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07.06.2019

Neue Impulse zur Berufsanerkennung in Europa

Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Fragen der Berufsanerkennung weiter voranzutreiben – darum ging es Ende Mai auf dem Treffen der Länderkoordinatoren zum europäischen Binnenmarkt-Informationssystem IMI in Trier.

Das „Internal Market Information System“ (kurz: IMI) dient dem Informationsaustausch von Behörden im Europäischen Wirtschaftsraum. Zweimal im Jahr treffen sich die Länderkoordinatoren, um sich über aktuelle Fragen und Themen auszutauschen. Hauptthema des letzten Treffens am 22. und 23. Mai in Trier war die Berufsanerkennung. Denn Fragen zu diesem Thema werden innerhalb des Binnenmarkt-Informationssystems IMI am meisten gestellt.

Reglementiert oder nicht reglementiert? So lautet die häufigste aller Fragen zum Thema Berufsanerkennung im IMI. Das bestätigte Julia Lubjuhn, die für das „Bundesinstitut für Berufsbildung“ (BIBB) an dem Treffen in Trier teilnahm. Lubjuhn berichtete über die Aktivitäten des BIBB im Rahmen der europäischen Berufsanerkennung. Dazu zählen das Portal „Anerkennung in Deutschland“, das Team „Anerkennungsmonitoring“ sowie das offizielle EU-Beratungszentrum zur Berufsanerkennung und die Anfragenbeantwortung innerhalb des IMI-Systems.

Viele weitere Fragen, die zur Berufsanerkennung aus anderen EU-Ländern kommen, beziehen sich laut Lubjuhn auf die unterschiedlichen Bildungs- und Berufssysteme: In Deutschland seien die Berufe sehr ausdifferenziert. Andere Länder bündelten ihre Berufe und orientierten sich mehr an Kompetenzen als an Berufsnamen.

Über aktuelle Entwicklungen zur Anerkennung beruflicher Qualifikationen für Gesundheitsberufe berichtete in Trier Anna-Karoline Dahmen. Die Referentin des NRW-Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales ist zugleich Bundesratsbeauftragte im Ausschuss für die Berufsanerkennungsrichtlinie der Europäischen Union. Weitere in Trier behandelte Themen waren die elektronische Verwaltung offizieller Dokumente (Public Documents) und die Schaffung eines zentralen Behörden-Zugangs für jeden EU-Bürger (Single Digital Gateway).

Insgesamt wurden in Trier viele neue Impulse zur Berufsanerkennung und anderen Fragen der innereuropäischen Zusammenarbeit gesammelt. Und in einem Punkt war man sich einig: In der aktuellen Diskussion zum Fachkräfteeinwanderungsgesetz stehen Staatsangehörige aus Drittstaaten besonders im Fokus. Deshalb sollte die innereuropäische Perspektive noch einmal betont werden. In Fragen der Berufsanerkennung, so das Fazit, sei der Austausch zwischen den EU-Mitgliedstaaten und ihren Behörden enorm wichtig. Nur so könne man weiterhin voneinander lernen und Verständnis für das jeweils andere Bildungs- und Berufssystem schaffen.

IMI startete 2008 mit der EU-Berufsanerkennungsrichtlinie 2005/36/EG. Entwickelt wurde das IMI-System von der Europäischen Kommission zusammen mit den EU-Mitgliedstaaten, um die Verwaltungszusammenarbeit über Grenzen hinweg zu vereinfachen und zu beschleunigen. Sehr oft genutzt wird IMI für Fragen zur beruflichen Anerkennung. „Anerkennung in Deutschland“ ist offizielles EU-Beratungszentrum und kooperiert seit 2016 mit der Nationalen Koordinierungsstelle des IMI-Systems (NIMIC) in Deutschland. Sitz der NIMIC ist beim Bundesverwaltungsamt (BVA) in Köln. Darüber hinaus beantwortet „Anerkennung in Deutschland“ Anfragen zur beruflichen Anerkennung direkt im IMI-System.

Weitere Informationen:

Binnenmarkt-Informationssystem (IMI)