ProRecognition Italien

Junge Frau lächelt in die Kamera.
© DIHK Service GmbH /Jens Schicke

Das Interesse am Anerkennungsverfahren ist in Italien weiterhin hoch. Jedoch kann nicht nach jeder Beratung eine Empfehlung zum Verfahren ausgesprochen werden. Warum das so ist, erklärt Selin Agaoglu im Interview.

Bei der Auslandshandelskammer (AHK) Italien ist die Nachfrage nach Informationen zum Anerkennungsverfahren ungebrochen hoch. Wie bewerten Sie die bisherigen Beratungsergebnisse?

Wir haben inzwischen 670 Personen beraten. Das ist zunächst eine gute Zahl für 1,5 Personalstellen in der AHK-Beratungsstelle. Allerdings steht dieser die Zahl 19 gegenüber: denn von 19 Personen wissen wir, dass sie eine Anerkennung bzw. Zeugnisbewertung erhalten haben. 17 Personen befinden sich nach unserer Kenntnis zurzeit noch im Verfahren. Die tatsächliche Zahl kann natürlich höher sein. Die Lücke zwischen der reinen Beratungsleistung und dem tatsächlichen Ergebnis ist ziemlich hoch, leider.

Wie erklären Sie sich das?

Das Interesse an einer Beratung ist ungebrochen hoch, aber meine Kollegin Elisabetta Degaetano und ich sind uns einig: Wir wollen eine solide, bestmögliche und auf den Kandidaten abgestimmte Beratung anbieten. Das Ergebnis ist nicht immer die Empfehlung zur Anerkennung. Oft fehlen die Voraussetzungen, wie Deutschkenntnisse oder die Arbeitserfahrung, um Erfolg im Anerkennungsverfahren haben zu können.

Deshalb checken wir in unseren Beratungsgesprächen immer genau, ob ein Anerkennungsverfahren zu diesem Zeitpunkt Sinn macht oder ob einem Kandidaten nicht besser geholfen ist, wenn wir ihm erstmal empfehlen, einen Deutschkurs zu machen und dann wieder zu uns zu kommen. Inzwischen passiert genau das. Wir freuen uns sehr darüber.

Das bestätigt uns, dass es richtig ist, wenn wir uns die Zeit nehmen, verbindlich und detailliert zu Möglichkeiten zu beraten, aber auch von einem Anerkennungsverfahren Abstand zu nehmen, wenn es nicht erfolgversprechend ist. Hinzu kommt, dass die Verfahren in der Regel relativ zeitaufwändig sind und viele Unterlagen einzureichen sind. Arbeitszeugnisse vorzulegen, treibt manchem Italiener den Angstschweiß auf die Stirn: Das ist typisch deutsch, in Italien gibt es so etwas kaum. Viele schreckt das immer noch ab, sie stellen den Antrag dann „lieber doch nicht“.

Sie haben von Anfang an vor Ort sehr eng mit den Beratern von EURES (European Employment Services) zusammengearbeitet, deren Aufgabe es ist, den Arbeitsmarkteinstieg auf europäischer Ebene zu ermöglichen. Was sind hier Ihre Erfahrungen und wie muss man sich das vorstellen?

Besonders in der Region um Mailand herum, wo unsere AHK ihren Sitz hat, haben wir uns zu einem frühen Zeitpunkt mit den EURES-Beratern in Verbindung gesetzt. Die Verbindung von Jobmesse und Beratung zur Anerkennung klappt sehr gut, solche Veranstaltungen ziehen in Italien immer viele Leute an. Es gab gemeinsame Veranstaltungen für Apotheker, Krankenschwestern und Ärzte, aber natürlich auch zu gewerblich-technischen Berufen.

