ProRecognition Iran

Junge Frau im Porträt.
© AHK Iran

Über 120 Anerkennungen und Zeugnisbewertungen: 2018 war für die Anerkennungsberatung im Iran erfolgreich! Das zeigt: Das Interesse an Deutschland ist groß. Projektleiterin Nina Mohammadi erklärt im Interview, wie wichtig die richtigen Netzwerke für ihre Arbeit sind und welchen Herausforderungen sich iranische Fachkräfte stellen müssen.

Sie arbeiten erst seit Jahresbeginn als Anerkennungsberaterin bei der AHK Iran. Was waren Ihre Schwerpunkte während der ersten Monate?

Für mich war es zu Beginn sehr wichtig, Netzwerke im Iran auf- und auszubauen. Im Iran ist es von Bedeutung, Vertrauen aufzubauen und staatliche Institutionen auf seiner Seite zu haben. Wir haben es geschafft, eine gewisse Befangenheit gegenüber unserer Arbeit abzubauen und haben inzwischen sogar die Unterstützung des iranischen Arbeitsministeriums bekommen. Das Arbeitsministerium gibt die politische Richtung für die Erwerbsmigration vor, in der Praxis sind für die internationale Arbeitsvermittlung jedoch private Arbeitsvermittler zuständig. Wir arbeiten mit einigen seriösen Arbeitsvermittlern zusammen, um daraus entstehende Synergien nutzen zu können: zum Beispiel informieren wir auf Veranstaltungen über die Anerkennung von Abschlüssen, bevor die Arbeitsvermittler ihre Leistungen vorstellen.

Auf der anderen Seite haben wir gleichzeitig die Zusammenarbeit mit deutschen Institutionen, von der Deutschen Botschaft über den DAAD bis zum Goethe-Institut, intensiviert. Durch diese Zusammenarbeit ist das ohnehin schon große Interesse an unserer Anerkennungsberatung weiter gestiegen. Deshalb mussten wir Wege finden, wie wir uns schon in der Ansprache auf die Personen mit den größten Anerkennungschancen und Jobaussichten in Deutschland konzentrieren konnten.

Wir haben in den vergangenen Monaten regelmäßige Informationsveranstaltungen für Ärzte, Ingenieure sowie Gesundheits- und Krankenpfleger durchgeführt. Damit fokussieren wir uns stark auf Berufsgruppen, die in Deutschland besonders gefragt sind. Darüber hinaus führen wir vor den Beratungen immer einen Schnellcheck durch. So stellen wir sicher, dass wir nur Interessenten mit einem staatlich anerkannten Abschluss und soliden Deutschkenntnissen beraten.

Welche Herausforderungen stellen sich den Interessenten im Iran und wie gehen Sie damit um?

Die wirtschaftliche und politische Situation hat sich in den vergangenen Monaten im Iran deutlich verschärft. Die allgemeine Schwäche der iranischen Wirtschaft sowie der Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen und die reaktivierten US-Sanktionen gegen den Iran führten zu einem starken Währungsverfall. Der Rial hat gegenüber dem Euro mehr als die Hälfte seines Wertes eingebüßt. Die Gebühren für das Anerkennungsverfahren haben sich für Iraner also innerhalb weniger Monate mehr als verdoppelt, zeitweise sogar verdreifacht!

Besonders dramatisch war die Situation im Frühjahr, als die iranischen Wechselstuben ihre Arbeit einstellen mussten und es im Iran unmöglich war, Rechnungen in Euro zu bezahlen. Einige unserer Interessenten hatten zuvor ihren Antrag eingereicht, konnten dann den Gebührenbescheid aber nicht begleichen. In dieser Zeit haben wir viel mit zuständigen Stellen in Deutschland telefoniert und erreicht, dass sie die Ausnahmesituation erkannten und einen Zahlungsaufschub akzeptierten. Das hat unseren Interessenten sehr geholfen, und mittlerweile haben alle einen positiven Bescheid erhalten.

Die wirtschaftliche und politische Unsicherheit der vergangenen Monate führte insgesamt dazu, dass jetzt viele Iraner auswandern wollen, auch nach Deutschland: Dementsprechend lang sind die Wartezeiten zur Beantragung eines Visums bei der Deutschen Botschaft. Einige Interessenten hatten abgeschlossene Arbeitsverträge, konnten aber wegen eines fehlenden Visums ihre Stelle nicht antreten. Kein Arbeitgeber kann über ein Jahr warten, um neue Mitarbeiter auch tatsächlich in der Firma zu begrüßen.

Wie können Sie darüber hinaus Interessenten auf dem Weg zur Anerkennung ihrer Qualifikationen und dem anschließenden Weg nach Deutschland unterstützen?

Die Interessenten bekommen bei der Beratungsstelle der AHK Iran vielmehr als nur die Beratung zur Anerkennung ihrer Qualifikationen – wir informieren unverbindlich auch zu angrenzenden Themen, wie z. B. zu allgemeinen Fragen der Arbeitsaufnahme in Deutschland, zur Einreise oder zu den benötigten Deutschkenntnissen. Darüber hinaus begleiten wir auch durch das Verfahren.

Hier kommt wieder unser enges Netzwerk zu iranischen und deutschen Institutionen ins Spiel. Viele Iraner nutzen für die Jobsuche private Arbeitsvermittler, von denen es hier leider viele schwarze Schafe gibt. Wir stellen sicher, dass sich Interessenten im Anschluss an die Anerkennungsberatung bei uns an seriöse Anbieter wenden können, bei denen wir sicher sein können, dass sie ein faires Leistungspaket anbieten. Dabei hilft uns die Unterstützung des iranischen Arbeitsministeriums, das in unserem Projekt eine gute Chance sieht, die hohe Jugendarbeitslosigkeit im Land zu senken.

Damit die Interessenten jedoch überhaupt erst einen Job in Deutschland aufnehmen können, müssen viele zuvor noch ihre Deutschkenntnisse verbessern. Mit dem Goethe-Institut und dem Österreichischem Kulturforum haben wir Konzepte entwickelt, um künftig bei der AHK Iran allgemeine Sprachkurse und Fachsprachkurse für Personen anbieten zu können, die zuvor bei uns in der Beratung waren. Das ist ein großer Vorteil für Interessenten, weil die übliche Wartezeit auf einen Sprachkurs aktuell bei zehn Monaten liegt.

Die Deutsche Botschaft ist einer unserer wichtigsten Partner dabei. Deshalb arbeiten wir eng mit den Kollegen zusammen, um Prozesse bestmöglich abzustimmen und zu verkürzen. Neben einer gegenseitigen Verweisberatung kann sich die Botschaft darauf verlassen, dass wir die Unterlagen der Interessenten intensiv prüfen, bevor diese ein Visum beantragen.


Das im Herbst 2015 mit Fördermitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gestartete Projekt „ProRecognition“ hat eine Verbesserung der Anerkennungsberatung im Ausland zum Ziel. Im Rahmen des Projektes informieren, beraten und begleiten deutsche Auslandshandelskammern und Delegationen der Deutschen Wirtschaft in Ägypten, China, Indien, Iran, Italien, Polen und Vietnam Interessenten zu den Möglichkeiten und Voraussetzungen des Anerkennungsverfahrens. Das Projekt wird von der DIHK Service GmbH in enger Abstimmung mit dem DIHK e. V. durchgeführt.

Das Gespräch wurde im September 2018 geführt.