Berufliche Anerkennung für Spätaussiedler

Spätaussiedlerin beschäftigt im Gesundheitsbereich
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Spätaussiedler hatten bereits vor Inkrafttreten des Anerkennungsgesetzes durch das Bundesvertriebenengesetz (BVFG) einen Anspruch auf ein Anerkennungsverfahren, der auch weiterhin besteht. Die neuen Verfahren nach dem BQFG können aber auch von Vorteil sein.


Spätaussiedler-Status

Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler sind deutsche Volkszugehörige aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion und anderen osteuropäischen Staaten, die im Wege eines speziellen Aufnahmeverfahrens ihren Aufenthalt in Deutschland begründet haben und sämtliche im Bundesvertriebenengesetz normierten Voraussetzungen erfüllen. Auch Ehegatten und Kinder können darunter fallen. Mit der Anerkennung als Spätaussiedler erhalten sie automatisch die deutsche Staatsangehörigkeit.

Anerkennungsverfahren

Nach § 10 BVFG werden Prüfungen und Befähigungsnachweise von Spätaussiedlern anerkannt, wenn sie dem entsprechenden deutschen Abschluss gleichwertig sind.

Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler haben jetzt die Wahl: Sie können für berufliche Abschlüsse, die sie in den Aussiedlungsgebieten erworben haben, wie bisher das Verfahren nach dem Bundesvertriebenengesetz (§ 10 BVFG) oder das neue Gleichwertigkeitsverfahren nach dem Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz (BQFG) anstreben. Einige Unterschiede sind zu beachten:

BVFG

BQFG

formaler Vergleich Ihrer Ausbildung mit deutscher Ausbildung (ggf. auch mit früher geltendem deutschem Referenzberuf)

materieller (inhaltlicher) Vergleich Ihrer Ausbildung mit deutscher Ausbildung (ausschließlich mit aktuell gültigem deutschen Referenzberuf)

keine Berücksichtigung von Berufserfahrung

Berücksichtigung von Berufserfahrung und sonstiger Weiterbildung

z.T. keine oder geringe Gebühren

gebührenpflichtig

Gleichwertigkeitsprüfung für berufliche Abschlüsse sowie für Schul- und Hochschulzeugnisse

Gleichwertigkeitsprüfung nur für berufliche Abschlüsse

bei Nichtvorliegen der erforderlichen Nachweise: Ersatzurkunden und eidesstattliche Erklärungen möglich

bei Nichtvorliegen der erforderlichen Nachweise: Prüfung der beruflichen Kompetenzen durch “sonstige geeignete Verfahren“  (Qualifikationsanalyse nach § 14 BQFG)

Je nach persönlichem Profil können Spätaussiedler entscheiden, welches Verfahren für sie voraussichtlich positiver ablaufen wird. Wenn viel Berufserfahrung vorliegt, könnte ein Verfahren nach dem BQFG von Vorteil sein, da hier – im Gegensatz zu den Verfahren nach dem BVFG – die Berufserfahrung berücksichtigt wird und damit wesentliche Unterschiede in der Ausbildung ausgeglichen werden können.

Erneuter Antrag

Wenn bereits eine Gleichwertigkeit des Abschlusses nach dem BVFG festgestellt wurde und eine Anerkennung erfolgt ist, besteht in der Regel keine Notwendigkeit für ein neues Verfahren nach dem BQFG. Die zuständige Stelle wird einen Antrag nach BQFG in der Regel ablehnen (§ 6 Absatz 5 BQFG).

Falls ein Verfahren nach BVFG mit einer Ablehnung endete, ist ein erneuter Antrag nach BQFG grundsätzlich möglich. Er sollte aber nur gestellt werden, wenn z.B. inzwischen Weiterbildungen absolviert wurden oder Berufserfahrung vorliegt.

Reglementierte Berufe

In den reglementierten Berufen (Arzt, Krankenpfleger, Lehrer) gibt es für Spätaussiedler aufgrund § 10 BVFG zum Teil Besonderheiten im Verfahren. Fragen Sie Ihre zuständige Stelle.

Handwerk

Im Handwerk gibt es nach § 14 Absatz 5 BVFG für diejenigen, die vor der Aussiedlung ein Handwerk als stehendes Gewerbe selbständig betrieben oder die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen besessen haben, die Möglichkeit auf Eintragung in die Handwerksrolle. Fragen Sie Ihre zuständige Handwerkskammer.

Die Gleichwertigkeit nach § 10 BVFG führt zur gleichen Rechtsstellung, die mit der deutschen Prüfung oder dem deutschen Befähigungsnachweis verbunden ist – dies umfasst auch das Führen der Berufsbezeichnung oder eines Titel, z.B. des Meistertitels im Handwerk (§ 51 HwO)


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