Azadi-Monument in Teheran
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Von Iran nach Deutschland – Das Erfolgsmodell ProRecognition

Die Anerkennungsberatung von ProRecognition Iran funktioniert. Aber was ist das Geheimnis des Erfolgs? In Teheran wurde jetzt eine Zwischenbilanz nach knapp vier Jahren gezogen.

Unser Fahrer in Teheran ist jung, spricht fließend englisch und ist sehr daran interessiert, von Deutschland zu hören. Eigentlich ist er Architekt – aber in diesem Beruf hat er nie gearbeitet. Geschichten wie diese hört man viele in den Straßen von Teheran. Daher kam die Veranstaltung des Projekts ProRecognition am 24. April 2019 genau richtig. Unter dem Titel „Anerkennung von Fachkräften“ wurde in der Auslandshandelskammer (AHK) Teheran lebhaft diskutiert.

Das iranische Arbeitsministerium, das Büro der Arbeitskraftführung und Arbeitsagenturen, die Visaabteilung der Deutschen Botschaft, das Goethe-Institut, das Österreichische Kulturforum, die iranische Berufsbildungsorganisation „Technical and Vocational Training Organization“ (TVTO) sowie diverse Vertreter staatlicher Arbeitsvermittlungsagenturen: Sie alle nutzten die Gelegenheit zum persönlichen Austausch und zogen eine Zwischenbilanz nach vier Jahren Beratungsarbeit. Aus Deutschland waren die ProRecognition-Projektkoordinatorin Sabine Kotsch von der DIHK Service GmbH, Julia Lubjuhn vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) für das Portal „Anerkennung in Deutschland“ sowie Ellen Breuer von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) angereist.

Die Ergebnisse von ProRecognition Iran können sich sehen lassen: Über 1.000 Beratungen wurden bislang durchgeführt. Viele der Beratenen haben heute einen Job in Deutschland gefunden. Zugleich ist die Notwendigkeit zu handeln groß, denn in Iran ist die Arbeitslosigkeit überdurchschnittlich hoch. Besonders betroffen sind junge Menschen. Kein Wunder also, dass viele von ihnen gerne in Deutschland arbeiten würden. Die Voraussetzung dafür ist unter anderem die Anerkennung der Berufsqualifikation.

Neue Chancen für Fachkräfte

Im Vortrag von „Anerkennung in Deutschland“ berichtete Julia Lubjuhn über die Arbeit des Online-Portals im Bereich Anerkennung von Berufsqualifikationen und über die internationalen Aktivitäten des BIBB in Iran. Diese wurden Anfang 2019 durch eine Berufsbildungskooperation zwischen dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem iranischen Ministerium für Genossenschaften, Arbeit und Soziales (MCLS) auf eine solide Grundlage gestellt. Mit Blick auf das zukünftige Fachkräfteeinwanderungsgesetz könnten sich ab 2020 zugleich neue Chancen für iranische Fachkräfte mit Berufsausbildung in Deutschland ergeben.

Rezept für einen reibungslosen Übergang in den deutschen Arbeitsmarkt

Sabine Kotsch berichtete in Ihrem Vortrag über die erfolgreiche Arbeit von ProRecognition Iran: Die Beratungszahlen zeigen, dass das Interesse an einer Anerkennung der Berufsqualifikation sehr groß ist. Dem Team von ProRecognition Iran ist es in den vergangenen Jahren gelungen, hierzu eine solide und gut funktionierende Beratungsstruktur aufzubauen. Das Erfolgsrezept: die Vernetzung aller beteiligten Akteure und eine enge Verzahnung aller Aktivitäten. So kooperiert ProRecognition eng mit der deutschen Visastelle – zum Vorteil aller: Wer die Anerkennung seines Berufs erfolgreich erhalten hat, kann schneller ein Visum für Deutschland bekommen. Doch woher kommt dann der passende Job? Auch hier gibt es eine Lösung: Kooperationen mit Arbeitsvermittlungen machen es möglich, ausgewählte Bewerber direkt in einen Job zu vermitteln. Außerdem werden auch passgenaue Qualifizierungsmaßnahmen und Sprachkurse vermittelt.

Das Ergebnis ist ein reibungsloser Ablauf – von der Beratung bis zur Vermittlung eines Jobs in Deutschland.

Ein Beispiel, das Schule macht

Mit 1.060 Beratungen seit 2015 liegt ProRecognition Iran aktuell an der Spitze aller acht Projektländer Ägypten, Algerien, China, Indien, Iran, Italien, Polen und Vietnam. Unter den beratenen Personen sind vor allem Ingenieurinnen, Ärzte, Apotheker, Elektrotechnikerinnen und IT-Spezialisten. Im Bereich der Ausbildungsberufe sind es oft Mechatronikerinnen, Elektroniker oder Pflegekräfte.

Dass sich ähnliche Kooperationen als Erfolgsmodell auch an anderen ProRecognition-Standorten bewähren können, zeigt das Beispiel Italien. Dort hat man bereits sehr gute Erfahrungen mit dem Ansatz in der Zusammenarbeit mit der ZAV gemacht.

Das Resümee der Veranstaltung fiel unter den Teilnehmenden entsprechend einhellig aus: Kooperationen wie in Iran und in Italien sind der Schlüssel zum Erfolg und sollen künftig weiter ausgebaut werden.