In Süditalien, wo die Arbeitslosigkeit derzeit bei fast 18 % liegt, haben wir bisher gemeinsam mit EURES und der ZAV zwei Veranstaltungen durchgeführt. Zudem haben wir mit EURES-Mitarbeitern aus Salento und Lecce unsere Zusammenarbeit ausgebaut. Hier findet verlässlich Verweisberatung statt: EURES berät Kandidaten, die bei uns zur Anerkennungsberatung waren und nun den Schritt in den deutschen Arbeitsmarkt gehen wollen, wir beraten Kunden von EURES zum Anerkennungsverfahren. Das klappt hervorragend.

Darüber hinaus sind wir auch ohne EURES in der Region aktiv, regelmäßig zum Beispiel mit Informationsveranstaltungen am Goethe-Institut in Neapel, wo wir im Anschluss daran individuelle Einzelfallberatung anbieten. Oft teilen meine Kollegin und ich uns die Berufsgruppen auf: Die eine berät die Ingenieure und technischen Berufe, die andere die Gesundheits- und Sozialberufe. Dieses Konzept hat sich ebenfalls bewährt. Auch in Mailand, wo unser Projekt bei der AHK angesiedelt ist, halten wir den Kontakt zu Kandidaten, die wir in Neapel beraten haben. Inzwischen haben einige die Anerkennung beantragt, wir bleiben weiterhin in Kontakt.

Wie klappt die Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen in Deutschland?

Sehr gute Erfahrungen haben wir in der letzten Zeit mit der ZAB gemacht. Unsere Fragen werden zeitnah und detailliert beantwortet. Auch mit dem Regierungspräsidium in Stuttgart sind wir in gutem Kontakt. Das liegt daran, dass viele Kandidaten, die von uns beraten werden, nach
Baden-Württemberg ziehen wollen. Nicht zuletzt sind wir in exzellentem Kontakt mit der IHK FOSA. Manchmal ist es schwierig ‒ besonders bei den technischen Berufen ‒ den Referenzberuf festzulegen. Die IHK FOSA unterstützt uns dabei und hilft uns abzuwägen, ob ein Antrag tatsächlich sinnvoll ist.

Generell haben wir die Erfahrung gemacht, dass man schnell und verbindlich Antworten erhält, wenn man selbst schnell und verbindlich ist. Und persönlich in der Ansprache. Das sind wir Italiener ‒ wir sind leidenschaftlich. Und: Wir kommen zum Ziel.

EURES (European Employment Services)

EURES (European Employment Services)

EURES ist ein Kooperationsnetzwerk zur Erleichterung der Arbeitnehmer-Freizügigkeit in der EU sowie in der Schweiz, Island, Liechtenstein und Norwegen. Neben dem Europäischen Koordinierungsbüro (ECO), den nationalen Koordinierungsbüros (NCO) sind noch EURES-Partner Teil des Netzwerkes. Diese sind öffentliche Arbeitsverwaltungen, private Arbeitsvermittlungen, Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände und weitere Akteure des Arbeitsmarktes.

EURES ist in der Stellenvermittlung für Arbeitgeber und Grenzgänger in der europäischen Grenzregion tätig und stellt hierfür Informationen bereit. Dafür gibt es ein Netz an Beraterinnen und Beratern, die Arbeitsuchende und Arbeitgeber informieren, beraten und vermitteln.


Das im Herbst 2015 mit Fördermitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gestartete Projekt „ProRecognition“ hat eine Verbesserung der Anerkennungsberatung im Ausland zum Ziel. Im Rahmen des Projektes beraten deutsche Auslandshandelskammern und Delegationen der Deutschen Wirtschaft in Ägypten, China, Indien, Iran, Italien, Polen und Vietnam in speziellen Beratungsstellen. Das Projekt wird von der DIHK Service GmbH in enger Abstimmung mit dem DIHK e. V. durchgeführt.

Das Gespräch wurde im Juli 2018 geführt.

Corona: Weniger Services zur Anerkennung

Wegen der Corona-Epidemie laufen auch die Services zur Anerkennung von ausländischen Berufsqualifikationen in Deutschland derzeit nicht überall wie gewohnt.

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