5 Jahre Anerkennungsgesetz - gelernt ist gelernt!

Frau beim Fotografieren mit einem Smartphone (Foto: BMBF/Annegret Hultsch)

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Dokumentation der Fachtagung

Am 21. Juni 2017 fand die Fachtagung „5 Jahre Anerkennungsgesetz – gelernt ist gelernt!“ in Berlin statt. 300 Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, der Beratungspraxis sowie Personen, die ein Anerkennungsverfahren durchlaufen haben, folgten der Einladung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB).

Gemeinsam wurde Bilanz aus 5 Jahren Anerkennungsgesetz gezogen und zukünftige Perspektiven wurden diskutiert. Die Diskussionsgrundlage war der am 7. Juni vom Bundeskabinett beschlossene Bericht zum Anerkennungsgesetz, der unter anderem die Ergebnisse aus der externen Evaluation der InterVal GmbH und des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) enthält.

Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka eröffnete die Fachtagung und betonte die Bedeutung der beruflichen Anerkennung für Deutschland. Das Thema Fachkräftesicherung werde aufgrund des demographischen Wandels weiterhin sehr wichtig sein. „Anerkennung lohnt sich: die Einkommen steigen und die Lebensqualität und Wertschätzung für die betroffenen Personen verbessern sich“, fasste die Ministerin die Evaluationsergebnisse zusammen. Zudem sei die geringe Anzahl negativ beschiedener Verfahren ein Qualitätssiegel für die Beratungsstellen. Trotz der positiven Evaluationsergebnisse wies Wanka auch auf die in der Evaluation angeführten Herausforderungen hin. So sei beispielsweise die Verwaltungspraxis in den Ländern noch zu unterschiedlich, vor allem bei den Gesundheitsberufen. Die neu eingerichtete Gutachtenstelle für Gesundheitsberufe (GfG) sei zwar ein Schritt in Richtung bundeseinheitlicher Standards, weitere Verbesserungen seien jedoch möglich, beispielsweise bei der Personalausstattung der Länder. Weiterhin wünscht sich Wanka eine verstärkte Aufklärung von Betrieben über die Vorteile der Anerkennung.

Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, hob in seiner Rede die positive Entwicklung des Arbeitsmarktes hervor: die Arbeitslosigkeit sinke jedes Jahr weiter und immer mehr sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze entstünden. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sowie andere Institute prognostizierten, dass dieser Trend weiter anhalten werde. Es stelle sich somit die Frage, wie der Fachkräftebedarf in Deutschland zukünftig gedeckt werden könne. Das Anerkennungsgesetz sei aus diesem Blickwinkel ein „wunderbares Gesetz“, so Scheele. „Es lohnt sich, es nach fünf Jahren zu feiern. Es ist ein Erfolg!“ Mit Blick auf das Ziel, die Attraktivität Deutschlands für qualifizierte Zuwanderer weiter zu erhöhen, schlug Scheele vor, Teile des Anerkennungsverfahrens sowie des Spracherwerbs schon im Ausland durchzuführen. Betroffene Personen sollten vor ihrer Einreise wissen, ob ihr Berufsabschluss anerkannt werde. Zudem wies Scheele auf eine weitere Herausforderung hin: Insbesondere im Flüchtlingskontext lägen meist keine Nachweise über Ausbildung und Berufstätigkeit vor. Aus diesem Grund entwickele die BA derzeit für 30 Ausbildungsberufe einen bildbasierten Test, mit dem berufliche Kompetenzen zukünftig erfasst werden sollen.

Das Anerkennungsgesetz sieht vor, dass die Bundesregierung vier Jahre nach dessen Inkrafttreten seine Anwendung und Auswirkungen überprüft und dem Deutschen Bundestag und dem Bundesrat über das Ergebnis berichtet. Das BIBB hatte daher 2015 nach einer europaweiten Ausschreibung die Evaluation des Anerkennungsgesetzes des Bundes beauftragt und diese fachlich begleitet. Im Rahmen der Fachtagung wurden die Ergebnisse von den Evaluatoren Dr. Stefan Ekert (InterVal GmbH) und Dr. Christa Larsen (IWAK) präsentiert. Zentral waren für sie die Fragen, ob das Anerkennungsgesetz zu einer größeren Zahl von Anerkennungen führt und welche Effekte die Anerkennung für Antragssteller und Arbeitsmarkt hat. Um dies herauszufinden, wurden mehr als 800 Personen befragt, deren Anerkennungsverfahren zu Bescheiden über eine volle oder teilweise Gleichwertigkeit geführt hatten. Daneben waren auch qualitative Interviews und Fallstudien zu den Berufen Arzt/Ärztin, Elektroniker/Elektronikerin und Kaufmann/-frau für Büromanagement Bestandteil der Evaluation. Die Untersuchungen zeigen unter anderem, dass sich die Qualität der Arbeitsmarktintegration beim Befragungszeitpunkt im Sommer 2016 gegenüber dem Zeitpunkt der Antragsstellung in mehrfacher Hinsicht deutlich verbessert hat: So stieg beispielsweise das monatliche Bruttoeinkommen um durchschnittlich 40 Prozent. 72 Prozent der Befragten stellten eine Verbesserung ihrer beruflichen Situation fest. 84 Prozent der Personen, die zum Zeitpunkt der Antragstellung im Ausland lebten, gaben an, dass die Anerkennung ein wichtiger Aspekt bei der Zuwanderungsentscheidung nach Deutschland gewesen sei.

Anschließend wurden die Ergebnisse und Schlussfolgerungen der Evaluation in einer Podiumsrunde von Dr. Stefan Ekert (InterVal GmbH), Vanessa Ahuja (Bundesministerium für Arbeit und Soziales), Dilek Intepe (Handwerkskammer Berlin) und Elvira Stegnos (Interkulturelles Bildungszentrum Mannheim) diskutiert. Das Publikum hatte dabei die Möglichkeit, Fragen an die Diskutanten zu stellen.

Erstmalig wurde im Rahmen der Fachtagung der von BMBF aufgelegte Unternehmenspreis „Wir für Anerkennung“ in Kooperation mit Deutschem Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) verliehen. Der Preis würdigt Unternehmen für ihr Engagement im Bereich der beruflichen Anerkennung. Die Preisverleihung erfolgte durch Bundesbildungsministerin Johanna Wanka und die Präsidenten beider Dachverbände, Dr. Eric Schweitzer vom DIHK und Peter Wollseifer vom ZDH.

Anlässlich der Jubiläumsveranstaltung wurde auch der Startschuss zu einer Wanderausstellung gegeben, die Berufsanerkennung begreif- und erlebbar macht. Seit der Eröffnung in Berlin war die Ausstellung bereits in der HWK Berlin, in der IHK Duisburg und in der IHK Rhein-Neckar zu sehen.
Abschließend an 7 Marktständen verschiedene Themen rund um das Anerkennungsgesetz diskutiert.

Weiterführende Informationen:

Aktualisiert am 29.11.2017