Bundesbildungsministerin Anja Karliczek bei Ihrer Rede zum Auftakt des Nationalen Aktionsplans Integration im Bundesministerium für Bildung und Forschung
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Ein rundum gelungener Auftakt

Für die Themen Bildung, Ausbildung und Berufsanerkennung fand am 17. Mai der Auftakt zum Nationalen Aktionsplan Integration (NAP-I) im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in Berlin statt.

Die Erwartungen waren hoch, das Interesse groß: Über 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren der Einladung des BMBF gefolgt und aus allen Teilen der Republik nach Berlin gekommen. Akteure und Experten aus Politik und Praxis, pädagogische Fachkräfte, Menschen mit erfolgreicher Berufsanerkennung, Vertreter von Migrantenorganisationen – sie alle nutzten die Gelegenheit zum gegenseitigen Austausch über Erfahrungen und neue Ideen zur Integration auf den Feldern Bildung, Ausbildung und Berufsanerkennung.

Eröffnung: Dialog-Prozess bis zum Gipfel 2020

„Unsere Gesellschaft und Kultur leben vom Austausch mit anderen“, betonte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek gleich zu Beginn ihrer Eröffnungsrede. Angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels sei Deutschland auf qualifizierte und ausgebildete Menschen aus aller Welt angewiesen. Als ein Beispiel für viele erfolgreiche Integrationsgeschichten in Deutschland präsentierte und begrüßte die Ministerin Faisal Hamdo, der 2014 aus Syrien flüchtete und seit mehreren Jahren in Deutschland als anerkannter Physiotherapeut arbeitet. Da Bildung der Schlüssel für eine gelingende Integration sei, müssten alle Bildungswege – im Bereich der schulischen, beruflichen und außerschulischen Bildung – entsprechend genutzt werden, so die Ministerin. Möglichst viele Erfolgsgeschichten schreiben und den Zusammenhalt in der Gesellschaft stärken: dies müsse das Ziel der gemeinsamen Anstrengungen von Bund, Ländern, Migrations- und Wohlfahrtsorganisationen und Sozialpartnern sein.

Auch Staatsministerin Annette Widmann-Mauz plädierte für eine enge Zusammenarbeit von Bund, Ländern, Kommunen, Zivilgesellschaft und Migrantenorganisationen. Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration sprach sich für die stärkere Vernetzung aller Beteiligten sowie die Bündelung neuer Ideen und Instrumente aus. Mit dem Auftakt zum NAP-I werde ein kontinuierlicher Dialog gestartet, der in den nächsten Integrationsgipfel Ende 2020 münden solle. Neben einer stärkeren Vernetzung formulierte Widmann-Mauz ein weiteres Leitmotiv der Auftaktveranstaltung: Vielfalt als Normalität. Denn inzwischen hätten zum Beispiel mehr als ein Drittel der unter 15-Jährigen in Deutschland einen Migrationshintergrund.

Impulsvorträge „Einwanderung anerkennen“ sowie „Integration in Bildung und Ausbildung“

Aufbruch in eine neue Zukunft und die Wende zu einer wirklichen Einwanderungsgesellschaft forderte Prof. Dr. Christoph A. Rass. Unter dem Titel „Einwanderung anerkennen“ skizzierte der Professor für Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung an der Universität Osnabrück in seinem Impulsvortrag die deutsche Migrationspolitik von 1955 bis heute. Entlang der Begriffe „Gastarbeiter“, „Ausländer“ und „Einwanderer“ attestierte der Historiker den Deutschen eine „steile Lernkurve“ – von der temporären Arbeitsmigration hin zu einer dauerhaften Einwanderungspolitik. Mit Blick auf das kommende „Fachkräfte­einwanderungsgesetz“ formulierte Rass die Hoffnung, dass dem positiven Bekenntnis zur Einwanderung auch die Praxis folgen werde. Denn die Frage „Wo kommst du wirklich her?“ müsse, so Rass, endlich ein Fall für die Geschichtsbücher werden. Zumal die Zahlen belegen, „dass wir längst ein Einwanderungsland sind“ – so das Ergebnis des zweiten Impulsvortrags von Dr. Cornelia Schu. Die Geschäftsführerin des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration dokumentierte mit aktuellen Daten eindrucksvoll den Stand der „Integration in Bildung und Ausbildung“. An den Schulen sei Vielfalt längst der Normalfall, so Schu. Zugleich bestehe jedoch eine unverändert hohe Teilhabelücke angesichts einer steigenden Zahl von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die über keinen Schulabschluss verfügen. Abschließend plädierte Schu dafür, das Bildungsangebot auszubauen und die Durchlässigkeit des Bildungssystems weiter zu erhöhen.

Panels zu den Themenforen „Bildung und Ausbildung“ sowie „Berufsanerkennung“

Nach diesen anregenden Appellen starteten alle Beteiligten hoch motiviert in die Panels. Die Zielvorgabe lautete: aktuelle Erfahrungen und Fragen aus der Praxis erörtern, möglichen Handlungsbedarf benennen, neue Ideen und Impulse sammeln und schließlich konkrete Vorschläge für die künftige Praxis festhalten. Um einen besonders regen Austausch zu ermöglichen, wurde jedes der insgesamt vier Panels an diesem Tag als World Café mit drei bzw. vier moderierten Thementischen abgehalten. Panel 1 und 3 behandelten im Themenforum „Bildung und Ausbildung“ die „Übergänge und Verläufe von Bildungsetappen“. Dabei lag in Panel 1 der Schwerpunkt auf der Frage, welche Bedingungen für gelingende Bildungsübergänge und Bildungsverläufe wichtig sind. Darauf aufbauend konzentrierte sich Panel 3 auf die notwendigen Akteure – wie etwa pädagogische Fachkräfte, Familien oder Migrantenorganisationen. In Panel 2 und 4 im Themenforum „Berufsanerkennung“ lauteten die zentralen Fragen: Wie können Fachkräfte mit ausländischen Berufsabschlüssen, die in Deutschland arbeiten möchten, noch besser unterstützt werden? Welchen Bedarf sehen die Unternehmen? Und wie kann das Anerkennungsverfahren in der Praxis noch effizienter gestaltet werden? Schwerpunkte waren u.a. die Themen Information und Beratung, Instrumente der Kompetenzerfassung und die Frage: Was können wir von anderen Ländern lernen?

Marktstände der beteiligten Projekte

Auf einem begleitenden Marktplatz mit 15 Informationsständen berichteten Initiativen und Förderprojekte mit dem Fokus auf Integration über ihre konkrete Arbeit. Hier informierten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung in persönlichen Gesprächen und nutzten die Gelegenheit, sich angeregt über neue Ideen und Vorschläge auszutauschen.

Fazit

In einem Punkt waren sich am Ende alle Tagungsteilnehmer einig: Wenn Integration gelingen soll, darf es keinen „Angebotsdschungel“ geben, in dem sich die Menschen nicht zurechtfinden. Daher müssen die bereits vorhandenen Angebote und Kompetenzen (noch) stärker gebündelt und vernetzt werden. Nach vielen angeregten Gesprächen, lebendigen Diskussionen und konkreten Ideen für die künftige Praxis verließen alle Beteiligten das BMBF schließlich mit dem sicheren Gefühl: Auf den Gebieten Bildung, Ausbildung und Berufsanerkennung wird die Integration in Deutschland mit neuen Ideen und Impulsen voranschreiten. Der Prozess, der bis zum nächsten Integrationsgipfel 2020 geführt werden soll, hat begonnen. Der Dialog ist eröffnet.