Eine Ingenieurin und zwei Ingenieure arbeiten gemeinsam am Modell einer Maschine
© YakobchukOlena / Fotolia

Ingenieurwesen

Sie haben eine technische oder ingenieurwissenschaftliche Berufsqualifikation erworben? Wenn Sie in Deutschland in diesem Bereich arbeiten wollen und sich Ingenieur oder Ingenieurin nennen wollen, müssen Sie für Ihre nicht deutsche Berufsqualifikation ein Anerkennungsverfahren durchlaufen.

Wie ist die Ausbildung aufgebaut? Welche Abschlüsse gibt es?

Die Berufsqualifikation erwirbt man in Deutschland an Universitäten, Fachhochschulen oder Berufsakademien. Das Hochschulstudium dauert mindestens drei Jahre. Danach erhält man den Hochschulabschluss Bachelor oder Master of Science beziehungsweise Bachelor oder Master of Engineering. Früher gab es in Deutschland auch den Hochschulabschluss Diplom-Ingenieurin und Diplom-Ingenieur.

Welche Fachrichtungen gibt es?

Ingenieurinnen und Ingenieure sind vor allem in folgenden Fachrichtungen tätig:

  • Bauingenieurwesen
  • Elektrotechnik
  • Informatik
  • Maschinenbau
  • Wirtschaftsingenieurwesen
  • Verfahrenstechnik

Dabei existieren viele weitere Spezialisierungen. Die Spezialisierungen sind in den Bundesländern und an den Universitäten unterschiedlich.

Tätigkeiten

Entsprechend den oben genannten Fachrichtungen können Ingenieurinnen und Ingenieure in unterschiedlichen Bereichen arbeiten.

Die beruflichen Tätigkeiten sind vielfältig. Ingenieurinnen und Ingenieure beraten, entwickeln, planen oder betreuen technische, technisch-wissenschaftliche oder technisch-wirtschaftliche Projekte. Sie übernehmen auch die Kontrolle und Prüfung von diesen Projekten. Zu den Aufgaben können ebenso Tätigkeiten als Sachverständige und Forschungsaufgaben gehören. Andere Aufgaben hängen zum Beispiel mit der Vorbereitung, Leitung oder Abrechnung der Ingenieurstätigkeiten zusammen.

Wie läuft das Anerkennungsverfahren ab und was muss ich beachten?

Die Berufsbezeichnung „Ingenieurin“ beziehungsweise „Ingenieur“ ist geschützt. Nur wenn Ihre Berufsqualifikation in Deutschland anerkannt wurde, dürfen Sie sich auch so nennen. Das Anerkennungsverfahren findet bei der Ingenieurkammer in dem Bundesland statt, in dem Sie später arbeiten wollen. Die Ingenieurkammer ist die sogenannte zuständige Stelle, die Sie im Anerkennungs-Finder recherchieren können.

Das Führen der Berufsbezeichnung muss erlaubt werden. Die Berufstätigkeit allein muss generell nicht erlaubt werden. Das heißt, Sie können sich auch ohne Anerkennung auf dem deutschen Arbeitsmarkt bewerben. Sie können z.B. als Angestellte oder Angestellter in einem Ingenieurbüro arbeiten. Dann dürfen Sie sich aber nicht „Ingenieurin“ oder „Ingenieur“ nennen.

Auch wenn Sie im Berufsfeld des Ingenieurs ohne die offizielle Berufsbezeichnung „Ingenieurin“ oder „Ingenieur“ arbeiten dürfen, hat die Anerkennung und das Führen der Berufsbezeichnung für Sie viele Vorteile für Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Warum kann das offizielle Führen der Berufsbezeichnung „Ingenieurin“ oder „Ingenieur“ wichtig sein?

In Deutschland legen Arbeitgeber großen Wert auf eine in Umfang und Qualität hervorragende Berufsqualifikation, die bestimmten Standards genügt. Die Anerkennung Ihres Hochschulabschlusses durch die Berufsbezeichnung „Ingenieurin“ oder „Ingenieur“ macht dies sofort für jeden Arbeitgeber sichtbar. Weiterhin gibt es in bestimmten Fachrichtungen des Ingenieurwesens gesetzlich geregelte Tätigkeiten, die Sie nur ausüben dürfen, wenn Sie dafür in der entsprechenden Liste der Ingenieurkammer als „Ingenieurin“ oder „Ingenieur“ eingetragen sind. Sie erhalten z.B. nur dann die Bauvorlageberechtigung. Mit der Bauvorlageberechtigung dürfen Sie Planungen für Bauwerke unterzeichnen, die genehmigt werden müssen.

Ein spezielles Qualitätssiegel ist die geschützte Berufsbezeichnung „Beratende Ingenieurin“ beziehungsweise „Beratender Ingenieur“. Als „Beratende Ingenieurin“ oder als „Beratender Ingenieur“ arbeiten Sie unabhängig und eigenverantwortlich. Eigenverantwortlich heißt, Sie arbeiten für Auftraggeber. Sie sind selbstständig und schreiben eigene Rechnungen. Unabhängig heißt, Sie haben keine eigenen oder fremden Interessen an einem Auftrag und dürfen keine Provisionen, Rabatte oder sonstige Vergünstigungen annehmen. Sie dürfen neben der Ingenieurtätigkeit keine gewerbliche Tätigkeit ausüben. Das heißt, Sie dürfen z.B. kein Bauunternehmen betreiben. „Beratende Ingenieurinnen und Ingenieure“ sind spezialisiert, arbeiten analytisch und bieten eine hohe fachliche Kompetenz. Um als „Beratende Ingenieurin“ oder als „Beratender Ingenieur“ tätig zu sein, müssen Sie eine bestimmte Dauer der Ingenieurstätigkeit vorweisen. Das sind normalerweise 2 oder 3 Jahre. Zusätzlich müssen Sie in den meisten Bundesländern die Berufsbezeichnung „Ingenieurin“ beziehungsweise „Ingenieur“ führen dürfen. Beratende Ingenieurinnen und Ingenieure werden in Listen eingetragen. Die Listen werden von den Ingenieurkammern der Bundesländer geführt.

Vorübergehende Dienstleistungserbringung

Vorübergehende Dienstleistungserbringung

Wenn Sie in einem anderen EU-Land rechtmäßig niedergelassen sind und in Deutschland nur manchmal und vorübergehend Ihre Dienstleistungen anbieten wollen, brauchen Sie aufgrund der Dienstleistungsfreiheit in der Regel keine Anerkennung Ihrer Berufsqualifikation. Sie müssen Ihre Tätigkeit aber schriftlich bei der zuständigen Stelle (Ingenieurkammer) melden.

Gesetzliche Grundlagen

Der Beruf wird in den Ingenieurgesetzen der einzelnen Bundesländer geregelt. Es handelt sich also um einen landesrechtlich geregelten Beruf.

Welchen Service bieten die Ingenieurkammern?

Die Ingenieurkammern der Bundesländer sind für den Beruf die zuständigen Stellen. Die Ingenieurkammern der Bundesländer bieten

  • Beratung bei rechtlichen Fragen und beruflicher Selbstständigkeit,
  • Weiterbildungen,
  • und sie vermitteln Ingenieurinnen und Ingenieure sowie Sachverständige.