings viel Zeit, bis alle notwendigen Dokumente vorlagen. So konnte Gaurav Kumar sein Praktikum erst im Januar 2021 in Bielefeld fortsetzen. Dabei waren vor allem die ersten Wochen ein großer Lernprozess für ihn. „Viele der Geräte und Werkzeuge habe ich vorher noch nie gesehen. Das technische Niveau in dem Bereich ist in Deutschland viel höher als in meiner Heimat.“ Doch Gaurav Kumar lernte schnell. Nach ein paar Wochen Eingewöhnung erledigte er seine Aufgaben eigenständig und in der vorgegebenen Zeit. Zur vollen Zufriedenheit seines Arbeitgebers. Der Betrieb brauche mehr Leute wie ihn, sagt sein Chef. Gaurav Kumar freut sich über diese Wertschätzung seiner Arbeit.

Im April 2021 reichte er den Folgeantrag auf Anerkennung ein. Und im Juni war das lang ersehnte Ziel schließlich erreicht: die volle Anerkennung. „Das ist unbeschreiblich. Der größte Erfolg in meinem Leben. Dadurch bin ich viel selbstbewusster in meinem Beruf, aber auch als Mensch geworden. Es hat mir gezeigt, dass ich meine Ziele erreichen kann“, freut sich Gaurav Kumar. Und neue Ziele hat er auch schon: „Ich möchte unbedingt das Sprachniveau B1 erreichen. So bekomme ich eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung. Denn mit der Anerkennung ist mir eines bewusst geworden: Meine Zukunft liegt in Deutschland.“ 


Das Gespräch mit Gaurav Kumar fand im November 2021 statt. Beim Anerkennungsverfahren berieten und unterstützten ihn ProRecognition an der AHK Indien sowie die Handwerkskammer Kassel. 

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Die Anerkennung muss man Schritt für Schritt angehen, in der richtigen Reihenfolge.

Ich heiße Gaurav Kumar und ich bin Kfz-Mechatroniker.

Den Beruf habe ich in Indien gelernt. Aber Deutschland ist für seine Autos berühmt.

Hier arbeiten und mich verbessern, das war mein Traum.

Ich habe einen Arbeitgeber in Deutschland gesucht und die Anerkennung beantragt.

Leider habe ich nur eine Teilanerkennung bekommen. Bei ProRecognition habe ich gefragt, was ich damit tun könnte.

Wir vom indischen ProRecognition-Team sind an der Deutsch-Indischen Handelskammer in Pune verankert.

Von hier aus beraten wir Fachkräfte zu allen Fragen der Anerkennung und begleiten sie im weiteren Migrationsprozess nach Deutschland.

Wir haben mit Herrn Kumar geklärt, dass er eine Anpassungsqualifizierung machen muss. Ein 4-monatiges Praktikum bei einem Betrieb in Deutschland.

Ich habe gedacht: Kein Problem. Ich bin ja gut in meinem Job.

Dann haben wir Herrn Kumar und seinen Arbeitgeber bei der Erstellung des Qualifizierungsplans beraten und bei der Beantragung des Visums unterstützt.

Das Problem mit der Sprache habe ich total unterschätzt.

Mit dem Visum bin ich sofort nach Deutschland gereist. Das geht schon, habe ich gedacht.

Es ging aber leider nicht. Ohne Sprachkenntnisse ist es schwer, hier zu arbeiten.

Ich bin erst einmal zurück nach Indien, aber aufgeben wollte ich nicht.

Ich wusste, ich muss Deutsch lernen. Das hatte mir ProRecognition empfohlen.

Gaurav Kumar hat mir gezeigt, dass er großes Interesse an Scania hat. Und dass er einen Plan hat.

Wir haben geschaut, ob wir uns auf das Abenteuer einlassen. Und wir haben uns darauf eingelassen.

Im zweiten Anlauf hat ja alles funktioniert. Und das freut uns auch.

Jetzt bin ich schon seit einem Jahr bei Scania.

Ich habe die Anerkennung geschafft und einen festen Arbeitsvertrag.

Gaurav Kumar hat sich sehr gut integriert und ist ein Teil der Mannschaft geworden.

Seine Monteursleistungen überzeugen uns in voller Breite. Wir sind sehr zufrieden mit ihm.

Die Leute hier lieben ihre Arbeit und das Teamwork ist klasse. Und die Kollegen unterstützen mich wirklich toll.

Ich habe es mir schwerer gemacht als nötig.

Daher mein Tipp an alle, die die Anerkennung beantragen wollen:

Lasst euch auf jeden Fall erst beraten, bevor ihr die Anerkennung startet!

Und lernt Deutsch! Dann ist alles möglich.

Starten Sie Ihre eigene Erfolgsgeschichte und erzählen Sie davon.

Anerkennung in Deutschland

Mehr Erfahrungsberichte und Informationen auf www.anerkennung-in-deutschland.de

Mein Verfahren in Kürze

  1. Gaurav Kumar macht in Indien eine Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechatroniker und sammelt in seiner Heimat mehrere Jahre Berufserfahrung
  2. Im Dezember 2017 findet Gaurav Kumar über eine Online-Jobbörse eine freie Stelle in einer Werkstatt in Hessen. Er schreibt den Betrieb an, kurz darauf findet ein erstes Online-Gespräch statt.
  3. Mit Gaurav Kumars Vollmacht stellt der Betrieb im Mai 2018 einen Antrag auf Anerkennung seiner Berufsqualifikation bei der Handwerkskammer Kassel. 3 Monate später erhält Gaurav Kumar eine teilweise Anerkennung. Er wendet sich an ProRecognition Indien, wo man ihn zu Qualifizierung und Einreise berät.
  4. Für die volle Anerkennung muss Gaurav Kumar eine 4-monatige Anpassungsqualifizierung in Form eines Praktikums machen. Weil er kein Deutsch spricht, endet sein Praktikum schon nach 4 Wochen.
  5. Gaurav Kumar kehrt nach Indien zurück und lernt Deutsch am Goethe-Institut bis zum Niveau A2. Im August 2019 findet er eine neue Stelle bei der Scania Vertrieb und Service GmbH
  6. Mit Hilfe von ProRecognition stellt er alle notwendigen Dokumente zusammen und setzt im April 2021 seine Anpassungsqualifizierung fort. Im Juni 2021 erhält er die volle Anerkennung. Er arbeitet nun als Kraftfahrzeugmechatroniker bei Scania in Bielefeld.