EU-Anerkennungsrichtlinie

EU-Anerkennungsrichtlinie

Flagge der EU
© Alterfalter / Fotolia

Seit 2005 gibt es die neue EU-Berufsanerkennungsrichtlinie. Sie sieht vor, dass die Mitgliedsstaaten der EU die jeweiligen Berufsabschlüsse grundsätzlich als gleichwertig anerkennen und den Berufsangehörigen freien Zugang zum heimischen Arbeitsmarkt gewähren.


Die EU-Berufsanerkennungsrichtlinie (2005/36/EG) regelt (in Verbindung mit der Richtlinie 2006/100/EG) die berufliche Anerkennung im Bereich der sogenannten reglementierten Berufe. Sie gilt für alle Staatsangehörigen eines Mitgliedstaates der Europäischen Union (EU), des sonstigen Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) und der Schweiz, die ihre Qualifikation in einem Mitgliedsstaat erworben haben, und gewährleistet ihnen den Zugang zu demselben Beruf unter denselben Voraussetzungen wie Inländern. Die Berufsanerkennungsrichtlinie trat am 20. Oktober 2005 in Kraft und musste innerhalb von zwei Jahren von den Mitgliedstaaten in nationales Recht umgesetzt werden. In Deutschland ist die Richtlinie in den beruflichen Fachgesetzen und Verordnungen umgesetzt worden.

Im Zuge der Reformierung der Richtlinie sind zum 18. Januar 2016 Neuerungen in Kraft getreten, z.B. die Einführung von Berufsausweisen.

Die Niederlassungsfreiheit

Wenn sich EU-Bürgerinnen und EU-Bürger in einem anderen Mitgliedstaat niederlassen und dort ihre Tätigkeit in einem reglementierten Beruf dauerhaft ausüben wollen, können sie die Niederlassungsfreiheit für sich in Anspruch nehmen. In einem solchen Fall sieht die Europäische Union bei sieben sogenannten „sektoralen“ Berufen (Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Apotheker, Krankenpfleger, Hebammen, Architekten) eine automatische Anerkennung der im Anhang der Richtlinie aufgelisteten Berufsqualifikationen vor. Denn für diese Berufe gibt es in der gesamten Europäischen Union einheitliche Ausbildungsstandards. Für alle anderen reglementierten Berufe ist eine individuelle Prüfung der Gleichwertigkeit der beruflichen Qualifikation durch die zuständigen Anerkennungsstellen vorgesehen. Bei einer weitgehenden Übereinstimmung von Inhalten und Dauer der Ausbildung erfolgt eine volle Anerkennung. Wenn sich die Ausbildungsinhalte teilweise unterscheiden, kann man eine Teilanerkennung erreichen. Fehlende Kenntnisse können Antragsteller durch eine Eignungsprüfung oder einen Anpassungslehrgang ausgleichen. Mit dem erfolgreichen Abschluss der Prüfung oder des Anpassungslehrgangs kann eine volle Anerkennung erreicht werden.

Die Dienstleistungsfreiheit

Wenn Sie in einem EU-Land rechtmäßig niedergelassen sind und in Deutschland nur gelegentlich und vorübergehend Ihre Dienstleistungen anbieten wollen, brauchen Sie in der Regel keine Anerkennung Ihrer Berufsqualifikation. Sie müssen aber Ihre Tätigkeit schriftlich bei der zuständigen Stelle melden. Sie müssen in der Regel folgende Dokumente einreichen:

  • schriftliche Anzeige, dass Sie die Tätigkeit aufnehmen möchten (inklusive Angaben zum Ort, Dauer und Häufigkeit)
  • Nachweis Ihrer Staatsangehörigkeit
  • Bescheinigung, dass Sie in einem EU-Staat rechtmäßig zur Ausübung Ihrer Tätigkeit niedergelassen sind und Sie diese Tätigkeit zum Zeitpunkt der Vorlage der Bescheinigung ausüben dürfen
  • Nachweis Ihrer Qualifikation

In bestimmten Ausnahmefällen ist es möglich, dass man Ihre Qualifikation nachprüft. Nach Ihrer Anzeige erhalten Sie ein Schreiben mit der Information, ob eine Überprüfung Ihrer Qualifikation erforderlich ist oder ob Sie mit Ihrer Tätigkeit sofort beginnen dürfen (Genehmigung).

Die Genehmigung ist gebührenpflichtig und kostet in der Regel bis zu 400 Euro. Über die genauen Kosten informiert Sie die zuständige Stelle. Diese Stelle finden Sie mit dem Anerkennungs-Finder.

Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen

Alle Länder der Europäischen Union (EU), des Europäischen Wirtschaftraumes (EWR), die Schweiz sowie die Staaten des Europarats und der UNESCO (Region Europa) haben eine Informationsstelle, die im Sinne der EU-Berufsanerkennungsrichtlinie Auskunft über Bildungsabschlüsse und berufliche Berechtigungen im eigenen Staat geben. In der Regel wird diese Funktion durch das NARIC (National Academic Recognition Information Centre) beziehungsweise das ENIC (European Network of Information Centres) wahrgenommen. In Deutschland hat die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) diese Rolle übernommen.

Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite der Europäischen Kommission.