Dänisches Bildungsministerium

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Viktor Haarlov

„Ein visionäres, innovatives Gesetz“

Viggo Haarløv ist Anerkennungsberater in der dänischen Anerkennungs-Agentur. In Dänemark gibt es bereits seit dem Jahr 2001 ein Anerkennungsgesetz für ausländische Bildungsabschlüsse. Mit seinen Erfahrungen und Fachkenntnissen war Viggo Haarløv im Sommer 2012 drei Monate als Berater bei der IHK FOSA zu Gast und hat erlebt, wie professionell und praxisnah der Vollzug des BQFG vorbereitet und durchgeführt wird. Die IHK FOSA ist die 2012 eingerichtete zentrale Anerkennungsstelle für Berufe in Zuständigkeit der Industrie- und Handelskammern. Der Anerkennungs-Experte Viggo Haarløv vom dänischen Bildungsministerium schildert seine Eindrücke von der Umsetzung des deutschen Anerkennungsgesetzes:


Das deutsche duale Ausbildungssystem, das sowohl im Betrieb als auch in der Schule ausbildet, ist nicht so leicht mit einer ausländischen Berufsausbildung zu vergleichen. Der deutsche Gesetzgeber hat mit Blick auf diese Herausforderung ein in vielerlei Hinsicht visionäres und innovatives Gesetz verabschiedet.

Besonders interessant und – glaube ich – einzigartig ist es, dass in der deutschen Gleichwertigkeitsprüfung auch die später erworbenen Berufserfahrungen und andere Weiterbildungen berücksichtigt werden. Hier werden sehr viele individuelle Elemente einbezogen, zum Beispiel Arbeitszeugnisse und Weiterbildungskurse. Das entspricht den Bedürfnissen des heutigen Arbeitsmarkts.

So entsteht ein Gesamtbild der Berufsqualifikationen mit allen erworbenen Qualifikationen. Aber auch wenn die Gleichwertigkeit mit dem deutschen Referenzberuf nicht erreicht wird, ist der Bescheid für den Antragssteller von großem Wert. Denn im Bescheid sind die vorhandenen Qualifikationen und die wesentlichen Unterschiede zwischen dem ausländischen und dem deutschen Berufsabschluss aufgelistet, so dass der Antragssteller die Defizite eventuell durch Weiterbildungen ausgleichen und dann eine volle Gleichwertigkeit beantragen kann!

Die deutsche Gleichwertigkeitsprüfung nimmt viel mehr Zeit in Anspruch als bei uns in Dänemark, wo wir nur ausbildungsbezogene Endqualifikationen („learning outcomes“) anerkennen. Als Werkzeuge hat das IHK FOSA-Team schon für die wichtigsten IHK-Berufe sehr gründliche Übersichten und Checklisten erarbeitet. Solche internen Instrumente gibt es in der dänischen Anerkennungsagentur nicht.

In Dänemark können wir – mit über zehn Jahren Erfahrung! – im Schnitt und dass heißt einschließlich aller anderen Anerkennungsaufgaben (Beantwortung von E-Mails, Telefonate, Ausbildungsbeschreibungen der Antragsländer, Ausarbeitung von Anerkennungsstandards etc.) jeden Tag ungefähr zwei Anträge bearbeiten. Wenn sich bei den Mitarbeitern der IHK FOSA etwas Routine eingestellt hat, schätze ich, dass aufgrund des höheren Prüfungsaufwandes etwa ein Antrag pro Tag bearbeitet werden kann. Aber anfangs – und das bedeutet bis Ende des Jahres – ist vielleicht die doppelte Zeit notwendig.

Viel wichtiger als die Bearbeitungszeit zu beschleunigen ist aber, dass die Bescheide von so hoher Qualität sind, dass sie bei den Arbeitgebern und den Gewerkschaften respektiert und akzeptiert werden. Bald werden sicher auch andere Länder sehen, wie nützlich die deutschen Bescheide sind. Vielleicht werden sie dann in einigen Jahren - mit dem deutschen Anerkennungsgesetz als Vorbild - ähnliche Gesetze beschließen!


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Aktualisiert am 31.01.2013