ProRecognition Ägypten

Yasmin Fauzy
© DIHK Service GmbH /Jens Schicke

Fachkräfte aus Drittstaaten haben meist die größeren Hürden nach dem eigentlichen Anerkennungsprozess zu nehmen. Denn dann muss geklärt werden, welches Visum das richtige ist oder wie man einen Job findet. Yasmin Fauzy von der AHK Ägypten gibt im Interview Einblicke darin, was noch zu tun ist und wo es vielleicht hakt.

Sie sind seit Projektstart im Oktober 2015 dabei. Welche Erfolge haben Sie mit der Anerkennungsberatung in Ägypten erreicht?

Zunächst habe ich die Beratungsstelle ja erst einmal aufbauen müssen. Das heißt, mich ins Thema einarbeiten, Partner suchen, die Dienstleistung in der AHK und natürlich in der Öffentlichkeit bekannt machen. Eine Beratungsstruktur aufzubauen, hat mich ganz schön gefordert. Dies alles passierte ja sozusagen „nebenbei“, denn Anfragen zur Anerkennungsberatung kamen sehr schnell nach unserem Start. Inzwischen sind wir zu zweit, ein Kollege unterstützt mich zeitweise. Wir haben ca. 500 Beratungen durchgeführt und liegen damit – rein quantitativ – im Mittelfeld der Beratungsleistungen der AHKs insgesamt. Von den drei Drittstaatlern, die im Anschluss an die Beratung an allen ProRecognition-Standorten bisher den Weg in den deutschen Arbeitsmarkt geschafft haben, sind zwei aus Ägypten. Das freut uns natürlich, stellt uns aber noch nicht zufrieden. Wir arbeiten daran, noch gezielter jene Personen anzusprechen, die gutes Potenzial für eine Zuwanderung besitzen und unterstützen diese dann auf dem Weg nach Deutschland.

Was heißt das konkret?

Wir haben festgestellt, dass der Anerkennungsprozess an sich ganz gut funktioniert. Oft hakt es dann an den weiteren Schritten: Welches Visum ist das richtige, wie finde ich einen Job, der „ausbildungsadäquat“ ist, wer entscheidet das überhaupt, und wo hilft man, wenn es dann unterschiedliche Auffassungen gibt? Wir haben sehr, sehr lange für einen Mann gekämpft, der eine akademische und teilweise berufliche Anerkennung in der Tasche hatte und in Deutschland einen Job suchte. Obwohl viele Firmen ihr Interesse an der Einstellung des jungen Mannes bekundeten, durfte er den Job nicht antreten. Eine Anpassungsqualifizierung, um aus der teilweisen beruflichen Anerkennung eine volle zu machen, blieb ihm – aus unterschiedlichen Gründen – auch lange verwehrt. Zum Glück hat es letztlich geklappt. Aber wenn Deutschland Fachkräfte sucht und der Prozess aus dem Ausland bis an den deutschen Arbeitsplatz so lange dauert wie in diesem erlebten Fall, wird das Problem nur schwer zu lösen sein.

Was braucht es damit die Zuwanderung von Fachkräften gelingt?

Neben rechtlichen Regelungen, die sicher noch vereinfacht werden können, nach unserer Erfahrung unbedingt gute Netzwerke. Sowohl in Deutschland als auch im jeweiligen Herkunftsland. Wir sind inzwischen gut mit der Botschaft und den Goethe-Instituten vernetzt. Das hilft, effizient Verweisberatung zu praktizieren und an einem Strang zu ziehen. In den Deutschkursen sitzen vielleicht schon die Fachkräfte von morgen. Die sprechen wir gezielt an. Gern würden wir auch noch mehr Personen, die wir beraten, direkt in Deutschkurse schicken können. Leider sind diese oft ausgebucht.

Das Gespräch wurde im Mai 2018 geführt.

Das im Herbst 2015 mit Fördermitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gestartete Projekt „ProRecognition“ hat eine Verbesserung der Anerkennungsberatung im Ausland zum Ziel. Im Rahmen des Projektes beraten deutsche Auslandshandelskammern und Delegationen der Deutschen Wirtschaft in Ägypten, China, Indien, Iran, Italien, Polen und Vietnam in speziellen Beratungsstellen. Das Projekt wird von der DIHK Service GmbH in enger Abstimmung mit dem DIHK e. V. durchgeführt.

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