gemische Flaggen von EU und Vereinigtem Königreich
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Anerkennung nach einem No-Deal-Brexit

Das zwischen der britischen Regierung und der EU ausgehandelte Austrittsabkommen inklusive Übergangsphase wird nur dann in Kraft treten, wenn das Europäische und das britische Parlament das Abkommen ratifizieren.

Am 28. Oktober 2019 haben sich die britische Regierung und die EU darauf geeinigt, die Frist für einen Austritt des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland (im Folgenden: Vereinigtes Königreich) aus der EU auf den 31. Januar 2020 zu verschieben. Sollte das Austrittsabkommen mit der EU bis zu diesem Termin nicht ratifiziert werden, würde der Austritt „ungeregelt“ erfolgen. Dies wird im Folgenden als „No-Deal-Brexit“ bezeichnet.

In diesem Fall wäre das EU-Recht in Bezug auf das Vereinigte Königreich nach derzeitigem Stand nach dem 31. Januar 2020 nicht mehr anwendbar. Das Vereinigte Königreich würde somit aus deutscher Sicht zu einem Drittstaat

Hinweis

Hinweis

Das parlamentarische Verfahren im Vereinigten Königreich dauert derzeit noch an. Den aktuellen Stand können Sie stets auf der Webseite der Bundesregierung nachlesen. Den Link finden Sie unten.

Was würde ein No-Deal-Brexit für die Anerkennung von Berufsqualifikationen aus dem Vereinigten Königreich in Deutschland bedeuten?

Gilt die Anerkennung meiner Berufsqualifikation in Deutschland weiterhin?

Falls Ihre im Vereinigten Königreich erworbene Berufsqualifikation schon in Deutschland anerkannt wurde, gilt die Anerkennung auch nach einem No-Deal-Brexit weiter.

Ich habe meine Berufsqualifikation bereits vor dem Austritt im Vereinigten Königreich erworben, aber noch keinen Antrag auf Anerkennung gestellt. Kann ich meine Qualifikation in Deutschland auch nach einem No-Deal-Brexit anerkennen lassen?

Sie können weiterhin einen Antrag auf Anerkennung in Deutschland stellen. Britische Staatsangehörige können ihre Berufsqualifikationen in Deutschland ebenfalls weiterhin anerkennen lassen. Die Anerkennung richtet sich jeweils nach dem einschlägigen nationalen Recht. Auskünfte dazu erhalten Sie bei den zuständigen Stellen, die Sie über unseren Anerkennungs-Finder recherchieren können.

Ich habe einen Antrag auf Anerkennung bis zum 31. Januar 2020 gestellt, aber noch keine Antwort erhalten.

Wenn Sie den Antrag bis zum 31. Januar 2020 in Deutschland gestellt haben, sollte die Entscheidung nach der zum Zeitpunkt der Antragstellung geltenden Rechtslage ergehen, soweit dies rechtlich (d.h. nach dem einschlägigen Fachrecht) möglich ist. Nähere Auskünfte erteilt die für die Anerkennung zuständige Stelle.

Ich schließe meine Berufsqualifikation im Vereinigten Königreich erst nach dem 31. Januar 2020 ab. Kann ich auch dann noch einen Antrag auf Anerkennung in Deutschland stellen?

Ja, Sie können einen Anerkennungsantrag stellen. Die EU-Richtlinie über die Anerkennung von Berufsqualifikationen ist dann aber nicht mehr anwendbar. Es gelten stattdessen die Anerkennungsregelungen für Berufsqualifikationen aus Drittstaaten.

Hinweis

Hinweis

Bei einem No-Deal-Brexit gelten für britische Staatsangehörige die Regelungen zur grenzüberschreitenden Dienstleistungserbringung (Dienstleistungsfreiheit) und Niederlassungsfreiheit der EU ab dem Austrittsdatum nicht mehr.

Rechtlicher Hintergrund

In Deutschland hat auf Grundlage des Anerkennungsgesetzes von 2012 jeder das Recht auf ein Anerkennungsverfahren – unabhängig von der Staatsangehörigkeit und der Herkunft der Berufsqualifikation. Auch nach einem No-Deal-Brexit können daher britische Berufsqualifikationen in Deutschland anerkannt werden.

Was sich nach einem No-Deal-Brexit ändert, ist die rechtliche Grundlage für die Anerkennung bestimmter Berufsqualifikationen. Bis zum Brexit gilt für britische Berufsqualifikationen die EU-Berufsanerkennungsrichtlinie 2005/36/EG für reglementierte Berufe. Diese sieht etwa bei bestimmten Berufen ein vereinfachtes Verfahren der automatischen Anerkennung vor. Dieses kann für Qualifikationen, die im Vereinigten Königreich nach dem Brexit erworben werden, nicht mehr angewendet werden. Bei einem Anerkennungsverfahren in Deutschland findet dann eine individuelle Gleichwertigkeitsprüfung für alle britischen Berufsqualifikationen statt.