Gesundheits- und Krankenpflegerin
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07.10.2013

Ab 2014 neue Regelungen für Anerkennungsverfahren in Heilberufen

Am 7. August 2013 ist die neue Rechtsverordnung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) im Bundesgesetzblatt veröffentlicht worden. Mit dieser Rechtsverordnung erhalten die zuständigen Stellen in den Ländern konkrete Vorgaben, wie Anpassungsmaßnahmen in den Gesundheitsberufen zu gestalten und durchzuführen sind. Auch die Erteilung der ärztlichen Berufserlaubnis wird näher geregelt. Die Verordnung tritt am 1. Januar 2014 in Kraft.

Die Verordnung betrifft nahezu alle auf Bundesebene geregelten Heilberufe, unter anderem Ärzte/Ärztinnen, Psychotherapeuten / Psychotherapeutinnen, Gesundheits- und Krankenpfleger/-innen oder Physiotherapeuten / Physiotherapeutinnen.

Für die Rettungssanitäter/-innen bzw. Notfallsanitäter/-innen und die Zahnärzte / Zahnärztinnen werden neue Vorgaben erst dann eingeführt, wenn die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung bzw. die Approbationsordnung  neu geregelt werden.

Die neuen Regelungen im Überblick

Akademische Heilberufe - Beispiel Arzt/Ärztin

  • Die Eignungs- oder Kenntnisprüfung für Ärztinnen und Ärzte ist eine mündlich-praktische Prüfung. Fester Bestandteil ist eine Patientenvorstellung, diese beinhaltet die Untersuchung des Patienten, eine Anamneseerhebung und die Erstellung eines Berichts.
  • Für Ausbildungen aus EU-Mitgliedstaaten und ihnen gleichgestellte Staaten (Mitgliedstaaten des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) und Schweiz) bezieht sich der Prüfungsstoff auf die festgestellten Defizite (Eignungsprüfung). Die Prüfung dauert mindestens 30, höchstens 90 Minuten. Da Arztausbildungen aus EU-Staaten oder gleichgestellten Staaten in der Regel automatisch anerkannt werden, gilt die Rechtsverordnung hier nur in Ausnahmefällen. Betroffen von der Regelung sind zum einen Ausbildungen, die vor dem EU-Beitritt des Ausbildungsstaates begonnen wurden und die nicht über sogenannte erworbene Rechte anerkannt werden können. Zum anderen gilt die Regelung für Nicht-EU-Ausbildungen, die bereits in einem EU-Staat oder ihm gleichgestellten Staat anerkannt wurden.
  • Für Ausbildungen aus Nicht-EU-Staaten wird der Prüfungsstoff auf festgelegte Kernfächer beschränkt (Kenntnisprüfung). Die Anerkennungsbehörde kann für die Prüfung ein weiteres Fach bzw. einen Querschnittsbereich vorgeben, in dem wesentliche Unterschiede festgestellt wurden. Die Prüfung dauert mindestens 60, höchstens 90 Minuten.
  • Die Prüfungen sollen zweimal im Jahr angeboten werden und können zweimal wiederholt werden. Zu weiteren Informationen fragen Sie bitte Ihre zuständige Stelle.

Nicht-akademische Heilberufe - Beispiel Gesundheits- und Krankenpfleger-/in

Eignungs-/Kenntnisprüfung

  • Die Eignungsprüfung für EU-Ausbildungen oder ihnen gleichgestellte Ausbildungen ist eine praktische Prüfung verbunden mit einem Prüfungsgespräch. Es werden mindestens eine, höchstens vier Pflegesituationen vorgegeben. Die Prüfung bezieht sich auf die Bereiche, in denen fachliche Defizite festgestellt wurden. Sie soll pro Pflegesituation nicht mehr als 120 Minuten dauern. Diese Regelung gilt nur für Ausbildungen, die nicht automatisch anerkannt werden können (siehe Beispiel Arzt/Ärztin).
  • Die Kenntnisprüfung für Nicht-EU-Ausbildungen besteht aus einer mündlichen und einer praktischen Prüfung. Themen für die mündliche Prüfung sind ausgewählte Gebiete aus  der Abschlussprüfung. Die mündliche Prüfung dauert mindestens 15, höchstens 60 Minuten. Für den praktischen Teil gelten die gleichen Vorgaben wie für die Eignungsprüfung.
  • Die Prüfungen sollen zweimal jährlich angeboten werden und können einmal wiederholt werden.

Anpassungslehrgang
Alternativ zum Ablegen einer Eignung- oder Kenntnisprüfung können die Antragsteller einen Anpassungslehrgang absolvieren. Zu weiteren Informationen fragen Sie bitte Ihre zuständige Stelle.

  • Für EU-Ausbildungen oder ihnen gleichgestellte Ausbildungen wird die Teilnahme am Anpassungslehrgang bescheinigt, ohne dass eine Überprüfung im Rahmen eines Abschlussgesprächs stattfindet. Diese Regelung gilt nur für Ausbildungen, die nicht automatisch anerkannt werden können (siehe Beispiel Arzt/Ärztin).
  • Für Ausbildungen aus Nicht-EU-Staaten endet der Anpassungslehrgang mit einem Abschlussgespräch. Es wird geprüft, ob die für die Berufsausübung erforderlichen Kenntnisse vorliegen. Wenn das Abschlussgespräch nicht erfolgreich ist, kann der Anpassungslehrgang einmal verlängert werden. Ist auch das zweite Abschlussgespräch nicht erfolgreich, darf der Anpassungslehrgang einmal wiederholt werden.

Erteilung der Berufserlaubnis für die akademischen Heilberufe
Die Berufserlaubnis ermöglicht es, für einen begrenzten Zeitraum ohne Approbation in Deutschland ärztlich tätig zu sein.

  • Voraussetzung für die Erteilung der Berufserlaubnis ist ein fachspezifischer Hochschulabschluss sowie die fachliche Eignung für die beabsichtigte Tätigkeit. Dabei ist Berufserfahrung zu berücksichtigen. Anders als im Rahmen des Approbationsverfahrens wird nicht geprüft, ob der ausländische Abschluss mit dem inländischen gleichwertig ist.
  • Die Berufserlaubnis wird im Regelfall für 2 Jahre erteilt.
  • Über den Antrag muss die Appropationsbehörde  innerhalb von 3 Monaten nach Eingang der vollständigen Unterlagen entscheiden.

Den Verordnungstext finden Sie hier (PDF, 439 KB).