Marktstände


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© Foto: BMBF/A. Hultsch

7 Marktstände - 7 Facetten von Anerkennung

An 7 Marktständen wurden verschiedene Themen rund um die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen diskutiert.

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Marktstand 1: Was leisten Informations- und Beratungsangebote?

Zum Inkrafttreten des Anerkennungsgesetzes hat der Bund Informations- und Beratungsangebote auf- und ausgebaut, um die erfolgreiche Umsetzung der Anerkennungsverfahren zu unterstützen. Nach fünf Jahren Arbeitspraxis soll an diesem Marktstand insbesondere folgenden Fragen nachgegangen werden: Was leisten die bestehenden Informations- und Beratungsangebote und was leisten sie nicht? Wie hat sich die Anerkennungsberatung entwickelt? Wo gibt es Richtungsänderungen, wo Optimierungsbedarf? Welche Rolle spielen die Sprachkenntnisse der Antragstellenden? Gehört die Sprachstandsfeststellung in die Anerkennungsberatung? Wie zielgruppengerecht sind unsere Informationsangebote wirklich? Diskutieren Sie unter der Moderation von Claudia Moravek (BIBB) darüber mit Jana Hoffmann (IQ Fachstelle Beratung) und Iris Beckmann-Schulz (IQ Fachstelle Berufsbezogenes Deutsch).

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Marktstand 2: Die Anwerbung von internationalen Fachkräften

Laut der amtlichen Statistik stellten in den letzten Jahren immer mehr Menschen im Ausland einen Antrag auf Anerkennung ihres Berufsabschlusses. Gleichzeitig wurde das Informations- und Beratungsangebot im Ausland weiter ausgebaut. An diesem Marktstand soll den Fragen nachgegangen werden, welche Beratungsangebote im Ausland bestehen, welche speziellen Herausforderungen es bei der Antragstellung aus dem Ausland gibt und wie Interessenten während des mehrstufigen Prozesses von der Anerkennung über die Jobsuche bis zur Einreise begleitet werden können. Darüber hinaus soll darüber diskutiert werden, ob die Zuwanderungsregelungen ausreichen und was wir von der Fachkräftegewinnung anderer Länder lernen können. Kea Decker (ZAV) und Sabine Kotsch (ProRecognition) diskutieren über diese und weitere Fragen unter der Moderation von Dr. Christian Pfeffer-Hoffmann (IQ Fachstelle Einwanderung) mit Ihnen.

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Marktstand 3: Flüchtlinge im Anerkennungsverfahren

Viele Geflüchtete werden wahrscheinlich für lange Zeit in Deutschland bleiben und sich eine neue Existenz aufbauen. Um eine qualifikationsadäquate Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen, sind berufliche Anerkennung und Qualifizierung wichtige Bausteine im Integrationsprozess. Dementsprechend gilt es, die höchst heterogenen Qualifikationen und Kompetenzen der Geflüchteten sichtbar und verwertbar zu machen. Das Anerkennungsgesetz ist eines von verschiedenen geeigneten Instrumenten dafür. Aber: Welche Potenziale bietet es in diesem Zusammenhang? Wo liegen aktuelle Herausforderungen? Welche weiteren Rahmenbedingungen und Unterstützungsmöglichkeiten sind förderlich für die Arbeitsmarktintegration Geflüchteter? Und wie können und sollen generell die spezifischen Belange von Menschen mit Fluchterfahrung bei der Förderung berücksichtigt werden? Unter der Moderation von Dirk Werner (IW Köln) diskutieren diese und weitere Fragen mit Ihnen Silvia Rager (BA) und Daniela Hümmer (Tür an Tür).

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Marktstand 4: Anerkennung in die Betriebe bringen

Über Akzeptanz und Nutzen der Anerkennung ausländischer Qualifikationen auf dem Arbeitsmarkt entscheiden nicht zuletzt die Betriebe. Daher ist es wichtig, sie für die Chancen zu sensibilisieren und als Unterstützer zu gewinnen. Doch wie gelingt dies? Welche Rolle spielt Anerkennung bei der Personalentwicklung und Rekrutierung und wie können Betriebe die Anerkennung aktiv fördern? Um diese und andere Fragen dreht sich die Diskussion an diesem Marktstand mit Expertinnen und Experten aus Anerkennungsberatung, Bildungsarbeit und Kommunikation. Dazu diskutieren mit Ihnen unter der Moderation von Indre Zetzsche (Projekt „Unternehmen Berufsanerkennung“) Jörg Engelmann (IHK München) und Daniel Weber (DGB Bildungswerk Bund).

