Prototyping Transfer

40 Projekte und Initiativen aus Europa präsentierten ihre Arbeit auf dem Marktplatz des European Validation Festivals Mitte Juni 2018 in Brüssel. Mit dabei waren Daniela Wiemers von Prototyping Transfer und Leonie Tillmanns von „Anerkennung in Deutschland“. Rund 300 Teilnehmende aus Politik und Praxis aus ganz Europa tauschten sich zum Thema Validierung non-formaler und informeller Kompetenzen aus.

Was war eure Rolle beim European Validation Festival? Wer war noch vor Ort?

Daniela Wiemers (DW): Wir hatten auf dem Festival einen eigenen Stand zur Präsentation von Prototyping Transfer und „Anerkennung in Deutschland“. Unter der Schirmherrschaft der EU-Kommissarin Marianne Thyssen wurde mit dem Validation Festival die Möglichkeit gegeben, zu entdecken, inwieweit die EU-Ratsempfehlung zur Validierung non-formalen und informellen Lernens umgesetzt ist. Für die Teilnehmenden und damit auch für uns war es eine Möglichkeit, sich mit Fachleuten aus dem In- und Ausland auszutauschen und zu vernetzen. Denn Kompetenzfeststellung bzw. Validierung fördert die Mobilität und ermöglicht die berufliche Anerkennung. In diesem Sinne wurden viele Projekte und „Best-Practices“ vorgestellt. Gleichzeitig ging es sowohl politisch als auch in den Gesprächen über die Umsetzung von einzelnen Konzepten darum, welche Entwicklungen in Zukunft möglich und nötig sind.

Leonie Tillmanns (LT): Es waren auch noch andere deutsche Player wie ValiKom, Migranet/Tür an Tür, check.work, Bertelsmann und das Projekt GRETA des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung vor Ort. Am Marktstand sowie bei einem kleinen Auftritt auf der Bühne haben wir die Möglichkeiten der beruflichen Anerkennung in Deutschland vorgestellt. Dabei haben wir das Validierungsverfahren „Qualifikationsanalyse“ als eine der Möglichkeiten hervorgehoben. Sie kann angewandt werden, wenn der Antragstellende keine oder keine aussagekräftigen Unterlagen über seine Berufsqualifikation vorlegen kann. Das Projekt Prototyping Transfer unterstützt die Umsetzung der Qualifikationsanalyse. Verfahren wie die Qualifikationsanalyse werden auch in anderen Projekten, wie zum Beispiel bei ValiKom, verwendet. Wir haben uns über viel Zulauf an unserem Marktstand gefreut und über das rege Interesse an unserer Arbeit und allgemein am Thema Anerkennung von Berufsqualifikationen in Deutschland.

Was sah das weitere Programm vor?

LT: Neben den Marktständen gab es noch zahlreiche Workshops, eine Rede der EU-Kommissarin und mehrere Panel-Discussions mit politischen Vertreterinnen und Vertretern sowie solchen aus der Privatwirtschaft. Interessant waren auch die „Validation Stories“ von Personen, die in unterschiedlichen Ländern unterschiedliche Validierungsverfahren durchlaufen haben. Nicht zu vergessen eine Abendveranstaltung, das leckere Essen und viele nette Gespräche und Kontakte. Außerdem habe ich am Workshop “Supporting the employability of migrants and refugees through validation” teilgenommen. Es wurden Initiativen vorgestellt, die sich gezielt auf Verfahren für Migrantinnen und Migranten oder Geflüchtete fokussieren. Ein Geflüchteter hat selbst berichtet, wie ihm eine Initiative zugutekam – er arbeitet heute bei der EU. Vorgestellt wurden auch noch zwei Organisationen, die Validierungsverfahren durchführen und ein innovatives, technisches Tool, welches im Rahmen von Validierungsverfahren genutzt werden kann. Nach den Kurzberichten war Zeit zum Austausch mit den Vortragenden.

DW: Ich habe den Workshop „Developing validation in the workplace in cooperation with employers“ besucht. Dort ging es um Möglichkeiten der Vernetzung von Validierungsverfahren zu Unternehmen – sodass die Verfahren auf der einen Seite anerkannt und auf der anderen Seite für Arbeitgeber bzw. Unternehmen aussagekräftig und nutzbar sind. Hierfür braucht es Standards in Form transparenter und valider Methoden und Verfahren. Vorgestellt haben sich das deutsche Projekt ValiKom und das norwegische Projekt „Balsnekunst“ (die Kunst des Balancierens). „Balsnekunst“ hat mit dem Fokus auf den Einzelhandel eine Methode entwickelt, mit der während der Arbeit entwickelte Kompetenzen und Fähigkeiten beschrieben werden können. Ziel ist es, den Menschen etwas an die Hand zu geben, damit ihre Fähigkeiten auch in anderen Bereichen des Arbeitsmarktes, von anderen Arbeitgebern oder im Bildungssystem anerkannt werden können. ValiKom beschäftigt sich auch mit den im Arbeitsleben erworbenen Kompetenzen – jedoch ohne Fokus auf eine spezifische Berufsgruppe. Beschäftigte im Handwerks- oder Industriebereich können über ein in ValiKom entwickeltes, standardisiertes Verfahren ihre Kompetenzen feststellen und dokumentieren lassen – ähnlich unserer Qualifikationsanalyse. Besonders Geringqualifizierte profitieren von beiden Projekten, denn die Möglichkeit der Dokumentation eröffnet Aufwertung und Aufstieg, Weiterbildung und auch Anerkennung im Ausland erworbener Kompetenzen.

Welche Erkenntnisse hat euch das Festival gebracht? Konntet ihr konkret etwas für eure Arbeit mitnehmen?

LT: Ich habe eine hohe Relevanz des Themas auf europäischer Ebene festgestellt und fand die Vielfalt der Projektlandschaft beeindruckend. Vereinzelt sind Instrumente zur Validierung bereits vorhanden. Jedoch haben wenige Länder die Validierung systematisiert. Frankreich hat zum Beispiel eine gesetzliche Grundlage dazu. In Deutschland gibt es die bisher nicht. Was beinahe von allen Teilnehmenden im Zusammenhang mit den Validierungsverfahren vermisst wurde, ist die Zusammenarbeit von öffentlichem Sektor und Privatsektor.

DW: Ich konnte einiges für meine Arbeit aus Brüssel mitnehmen. Deutlich wurde nochmal, wie wichtig das Thema und unsere Arbeit daran ist. Es war für mich ‒ als neue Mitarbeiterin ‒ hilfreich, Prototyping Transfer in der Projektlandschaft einzuordnen und damit zur Relevanz der Durchführung von Qualifikationsanalysen beitragen zu können. Zum Beispiel konnte ich Netzwerkkontakte knüpfen und den Austausch mit anderen EU-weiten Projekten suchen, die sich für das Thema interessieren und gerne weitere Informationen haben möchten ‒ auch nach dem Festival.

Das Interview führte Meike Julia Dahmen im Juli 2018.