4 Jahre Prototyping Transfer – Was wurde erreicht? Was folgt?

Am 25. September 2018 fand die Arbeitskonferenz „Prototyping Transfer“ im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in Berlin statt. Bei der Veranstaltung schauten Projektkoordinatoren, Projektpartner und Teilnehmende auf vier Jahre der Zusammenarbeit zurück und warfen einen Blick auf bestehende Herausforderungen sowie die Zeit nach Ende der Projektlaufzeit.

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Bei der Veranstaltung in Berlin freute sich Projektkoordinatorin Daniela Wiemers vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) über die rege Teilnahme. Unter den rund 75 Teilnehmenden fanden sich vor allem die Anerkennungsberatenden der zuständigen Stellen (vor allem Handwerkskammern und Industrie- und Handelskammern), um Good Practices und Herausforderungen bei der Durchführung von Qualifikationsanalysen (QA) zu diskutieren. Aber auch Beratungsfachkräfte des IQ Netzwerkes und weitere interessierte Vertreterinnen und Vertreter aus dem Anerkennungs- und QA-Netzwerk waren zur Veranstaltung angereist.

Das Projekt

Das Projekt Prototyping Transfer unterstützt seit Januar 2015 den Transfer und die Durchführung von Qualifikationsanalysen (QA) gemäß §14 BQFG im Bereich der Handwerkskammern sowie Industrie- und Handelskammern. Die QA ist eine Möglichkeit, die fachliche Qualifikation im Rahmen des Anerkennungsverfahrens bei z.B. fehlenden oder unvollständigen Unterlagen nachzuweisen. Neben dem BIBB als Projektkoordination arbeiten als Partner mit: HWK Hamburg, HWK Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald, IHK FOSA, IHK zu Köln, IHK für München und Oberbayern, Westdeutscher Handwerkskammertag (WHKT) und saaris e.V. (IHK Saarland).

EIN BLICK ZURÜCK

Maja Rentrop-Klewitz, Referentin im Referat 315 „Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen“ im BMBF, resümierte in ihrer Begrüßungsrede: „Die Zahlen zeigen, dass wir insgesamt auf einem guten Weg sind. Es ist sehr viel erreicht worden in den letzten Jahren, aber es gibt weiterhin ein Stück Weg zu gehen, um das Instrument noch weiter in den Infrastrukturen der Kammern zu verankern, damit noch mehr Anerkennungssuchende bundesweit von diesem Instrument profitieren können.“

Laut amtlicher Statistik wurden von 2012 bis 2017 600 Qualifikationsanalysen durchgeführt. Im Projekt Prototyping Transfer (2015 bis August 2018) waren es 171.

Moderator Dr. Uwe Lehmpfuhl (BIBB) begleitete durch den Tag und fragte die projektbeteiligten Partnerkammern nach ihrem persönlichen Resümee. Dabei stellte sich schnell heraus, dass eine Qualifikationsanalyse nie nach „Schema F“ abläuft und immer ein individuelles Verfahren darstellen muss. Wichtig seien bei der Durchführung vor allem folgende Themen, auf welche die drei Workshops tiefer eingingen: die Beratung der Antragstellenden vor der möglichen Durchführung einer QA, die Zusammenarbeit mit Fachexpertinnen und -experten sowie das Informations- und Wissensmanagement.

DEN ANTRAGSTELLENDEN DIE ANGST NEHMEN

Die Angst vor einer erneuten Prüfung – welche die Qualifikationsanalyse explizit NICHT ist – zu nehmen, war eine der wesentlichen Herausforderungen, die in Workshop 1 thematisiert wurden. Hier stand der Kunde im Fokus der Anerkennungsberatung. Es wurden typische Beratungssituationen durchgespielt und gemeinsam mit den Teilnehmenden Ansätze zu spezifischen Konstellationen in der Kundenberatung erarbeitet. Diskutiert wurde auch: Wann ist der richtige Zeitpunkt, um auf die Möglichkeit einer QA als Beraterin oder Berater hinzuweisen? Welche Finanzierungsmöglichkeiten kann ich meinen Klienten vorschlagen? Und wie bereite ich mich als Beraterin oder Berater eigentlich selbst auf eine QA vor?

INDIVIDUELLE LÖSUNGEN UND EXPERTINNEN UND EXPERTEN sind essentiell

Die Qualifikationsanalyse lebt von individuellen Lösungen und von Expertinnen und Experten, die offen sind, diese umzusetzen. Dies war im zweiten Workshop eine wesentliche Erkenntnis der Teilnehmenden der dort stattfindenden „Jam-Session“: An verschiedenen Tischen sollten alle Teil der Diskussion werden, um zu gemeinsamen Erkenntnissen des Workshops beizutragen. Eine Qualifikationsanalyse ist immer individuell – kein Buch mit sieben Siegeln eben, wie es der Workshoptitel beschrieb. Wichtig ist deswegen die Wahl eines geeigneten Fachexperten, der an der QA teilnimmt. Die in diesem Kontext stehenden Herausforderungen und Lösungsansätze zum richtigen Briefing des Experten und weiteren zahlreichen Aufgaben der Beratenden standen im Fokus des Workshops.

NETZWERKEN IST DAS HALBE LEBEN

Welche Informationen und Unterstützungsstrukturen gibt es schon? Welche werden genutzt? Und welche werden für die Zukunft gewünscht, um entsprechende Nachhaltigkeit gewährleisten zu können? Die Anwesenden waren sich einig, dass für sie kein Mangel an Informationsangeboten zur Qualifikationsanalyse besteht. Die Transferangebote des Projekts Prototyping Transfer sowie bestehende Strukturen in den Kammern wurden und werden weitgehend genutzt. Für eine gelungene und nachhaltige Umsetzung ist jedoch auch der Rückhalt aus den Leitungsebenen der zuständigen Stellen wichtig. Nur dann stehen Handlungsspielräume bereit. Ein wichtiges Fazit des Workshops 3: Ein Netzwerk ist das A und O, um bei der Durchführung einer QA Unterstützung zu erhalten und von den Erfahrungen anderer zu profitieren.

EIN BLICK NACH VORN

Diese Netzwerke stehen, so Maja Rentrop-Klewitz am Ende der Veranstaltung, im Folgeprojekt von Prototyping Transfer ab 2019 im Fokus. Sie sollen weiter ausgebaut und gestärkt werden. Mit dabei sind neben dem BIBB in der Gesamtprojektkoordination und dem WHKT in der fachlichen Steuerung bereits vorhandene und auch neue Kammern.

Die Arbeitskonferenz hat bestätigt: Qualifikationsanalysen sind als Möglichkeit der Kompetenzfeststellung bei fehlenden Dokumenten nicht mehr weg zu denken und es bedarf der gelebten Praxis und des Austausches, um dieses Instrument weiter zu etablieren. Dieser Prozess bedarf weiterer Unterstützung.

Die Teilnehmenden aus den anerkennenden Stellen und die Teilnehmenden mit angrenzenden Beratungsschwerpunkten, wie z.B. die IQ Beratungsfachkräfte, haben die Möglichkeit des Austauschs wahrgenommen und einen vertieften Einblick in die Rahmenbedingungen, Durchführung und Möglichkeiten der Qualifikationsanalyse erhalten.

Insgesamt war die Arbeitskonferenz für alle ein Gewinn: Die Projektbeteiligten konnten viele wichtige Impulse aus den Diskussionen und Ergebnissen der Veranstaltung mitnehmen, um im neuen Projekt darauf aufzubauen.