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Marktstand 5: Anerkennung durch Anpassungsqualifizierung

Wenn im Anerkennungsverfahren fehlende Fertigkeiten, Kenntnisse oder Kompetenzen von den zuständigen Stellen festgestellt werden, kann die Mission der vollen Anerkennung mit Hilfe einer Anpassungsqualifizierung erreicht werden. An diesem Marktstand diskutieren wir mit erfahrenen Praktikern, wie diese spezifischen und zumeist individuellen Qualifizierungsbedarfe in den verschiedenen Branchen gedeckt werden können und welche Rolle dabei potenzielle Arbeitgeber spielen. Dazu diskutieren unter der Moderation von Gesine Keßler-Mohr (HWK Hamburg, IQ Netzwerk Hamburg – NOBI) mit Ihnen Doris Thömen-Suhr (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, IQ Netzwerk Hamburg – NOBI) und Susanne Neumann (INBAS Berlin, IQ Netzwerk Berlin).

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Marktstand 6: Finanzielle Hürden senken

Anerkennung gibt es nicht zum Nulltarif: Gebühren, Übersetzungen und manchmal auch Qualifizierungen kann nicht jeder schultern. Damit niemand deshalb auf ein Verfahren verzichten muss, gibt es verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten. Zuletzt wurde der Anerkennungszuschuss des Bundes ins Leben gerufen. Sind damit nun alle Finanzierungslücken geschlossen? Tauschen Sie sich mit anderen Expertinnen und Experten über Ihre Erfahrungen aus: Welche Kosten können entstehen? Welche Instrumente haben sich bewährt? Ergänzen sie sich problemlos oder sind sie mit zusätzlichem Aufwand verbunden? Gibt es Zielgruppen, für die die Finanzierung eine Hürde bleibt? Auch können Spielräume ausgelotet werden, wie sich Kosten bereits im Vorfeld verringern lassen. Unter der Moderation von Dr. Jessica Erbe (BIBB) diskutieren Michael Gwosdz (Diakonie Hamburg) und Lydia Plänitz (f-bb) mit Ihnen über diese Fragen.

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Marktstand 7: Non-formale und informelle Berufskompetenzen

Wo stehen wir auf dem Weg zur Anerkennung von Berufskompetenzen, die nicht im formalen Bildungssystem erworben wurden? Mit der Entwicklung von speziellen Verfahren zur Anerkennung non-formal und informell erworbener Berufskompetenzen betritt Deutschland bildungspolitisches Neuland. Der Marktstand lädt zum Austausch mit Experten ein, die Erfahrungen aus der Praxis mit Qualifikationsanalysen im Rahmen von Anerkennungsverfahren und mit der Validierung von im Arbeitsleben erworbenen Kompetenzen vorstellen. Miteinander soll über Gemeinsamkeiten und Unterschiede diskutiert werden sowie über weitere Entwicklungspotentiale und rechtliche Rahmenbedingungen für innovative Instrumente zur Anerkennung von Berufskompetenzen im Bildungssystem. Dazu diskutieren unter der Moderation von Daike Witt (ZDH) und Kathrin Tews (DIHK) mit Ihnen Johanna Reutter (HWK Hamburg) und Andreas Oehme (WHKT).

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Marktstand 1: Erfolgreiche Anerkennung von Anfang an - Was leisten Informations- und Beratungsangebote?

Am Marktstand „Informations- und Beratungsangebote zur Anerkennung“ nahm die Diskussion schnell an Fahrt auf. Das lag vor allem an den eindrucksvollen Erfahrungsberichten der ukrainischen Lehrerin Olga Gotjur und des iranischen Ingenieurs Amir Hossein Welk. Beide haben selbst erfolgreich ein Anerkennungsverfahren durchlaufen. Durch ihre Schilderungen konnten die zentralen Wünsche, die später im Plenum präsentiert wurden, mit Beispielen aus der Praxis verdeutlicht werden.

