Gutachtenstelle für Gesundheitsberufe

Susanne Bornhöft
© Gutachtenstelle für Gesundheitsberufe (GfG)

Seit Januar 2016 gibt es die Gutachtenstelle für Gesundheitsberufe (GfG) bei der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB). Sie arbeitet an Qualitätsstandards der Anerkennungsverfahren und entlastet zuständige Behörden bundesweit. Susanne Bornhöft hat die Anfänge der GfG als Leiterin bis zum 30.11.2018 miterlebt. Über die Aufgaben und Herausforderungen der täglichen Arbeit berichtet sie im Interview mit „Anerkennung in Deutschland“.

Seit wann gibt es die Gutachtenstelle für Gesundheitsberufe (GfG) und warum wurde sie eingerichtet?

Seit Inkrafttreten des Anerkennungsgesetzes des Bundes im Jahr 2012 sind die Antragszahlen in den bundesrechtlich geregelten Gesundheitsberufen stetig gestiegen, zum Beispiel bei Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pflegern oder Ärzten und Ärztinnen. Die Prüfung der eingereichten Unterlagen ist für die zuständigen Stellen sehr zeitaufwändig, weil sie vielerorts personell sehr knapp ausgestattet sind. Diese dezentrale Form der Vorgangsbearbeitung hatte in der Vergangenheit ganz natürlich zur Folge, dass die Bewertungskriterien der einzelnen zuständigen Stellen nicht einheitlich waren. Deshalb beschloss die Gesundheitsministerkonferenz und die Kultusministerkonferenz am 1. Januar 2016 zunächst für eine dreijährige Projektphase die Gutachtenstelle für Gesundheitsberufe (GfG) bei der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) einzurichten. Die GfG arbeitet ausschließlich im Auftrag der zuständigen Stelle. Die zentralen Ziele der GfG sind die Qualitätsverbesserung bei den Anerkennungsverfahren, die bundesweite Vereinheitlichung und transparente Ausgestaltung der Verfahren sowie die Unterstützung und Entlastung der zuständigen Behörden.

Um diese Ziele zu erreichen, ist die Entwicklung einheitlicher Bewertungskriterien für die bundesrechtlich geregelten Gesundheitsberufe eine zentrale Aufgabe der GfG. Für die am stärksten nachgefragten Berufe sind diese Bewertungskriterien inzwischen entwickelt worden, zum Beispiel für Ärztin und Arzt und Gesundheits- und Krankenpflegerin bzw. -pfleger.

Wenn Sie einen Auftrag von einer zuständigen Stelle erhalten, wie läuft das dann bei Ihnen ab?

Die Auftragsstellung erfolgt bei uns elektronisch. Die zu prüfenden Unterlagen müssen allerdings mit der Post geschickt werden. Es gibt drei verschiedene Auftragsarten, unter denen die zuständige Stelle in Absprache mit den Antragstellenden wählen kann.

Bei der Echtheitsprüfung handelt es sich um die Feststellung der Echtheit beziehungsweise der Plausibilität der vorgelegten Dokumente. Der GfG stehen dabei verschiedene Verfahren zur Verfügung, die sich nach den Gegebenheiten des Heimatlandes richten. In diesem Zusammenhang kommt auch die langjährige Erfahrung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ZAB zum Tragen.

Bei der Feststellung der Referenzqualifikation geht es um die Frage, auf welchen deutschen Referenzberuf man die ausländische Qualifikation beziehen kann. Diese Auftragsart ist besonders dann gefragt, wenn ausländische Berufsprofile ganz anders strukturiert sind als die deutschen. Hier kann es schon für die Antragsteller schwierig sein, sich im deutschen Berufssystem zurechtzufinden und den geeigneten Referenzberuf – und damit auch die richtige zuständige Stelle – herauszufinden.

Bei dem detaillierten Gutachten zur Gleichwertigkeit wird das ausländische Curriculum auf Grundlage der oben erwähnten Kriterien analysiert und bewertet. Um eine ausländische Qualifikation inhaltlich mit der deutschen Referenzqualifikation zu vergleichen, muss das ausländische Curriculum vorliegen. In einem Curriculum werden die Inhalte der ausländischen Ausbildung dargestellt. Diese Dokumente umfassen in der Regel mehrere hundert Seiten. Diese Prüfung wird von Gutachterinnen und Gutachtern durchgeführt, die selbst die entsprechenden Fachkenntnisse in verschiedenen Gesundheitsberufen haben. Neben mehreren Ärztinnen arbeiten auch eine Zahnärztin und ein Zahnarzt, Pflege- und Medizinpädagoginnen und -pädagogen, ein Apotheker und eine Psychologische Psychotherapeutin in der GfG.

Bis März 2018 hat die GfG insgesamt rund 450 Aufträge zu Qualifikationen aus insgesamt 85 Staaten von den zuständigen Stellen abschließend bearbeitet, darunter 160 detaillierte Gutachten zu ärztlichen Qualifikationen.

Was ist das Alleinstellungsmerkmal der GfG? Was macht die GfG aus?

Ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal der GfG ist ganz sicher die Kombination aus Fach- und Sprachkenntnissen in Verbindung mit der über viele Jahre aufgebauten Expertise in der ZAB.

Im Team der GfG arbeiten neben den o.g. Gutachterinnen und Gutachtern auch sechs Dokumentarinnen und Dokumentare, die über vielfältige Sprachkenntnisse, wie z.B. Arabisch, Chinesisch, Russisch, Serbisch und Türkisch verfügen. Sie arbeiten eng verzahnt mit den Gutachterinnen und Gutachtern und bereiten jeden Auftrag durch Prüfung der Unterlagen und Recherchen in fremdsprachigen Quellen vor. Die Echtheitsprüfungen und die Feststellung von Referenzqualifikationen können sie oft selbst bearbeiten. Die Übersetzung der Unterlagen ist daher vielfach nicht notwendig. Bei der Erstellung eines detaillierten Gutachtens haben die Gutachterinnen und Gutachter die Prozesse in der Hand. Hier kann nicht in allen Fällen auf die Übersetzung verzichtet werden.

Bei bestimmten Fragestellungen nutzen wir außerdem die Expertise der übrigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ZAB, die ja schon lange fachlich und sprachlich sehr breit aufgestellt ist. Das ist ein klarer Vorteil gegenüber den zuständigen Stellen, die so eine Infrastruktur natürlich nicht haben.

Mit der GfG wurde innerhalb der ZAB eine neue Arbeitseinheit entwickelt, die spezifische Fragen der beruflichen Anerkennung im Gesundheitsbereich bearbeitet. Angesichts der Besonderheit dieser Berufe gilt es, sowohl die Belange der Fachkräftesicherung wie auch die des Patientenschutzes im Blick zu behalten.

Das heißt, dass unser Team beinahe täglich neue Herausforderungen zu meistern hat. Wir sind ein innovatives und hochmotiviertes Kollegium, das lösungsorientiert arbeitet. Dies täglich gemeinsam zu stemmen ist immer wieder spannend und macht große Freude.

Das Interview führte Julia Lubjuhn im April 2018.

 

Aktualisiert am 23.08.2019