ProRecognition Indien

Foto von Isabell Jenninger
© DIHK Service GmbH /Jens Schicke

Indische Fachkräfte haben oftmals ganz andere Vorstellungen als deutsche Arbeitgeber, wie man an einen Job kommt. Auch die Rolle von Softskills bei Bewerbungen ist eher unbekannt. Im Interview gibt die Anerkennungsberaterin Isabell Jenninger von der AHK Indien interessante Einblicke in ihre Arbeit und berichtet, was die AHK in Pune unternimmt, damit indische Fachkräfte, die eine Anerkennung in Deutschland anstreben, hierzulande später auch einen Job finden.

Sie sind seit einem guten halben Jahr im Projekt ProRecognition bei der AHK Indien dabei. Was ist Ihre bisher wichtigste Erfahrung im Projektkontext?

Das auf der einen Seite sehr hohe Interesse von indischen Fachkräften an Deutschland als Arbeitsstandort, das uns bei jeder Veranstaltung entgegenschlägt. Gleichzeitig aber auch die Passivität vieler Interessenten, wenn es um das Gewinnen von Informationen geht. Viele verlassen sich lieber auf persönlichen Rat und Hörensagen, als gezielte Recherche zu betreiben.

Umso wichtiger ist es für uns, präzise und effizient Informationsveranstaltungen aufzusetzen und dann in Beratungsgespräche zu gehen. Da haben wir gegenüber 12 Veranstaltungen 2017 noch einmal richtig zugelegt und planen dieses Jahr bereits 38 Veranstaltungen – 10 davon haben wir bereits im 1. Quartal durchgeführt. Es war deutlich zu merken, dass immer genau nach Veranstaltungen das Interesse an einem Beratungsgespräch zunahm.

Sie sind sehr schnell dazu übergegangen, Informationsveranstaltungen mit Bewerbungstrainings zu verbinden. Wie schätzen Sie das Konzept ein?

Es war sehr schnell klar, dass diese Verbindung unausweichlich sein würde. Das deutsche und indische Bewerbungsverfahren und -verhalten unterscheiden sich extrem: In Deutschland wird die Eigeninitiative des Bewerbers erwartet. In Indien sind es hingegen die Firmen, die aktiv qualifizierte Kandidaten ansprechen. Hier gehen Personalrecruiter auf die Hochschulen und Universtäten zu und werben um die besten Absolventen. Viele Unternehmen haben ihre eigene Recruitmentabteilungen, die relevante Kandidaten identifizieren, über offene Stellen informieren, und für ein Vorstellungsgespräch anwerben. Auch das deutsche Format des Lebenslaufs kennt man in Indien nicht: chronologisch, kurz und ordentlich formatiert. Das Softskills in Deutschland beim Bewerbungstraining eine zentrale Rolle spielen, ist zunächst ebenfalls schwer zu vermitteln. Dies alles führt dazu, dass wir sehr intensiv trainieren, wie Bewerbungsunterlagen aussehen müssen und worauf im Bewerbungsgespräch zu achten ist. Die meisten Interessenten sind extrem dankbar für das Training und finden es sehr hilfreich. Deshalb bleiben wir hier unbedingt dran!

Indien hat ein enorm hohes Fachkräftepotenzial. Es ist dennoch schwierig, genau die Fachkräfte zu finden, die in Deutschland gebraucht werden und später auch hier arbeiten können. Was müsste aus Ihrer Sicht passieren, damit dieser Prozess schneller und effizienter abläuft?

Wir brauchen mehr Transparenz in den Prozessen und eine Begleitung der Prozesse möglichst aus einem Guss. Wenn ich jemanden erfolgreich durch die Anerkennung bringe, ist er noch lange nicht auf dem deutschen Arbeitsmarkt angekommen. Deshalb ja auch das Bewerbungstraining. Aber wie kommt er an ein reales Stellenangebot? Wie kommen Unternehmer an ihre ausländische Fachkraft?
Das sind die Fragen, die in diesem Zusammenhang auch gestellt und gelöst werden müssen.

Das Gespräch wurde im April 2018 geführt.

Das im Herbst 2015 mit Fördermitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gestartete Projekt „ProRecognition“ hat eine Verbesserung der Anerkennungsberatung im Ausland zum Ziel. Im Rahmen des Projektes beraten deutsche Auslandshandelskammern und Delegationen der Deutschen Wirtschaft in Ägypten, China, Indien, Iran, Italien, Marokko, Polen und Vietnam in speziellen Beratungsstellen. Das Projekt wird von der DIHK Service GmbH in enger Abstimmung mit dem DIHK e. V. durchgeführt.