Nach einem kurzen Input von Jana Hoffmann von der IQ-Fachstelle „Beratung und Qualifizierung“ und Iris Beckmann-Schulz von der Fachstelle „Berufsbezogenes Deutsch“ konnten die Teilnehmenden direkt mit der Diskussion starten. Eine zentrale Herausforderung sei die Themenvielfalt, die in den letzten Jahren für die IQ-Beraterinnen und -Berater deutlich zugenommen habe, machte Jana Hoffmann deutlich. Nicht nur Fragen der Zuwanderung spielten mittlerweile eine Rolle, sondern auch Finanzierungsfragen würden immer mehr in den Bereich der Beratung verlagert. Außerdem wurden die häufigen personellen Wechsel in den Beratungseinrichtungen und bei Jobcentern und Arbeitsagenturen kritisch gesehen. Häufige personelle Wechsel erschwerten die Schulung der Beratenden sowohl fachlich als auch organisatorisch erheblich. Diskutiert wurden die Rolle und die Einbindung ehrenamtlicher Helfer. Besonders bei der Kommunikation mit Flüchtlingen nähmen diese eine zentrale Multiplikatorenrolle ein. Eine solide Information der Ehrenamtler wurde deswegen als besonders wichtig angesehen. In der Vergangenheit habe es einige Fälle gegeben, in denen Ehrenamtler falsche Informationen an Flüchtlinge weitergegeben hätten. Durch eine bessere Information könne dies in Zukunft vermieden werden.

Die zentrale Forderung des Marktstands „Informations- und Beratungsangebote zur Anerkennung“ war daher die Verstetigung der bereits bestehenden Informations- und Beratungsstrukturen. Die qualitativ hochwertige Information und Beratung, die sich in den letzten Jahren etabliert habe, müsse fortbestehen. Wegen der hohen Komplexität des Themas sei dies notwendig. Nur so könne die immer größere Anzahl an Anfragenden und Antragstellenden im Inland und im Ausland umfassend informiert und beraten werden. Außerdem zeigte sich im Gespräch mit den geladenen erfolgreichen Antragstellern, dass auch ländliche Gebiete besser mit Informationen versorgt werden müssen. Dies könne zum Beispiel durch die Einrichtung und Stärkung mobiler Beratungsangebote sowie durch eine Verbesserung der Information von Jobcentern und Arbeitsagenturen erreicht werden. Nach Meinung der Teilnehmenden könne zudem an geeigneter Stelle noch viel mehr auf das bestehende Informations- und Beratungsnetzwerk aufmerksam gemacht werden.



Marktstand 2: Türen öffnen mit Anerkennung - Die Anwerbung von internationalen Fachkräften

Ein Ziel des Anerkennungsgesetzes ist es, die Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland zu fördern. Daher wurde neben der Öffnung des gesetzlichen Anspruches für Personen aus Drittstaaten auch die Antragstellung aus dem Ausland ermöglicht. Für den von Dr. Christian Pfeffer-Hoffmann (Leiter der IQ Fachstelle Einwanderung) moderierten Marktstand 2 konnten zwei Inputgeberinnen gewonnen werden, die im Zuwanderungskontext bereits viel Erfahrung gesammelt haben: Kea Decker, Geschäftsführerin Internationale Zusammenarbeit der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit (ZAV), und Sabine Kotsch von der DIHK Service GmbH, Projektkoordinatorin bei ProRecognition.

Während die ZAV im Ausland Fachkräfte für den deutschen Arbeitsmarkt sucht und persönlich und virtuell über das Thema Arbeiten und Leben in Deutschland informiert, bietet ProRecognition im Ausland Beratung und Begleitung zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen an.

