ProRecognition Polen

Porträt der ProRecognition-Beraterin Magdalena Zareba von der AHK Polen
© DIHK Service GmbH / Jens Schicke

„Auch die Deutschen verstehen ihre Merkblätter nicht immer sofort“, erläutert Magdalena Zareba die Besonderheiten des Beratungsangebotes der AHK Polen. Zudem spricht sie über die Tücken des „Beamtendeutschs“ und erklärt, dass polnische Ratsuchende in Deutschland die Beratung in ihrer Muttersprache besonders zu schätzen wissen.

Inwiefern unterscheidet sich die Beratung zur Anerkennung bei der AHK Polen von der Beratung an den anderen sieben AHK-Standorten?

Grundsätzlich unterscheidet sich die Beratung natürlich nicht von der Beratung in Ägypten, China, Indien, Iran, Marokko oder Vietnam. Interessant ist aber, dass wir vor allem von Landsleuten kontaktiert werden, die bereits in Deutschland leben. Das ist in den anderen Projektländern wirklich nicht so! Warum das so ist? Viele merken erst, wenn sie in Deutschland sind, dass es nicht so einfach ist, Fuß zu fassen und einen adäquaten Job zu finden. Auch ist die Beratungsstruktur in Deutschland nicht einfach zu verstehen. Wir Polen sind gern online unterwegs. Bei der Suche nach Informationen zum Thema Anerkennung stoßen Interessenten dann über das Anerkennungsportal sehr schnell auf unsere Beratungsstelle. Hier beraten Muttersprachler. Mancher ist da einfach erleichtert, dass schafft schnell Vertrauen. Und: Die deutsche Amtssprache ist ja keine einfache…

Mit welchen Partnern vor Ort arbeiten Sie besonders eng zusammen?

Es hat sich ziemlich schnell herauskristallisiert, dass dies die EURES-Berater sind, die der polnischen Arbeitsverwaltung unterstehen. Zunächst haben wir immer wieder unser Projekt vorgestellt, das deutsche Anerkennungsverfahren erläutert und unseren Auftrag. Wir waren zu Beginn nicht sicher, wie es um unsere Akzeptanz bestellt sein würde. Inzwischen haben wir eine gute Zusammenarbeit mit der Arbeitsverwaltung hinbekommen und werden zu Anerkennungsfragen gern kontaktiert. Sogar zu Schulungsveranstaltungen der Mitarbeiter wurden wir schon als Sprecher eingeladen. Der zweite große Partner ist hier vor Ort der polnische Handwerkerverband. Wir haben sehr viele Handwerker in der Beratung. Die kommen oft über den Verband zu uns. Wenn sie sich für ein Anerkennungsverfahren entscheiden, ist dann der Handwerkerverband für die Legalisierung von Dokumenten zuständig. Die Zusammenarbeit klappt wirklich gut.

Was wünschen Sie sich von einer neuen deutschen Regierung?

Die Vereinheitlichung von Anerkennungsverfahren in einzelnen Berufsgruppen wie zum Beispiel bei den Lehrern, Erziehern und Pädagogen. Es wäre so viel einfacher, dafür nur eine zuständige Stelle in Deutschland zu haben! Ich wünsche mir mehr Sprechzeiten bei den zuständigen Stellen und vielleicht sogar welche für Anerkennungsberater. Und – das wäre vielleicht am einfachsten umzusetzen – ich wünschte mir mehr Einfühlungsvermögen von dem einen oder anderen, wenn er ein amtliches Schreiben an einen Ausländer verschickt. Manches muss einfach nochmal zusätzlich erklärt werden. Amtliche Schreiben sind nicht unbedingt selbsterklärend! Ich habe mir sagen lassen, auch die Deutschen verstehen ihre Merkblätter nicht immer sofort.

Das Gespräch wurde im Februar 2018 geführt.

Das im Herbst 2015 mit Fördermitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gestartete Projekt „ProRecognition“ hat eine Verbesserung der Anerkennungsberatung im Ausland zum Ziel. Im Rahmen des Projektes beraten deutsche Auslandshandelskammern und Delegationen der Deutschen Wirtschaft in Ägypten, China, Indien, Iran, Italien, Marokko, Polen und Vietnam in speziellen Beratungsstellen. Das Projekt wird von der DIHK Service GmbH in enger Abstimmung mit dem DIHK e. V. durchgeführt.