Olga Gotjur - Anerkennung als Lehrerin

Olga Gotjur - Anerkennung als Lehrerin

lehrerin-gotjur-715x280
Olga Gotjur

Es war ein langer Weg, aber ich habe es geschafft.


Dank der Anerkennung arbeite ich auch in Deutschland in meinem Traumberuf.


Anfang 2015 kam die Deutsch- und Englischlehrerin Olga Gotjur aus der Ukraine nach Deutschland. Schon wenige Monate später hielt sie den positiven Anerkennungsbescheid in Händen und unterrichtet mittlerweile an der Johannes-Kepler-Gemeinschaftsschule in Mannheim.


Name Olga Gotjur
Alter 29
Referenzberuf Lehrerin
Herkunftsland Abschluss Kasachstan/Ukraine
Tätig als Lehrerin

Anerkennung bedeutet für mich …

... dass ich als Mensch und erfahrene Lehrerin akzeptiert werde.


Mein Tipp

Sich beraten lassen, denn nur qualifizierte Fachkräfte können wirklich helfen.


Deutschland kannte die gebürtige Kasachin und Halb-Deutsche Olga Gotjur aus den Erzählungen von Familienmitgliedern. Diese wanderten 1990 als Spätaussiedler hierher aus. Doch ihre Mutter zog mit ihr in die Ukraine. Dort absolvierte sie an der pädagogischen Universität ein Deutsch-Studium und arbeitete als Lehrerin an einer allgemeinbildenden Schule. Der Wunsch, in Deutschland zu leben und zu arbeiten, war schon immer groß: „Deutschland hat mich immer fasziniert. In der Schule habe ich so viel über dieses Land gelernt.“

Im Februar 2015 erfüllte sich der Traum der 29-Jährigen und sie kam gemeinsam mit Mann und Tochter als Spätaussiedlerin nach Deutschland. Olga Gotjur hatte aber wenig Hoffnung, hier als Lehrerin arbeiten zu können. Deshalb absolvierte sie einen C1-Deutschkurs bei der Otto-Benecke-Stiftung in Heidelberg und plante ein weiteres Studium. Der Zufall durchkreuzte ihre Pläne: „Mein Mann hat bei der Katholischen Familienbildungsstätte einen Integrationskurs gemacht. Seine Lehrerin, die auch Menschen mit einem ausländischen Hochschulabschluss berät, hat uns den Kontakt zu ikubiz vermittelt.“

Das ikubiz Interkulturelles Bildungszentrum Mannheim berät und unterstützt Zugewanderte bei der beruflichen Anerkennung. So auch die Gotjurs: „Ich bin mit den Unterlagen meines Mannes, der Ingenieur ist, zum Bildungszentrum gegangen. Die Beraterin dort, Maryam Shariat, hat sich auch Zeit für mich genommen. Den Anerkennungsantrag beim Regierungspräsidium Tübingen zu stellen war ihre Idee.“ Es dauerte nur zehn Tage, bis Frau Gotjur den Bescheid erhielt. Das Ergebnis des Zeugnisvergleichs überraschte sie: „Ich habe den Brief ich weiß nicht, wie viele Male gelesen. Darin stand, dass mein Studium in der Ukraine in den Fächern Deutsch und Englisch für das Lehramt an Mittelschulen vergleichbar mit dem Lehramt an Werkreal-, Haupt- und Realschulen in Baden-Württemberg ist. Unglaublich.“

Dieser Schritt war geschafft, aber Olga Gotjur dachte weiter: „Es reicht nicht, nur die Anerkennung in der Hand zu haben. Man muss wissen, was man weiter damit macht.“ Die 29-Jährige hospitierte vier Monate an der Johannes-Kepler-Gemeinschaftsschule in Mannheim und bewarb sich beim Regierungspräsidium Karlsruhe um eine Festanstellung an dieser Schule. Mit Erfolg: Sie unterrichtet nun Deutsch in den Vorbereitungsklassen mit Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher Nationalitäten im Alter von 10–15 Jahren. Die junge Frau blüht auf in ihrem Job: „Ich konnte mir mein weiteres Leben nie ohne Stundenpläne, Unterrichten und die Schüler vorstellen. Deshalb bin ich so glücklich, dass ich jetzt auch in Deutschland als Lehrerin arbeite.“ Auch ihr Mann ist mittlerweile als Ingenieur anerkannt. „Wir sind beide hier angekommen“, resümiert sie lachend.

Foto: © Portal „Anerkennung in Deutschland“/BIBB: Robert Funke

Das Gespräch mit Olga Gotjur wurde im November 2017 geführt. Beim Anerkennungsverfahren beriet und unterstützte sie ikubiz Interkulturelles Bildungszentrum Mannheim gGmbH – ein Teilprojekt im IQ Netzwerk Baden-Württemberg.