Beide Inputgeberinnen berichteten darüber, dass der Bedarf an Anerkennungsberatung im Ausland groß sei. Im Laufe des Austausches mit den Marktstandteilnehmenden herrschte schnell Konsens darüber, dass Anerkennung an sich keinen Selbstzweck erfülle, sondern immer im Zusammenhang mit Fachkräfteanwerbung und Zuwanderung gedacht werden müsse.
Als großer Vorteil eines Anerkennungsverfahrens bereits vom Ausland aus wurde am Marktstand benannt, dass die Beschaffung der benötigten Dokumente im Herkunftsland einfacher sei als von Deutschland aus. Als besonders sinnvoll wurde die bereits mögliche sprachliche Vorbereitung im Ausland hervorgehoben. Ebenfalls schätzten die Markstandteilnehmenden die Absolvierung bestimmter Qualifizierungsmaßnahmen, zum Beispiel die Vorbereitung auf eine Kenntnisprüfung, als realisierbar und wünschenswert ein. Hierfür müssten jedoch entsprechende Angebote erst einmal vorhanden sein. Derzeit begrenzte Zuwanderungsmöglichkeiten für Personen aus Drittstaaten, deren Beruf nicht auf der Positivliste der Bundesagentur für Arbeit geführt ist, stellen nicht nur für Anerkennungsinteressierte im Ausland, sondern auch für Betriebe in Deutschland eine Herausforderung dar. Die bisherige Ausweitung im Pilotprojekt PuMa ermöglicht zwar eine Arbeitsaufnahme für diese Personengruppe in Deutschland, allerdings nur in Baden-Württemberg. Die durch föderalistische Strukturen bedingte Frage der örtlichen Zuständigkeit wurde ebenfalls als Herausforderung gesehen.

Einige zentrale Botschaften und Wünsche von Marktstand 2 sind:

  • Die Vernetzung der für Anerkennung, Rekrutierung und Zuwanderung relevanten Akteure im Ausland sollte weiter vorangetrieben werden, um einen ganzheitlichen Ansatz zu ermöglichen.
  • Beratungsangebote zur Anerkennung im Ausland sollten fortgeführt und weiter ausgebaut werden, um Bedarfe entsprechend decken zu können.
  • Wünschenswert ist die Einrichtung einer oder mehrerer zentraler Annahmestellen für Anträge aus dem Ausland, um die föderalen Herausforderungen abzumildern.
  • Die Kosten für ein Anerkennungsverfahren können wegen der im Vergleich zu Deutschland oft niedrigen Einkommen in den Herkunftsländern für die Antragstellenden teuer sein. Daher sollten Möglichkeiten der finanziellen Förderung für Personen geschaffen werden, die ein Anerkennungsverfahren vom Ausland aus starten.
  • Die Verbesserung der Zuwanderungsmöglichkeiten für Personen aus Drittstaaten, deren Beruf nicht auf der Positivliste geführt ist, sollte geprüft werden.

 



Marktstand 3: Mitgebrachte Qualifikationen nutzen - Flüchtlinge im Anerkennungsverfahren

Wenn Geflüchtete einen in ihrem Herkunftsland staatlich anerkannten Berufsabschluss haben, bietet das Anerkennungsgesetz grundsätzlich die Instrumente zur Anerkennung dieser Qualifikationen in Deutschland.

Für viele der Menschen, die erst vor kurzem nach Deutschland geflüchtet sind, sei die Ausgangslage trotzdem häufig schwierig:

  • In einigen Fachgesetzen werden Drittstaatsangehörige vom Verfahren ausgeschlossen. Beispielsweise haben Lehrerinnen und Lehrer aus Drittstaaten in Deutschland in vielen Bundesländern aufgrund der Ländergesetze prinzipiell keinen Anspruch auf ein Anerkennungsverfahren. Daran können nur gesetzliche Erweiterungen etwas ändern.
  • Teilweise sehen sich Antragstellerinnen und Antragsteller mit Fluchthintergrund mit der pauschalen Unterstellung durch die zuständigen Stellen konfrontiert, sie würden ihre Unterlagen fälschen. Hier ist jeder Einzelfall zu würdigen und kritisch zu prüfen.
  • Die Sprachbarrieren für Geflüchtete sind in der Regel höher als für Arbeitsmigrantinnen und -migranten, die sich im Heimatland bereits gezielt auf das Leben und die Sprache in Deutschland vorbereiten konnten. Es fällt derzeit häufig und vor allem im ländlichen Raum noch schwer, passgenaue und zeitnahe Angebote zu finden – trotz deutlich verbesserter und ausgeweiteter Sprachlernangebote. Zudem braucht das Lernen der deutschen Sprache Zeit. Hierdurch können sich Anerkennungsverfahren und Arbeitsmarktintegration verzögern.
  • Meist haben Geflüchtete wenige Kenntnisse über das deutsche Berufsbildungssystem, den deutschen Arbeitsmarkt und die beruflichen Möglichkeiten, die sich daraus für sie in Deutschland ergeben. Viele wollen möglichst schnell Geld verdienen. Oft landen sie dann bei Helfertätigkeiten. Eine Erweiterung der Beratungsangebote zur beruflichen Orientierung und eine verstärkte Nutzung von Teilqualifikationen wäre daher wünschenswert.

Zur Lösung der beiden letztgenannten Probleme gibt es eine gute Unterstützungsstruktur in Deutschland, zum Beispiel die Beratungsstellen des Förderprogramms „Integration durch Qualifizierung (IQ)“, die Jobcenter und Arbeitsagenturen, BAMF-Sprachkurse und die KAUSA-Servicestellen. Allerdings sollten die Angebote noch besser bekannt gemacht und intensiver vernetzt werden. Außerdem wurden Ideen zur besseren Umsetzung gesammelt – wie zum Beispiel zur Unterbringung von Geflüchteten im ländlichen Raum oder zu mehr E-Learning-Angeboten im unterstützenden Spracherwerb.

Viele der anwesenden Beratungsfachkräfte wiesen darauf hin, dass nur ein Teil der Geflüchteten tatsächlich über einen formalen Abschluss verfüge, wenngleich die Datenlage immer noch ungenau sei. Hier sei eine bessere und stärker standardisierte Dokumentation von non-formalen Kompetenzen erforderlich. „Es wäre allerdings unklug, das Anerkennungsgesetz an dieser Stelle aufzuweichen, das schadet auch der Glaubwürdigkeit der Gleichwertigkeitsbescheide“, fasst eine Teilnehmerin die Mehrheitsmeinung der Anwesenden zusammen. Dennoch ließe sich so die Beratung zielgenauer ausrichten und leichter passgenaue Weiterbildungsmöglichkeiten identifizieren. Mit dem Thema „Anerkennung non-formal und informell erworbener Berufskompetenzen“ befasste sich auch Marktstand 7.



Marktstand 4: Neue Wege gehen - Anerkennung in die Betriebe bringen

Am Markstand 4 diskutierten die Teilnehmenden, wie Betriebe als proaktive Unterstützer der „beruflichen Anerkennung“ gewonnen werden können und welche Rahmenbedingungen notwendig sind, um diese nachhaltig zu verankern. Einigkeit bestand darin, dass der Nutzen für Betriebe und Beschäftigte herausgestellt werden müsse. Dieser liege unter anderem in den Bereichen Fachkräftesicherung, Qualifizierung und Mitarbeiterbindung. Positive Erfahrungen bei der Vermittlung des Themas machten viele mit Praxisbeispielen und O-Tönen (Testimonials) von Arbeitgebern und Arbeitnehmern, da die Aussagen „Betroffener“ häufig glaubwürdiger seien. Als Kommunikationskanäle wurden regionale Pressearbeit, Newsletter aber auch Informationsveranstaltungen in Kooperation mit regionalen und überregionalen Akteuren wie beispielsweise Kulturvereinen diskutiert. Neben der Bekanntmachung der beruflichen Anerkennung müsse aber auch das Vertrauen in den Anerkennungsbescheid gestärkt werden. Dies könne zum Beispiel mit einem Beiblatt erfolgen, das über Inhalt und Stellenwert des Dokuments informiert.

Daneben wurde die Rolle von Betriebsräten betont: Als Arbeitnehmervertretung könnten sie intern für die Chancen und Möglichkeiten der beruflichen Anerkennung sensibilisieren und die nötige Expertise im Unternehmen aufbauen. Dabei sei es jedoch wichtig, alle Beschäftigten mitzudenken. Eine einseitige Fokussierung auf Fachkräfte mit ausländischen Qualifikationen könne Missmut in der Belegschaft hervorrufen. Daher sollte die Förderung der beruflichen Anerkennung mit Qualifizierungs- und Aufstiegsangeboten für alle Mitarbeitenden zusammengehen. Von Gewerkschaftsseite wurde darauf hingewiesen, dass es nach wie vor Betriebe gebe, die kein ökonomisches Interesse am Aufstieg ihrer (ausländischen) Beschäftigten hätten. Einig waren sich die Teilnehmenden, dass eine stärkere Vernetzung der Akteure und eine Koordination der Angebote wünschenswert sei. Verbunden mit dem weiteren Abbau bürokratischer Hürden könne dies auch zu einem besseren Matching von Unternehmen und Fachkräften führen.



Marktstand 5: Mission completed? Anerkennung durch Anpassungsqualifizierung

Auch wenn es zur Größenordnung benötigter Anpassungsqualifizierungen in Deutschland derzeit nur Schätzungen gibt. Klar ist: Anpassungsqualifizierungen auf dem Weg zur vollen beruflichen Anerkennung sind ein wichtiger Faktor. Dies wurde auch von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern am Marktstand 5 herausgearbeitet.

Nach einer Einführung durch Gesine Keßler-Mohr von der Handwerkskammer Hamburg (HWK Hamburg) berichteten Susanne Neumann vom Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik (INBAS) und Doris Thömen-Suhr vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf aus der Praxis erfolgreicher Anpassungsqualifizierungen, die von 2015 bis 2018 im Rahmen des Förderprogramms IQ entwickelt und angeboten werden.

Schnell wurde deutlich, dass Teilnehmende an Anpassungsqualifizierungen vor vielfältigen Herausforderungen stehen. So müssen im Vorfeld der tatsächliche Aufwand für die Teilnahme an einer Anpassungsqualifizierung geklärt werden. Ein enges Zusammenspiel zwischen dem Teilnehmenden, der zuständigen Stelle, dem Betrieb, der Schule oder dem Bildungsträger und gegebenenfalls der Arbeitsverwaltung und der Ausländerbehörde müssen koordiniert und auf die persönlichen Lebensumstände der Teilnehmerinnen und Teilnehmer angepasst werden. Zudem erleben die Teilnehmenden in Deutschland oft eine Veränderung der Arbeitskultur im Vergleich zu ihrem Herkunftsland. Dies hat dann oft auch Einfluss auf deren Berufslaufbahn. Nicht selten haben Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Anpassungsqualifizierungen einen ausländischen akademischen Abschluss. In Deutschland wechseln sie dann in einen Ausbildungsberuf mit höheren praktischen Ausbildungsanteilen. Die Aufgaben und die Anforderungen sind dann oft anders. Ferner muss die Form der Kommunikation und Interaktion, z.B. mit den Patienten, Kollegen, Kunden oder Angehörigen, erlernt werden. Teilweise müssen komplett neue berufsbezogene Kompetenzen und die damit verbundenen Haltungen erworben werden.
Trotzdem gelingt es, Anerkennungssuchende erfolgreich in Qualifizierungen zu vermitteln und sie bis zum Abschluss zu begleiten. Beispielhaft dafür berichtete Faisal Hamdo aus Syrien von seiner 6-monatigen Anpassungsqualifizierung am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) in Hamburg, um die volle Anerkennung als Physiotherapeut zu erhalten.

Anhand dieses positiven Praxisbeispiels wurden die Erfolgsfaktoren für die Mission Anpassungsqualifizierung in der Runde diskutiert. Deutlich wurde dabei, dass die einzelnen Bildungsbiografien ein stark individualisiertes Angebot erfordern, um fehlende Kenntnisse und Kompetenzen zu erwerben. Neben unterschiedlichen theoretischen und praktischen Qualifizierungsanteilen muss der integrierte Erwerb deutscher (Fach-) Sprachkenntnisse in Beruf und Alltag hervorgehoben werden. Voraussetzung für ein solch individuell zugeschnittenes Qualifizierungsangebot sei eine umfängliche und begleitende Beratung. Ferner bedürfe es einer effizienten Koordinierung und Steuerung, um Maßnahmenträger, Betriebe und Anerkennungssuchende zusammen zu bringen. Es mangele jedoch an fehlenden Regelinstrumente der Finanzierung. Die Anwesenden waren sich einig, dass die Finanzierung der Beratung sowie der Maßnahmen gewährleistet sein muss, damit erfolgreiche Angebote umgesetzt werden können.

Abschließend wurden von den Teilnehmenden Wünsche für die Zukunft geäußert, um Anpassungsqualifizierungen auch in der Breite erfolgreich zu gestalten:

  • Qualifizierte Bescheide durch die zuständigen Stellen, die entsprechend der einheitlichen Gesetzesgrundlage auch eine einheitliche Umsetzung erlauben
  • Direkte Kooperationen zwischen zuständigen Stellen und Maßnahmenträgern, um passende Angebote für zu qualifizierende Personen zu schaffen
  • Instrumente nach SGB II und III oder Stipendienprogramme, die Individualqualifizierungen finanzieren
  • Berücksichtigung eines integrierten Fach- und Sprachlernens als Regelfall.
  • „Transferförderung“ zur Überführung von Projekten in ein konstantes Angebot nach Ablauf der Förderperioden/-gelder



Marktstand 6: Anerkennung für alle - finanzielle Hürden senken

Berufliche Anerkennung ist für die Antragstellenden mit Kosten verbunden: Sie tragen Gebühren, Übersetzungskosten und bei Bedarf auch Anpassungsqualifizierungen. Wie nicht zuletzt das BIBB-Anerkennungsmonitoring belegt hat, stellen diese in manchen Fällen eine kaum zu überwindende Hürde dar.

Daher begrüßten es die Teilnehmenden des Marktstandes 6 sehr, dass neben den Finanzierungsmöglichkeiten der Arbeitsförderung und Grundsicherung seit dem letzten Jahr nunmehr 3 Bundesländer sowie der Bund mit dem Anerkennungszuschuss über spezifische Förderinstrumente verfügen. Die Nachfrage nach allen Angeboten steigt stetig. Darunter sind vor allem Personen, die ohne diese Unterstützung kein Anerkennungsverfahren beantragen würden.

Dennoch bestehen folgende Herausforderungen:

  • Es gibt gute Instrumente, die aber nach Wunsch der Teilnehmenden hinsichtlich der Zielgruppen, der Kostenarten und des Volumens weiter ausgebaut werden sollten.

    Zu den erwähnten Fallkonstellationen zählen beispielsweise:
    • Zielgruppen: Eine Antragstellung aus dem Ausland ist nur beim Stipendienprogramm der Baden-Württemberg Stiftung „Berufliche Anerkennung in Baden-Württemberg“ möglich. Förderfähig sind Kosten im Anerkennungsverfahren, die im Inland entstehen. Antragstellende erhalten zunächst eine Förderung unter Vorbehalt. Sobald die Personen sich in Deutschland befinden und alle erforderlichen Nachweise nachreichen, werden ihnen die in Aussicht gestellten Stipendienmittel ausgezahlt.
    • Kostenarten: Beim Anerkennungszuschuss werden Kosten für die Zeugnisbewertung durch die ZAB nur dann übernommen, wenn die Zeugnisbewertung ausdrücklicher Bestandteil des Berufsanerkennungsverfahrens der zuständigen Stelle ist. Für viele Personen mit ausländischen Abschlüssen – besonders aus dem nicht-reglementierten akademischen Bereich – ist die Zeugnisbewertung aber das einzige verfügbare Verfahren zur Anerkennung.
    • Volumen: Wenn nur die Verfahrensgebühren erstattet werden, reicht das zur Verfügung stehende Budget in der Regel aus. Kommen jedoch Lebenshaltungskosten, hohe Kursgebühren und/oder hohe Übersetzungskosten hinzu, bewegt man sich schnell im vier- bis fünfstelligen Bereich.
  • Mehrere Teilnehmende berichteten von steigenden Kosten. Beispielsweise seien einzelne Verfahrensgebühren und Übersetzungskosten gestiegen. Da es eine hohe Nachfrage an Übersetzungen, etwa in ländlichen Regionen rund um Flüchtlingsunterkünfte gebe, habe dies mitunter zu steigenden Preisen geführt. Auch würden die ohnehin sehr hohen Kosten für Übersetzungen bei Heilberufen tendenziell steigen, vor allem für die Übersetzung von Studien- und Prüfungsordnungen. Es bestand Uneinigkeit darüber, ob die Forderung solcher Übersetzungen zulässig ist. Auch die stärkere Bündelung von Übersetzungen, beispielsweise bei einer zentralen Stelle, wurde diskutiert. Als Vorteile wurden ein Qualitätsgewinn durch validere, einheitlichere Übersetzungen sowie ein Effizienzgewinn durch Wissensmanagement genannt. Allerdings wurde auch die Gefahr gesehen, dass Kosten lediglich verschoben würden, wenn sie am Ende doch auf die Antragstellenden umgelegt würden.

Die Prüfung und den Nachweis der Nachrangigkeit beschrieben die Teilnehmenden als zusätzliche Belastung, die zu längeren zeitlichen Verzögerungen führen könne. Als Lösung wurde eine stärkere Bündelung der staatlichen Übernahme von Kosten oder die Finanzierung aus einer Hand diskutiert. Diese würde auch die Konkurrenz zwischen den Bundesländern auflösen.



Marktstand 7: Feststellung und Bewertung von Berufskompetenzen - Was können wir vom Anerkennungsgesetz lernen?

Der Marktstand 7 startete mit zwei inhaltlichen Kurzvorträgen zu aktuellen Verfahren der Anerkennung von Berufskompetenzen, die im formalen Bildungssystem aber auch informell erworben wurden. Zu Beginn erläuterte Johanna Reutter von der Handwerkskammer Hamburg (HWK Hamburg) die Zugangsvoraussetzungen und den Ablauf der sogenannten Qualifikationsanalyse im Rahmen des Anerkennungsverfahrens. Anschließend beschrieb Andreas Oehme von Westdeutschen Handwerkskammertag (WHKT) das Validierungsverfahren im Projekt ValiKom und erklärte gleichzeitig Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur Qualifikationsanalyse.

In der darauffolgenden Plenumsdiskussion wurde zunächst die grundsätzliche Problematik der Vielfalt von Kompetenzerfassungs- und -feststellungsverfahren mit unterschiedlichen Zielsetzungen und Kompetenzbegriffen thematisiert. Für Verfahren, die bereits im Berufsbildungssystem verankert sind (Qualifikationsanalyse) oder künftig als Element integriert werden könnten (Validierung), ist eine Ausrichtung auf die Feststellung der beruflichen Handlungskompetenz im Sinne des Berufsbildungssystems essenziell. Die weitere Diskussion beinhaltete zum einen inhaltliche Rückfragen zu den konkreten Verfahrensabläufen der Qualifikationsanalyse sowie zum Validierungsverfahren im Projekt ValiKom. Das Thema der Zertifizierung spiele hierbei eine wichtige Rolle: Inhalt und Wirkung der Gleichwertigkeitszertifikate wurden verdeutlicht und von anderen Zertifikaten abgegrenzt.

Zusammenfassend wurde deutlich, dass für die zukünftige Arbeit von Beraterinnen und Beratern sowohl in der Anerkennungs- als auch in der Qualifizierungsberatung eine transparente Kommunikation über die dargestellten Verfahren von großer Bedeutung ist. Dies bezieht sich auf Abläufe, Zuständigkeiten, Zielgruppe und Zielsetzungen. Diskutiert wurde unter anderem auch die wichtige Frage, wie man Menschen ohne Berufsabschluss ähnliche Chancen wie Menschen mit formalen ausländischen Abschlüssen eröffnet, wenn es um die Sichtbarmachung und Anerkennung ihrer informell erworbenen Kompetenzen geht.

Aktualisiert am 29.11.2017