ProRecognition Vietnam

ProRecognition Vietnam

Beraterin Nguyen Hang Nga
© DIHK Service GmbH / Jens Schicke

„Gut ausgebildet und sehr zielstrebig“ sind laut Nguyen Hang Nga junge Menschen in Vietnam, die sich für eine Arbeit in Deutschland interessieren. Im Interview gibt die Beraterin Einblicke in ihre Arbeit für das BMBF-geförderte Projekt „ProRecognition“.

Frau Nguyen, Sie haben seit Beginn des Projekts im Oktober 2015 245 Beratungen zur Anerkennung durchgeführt. Was ist Ihre wichtigste Erfahrung als Beraterin?

Am meisten beeindruckt hat mich, dass in allen Beratungen – egal ob persönlich, bei Messen oder Workshops – das wirklich große Interesse meiner Landsleute zu spüren war, in Deutschland zu arbeiten. Sie sind gut ausgebildet und sehr zielstrebig. Also versuchen Sie alles, damit ihr Traum wahr wird. Das braucht Zeit, weil sich an das Anerkennungsverfahren die Jobsuche anschließt oder auch noch Deutschkenntnisse erworben werden müssen. Trotzdem bleiben sie dabei. Bei mir war ein junger Mann, der die Zeugnisbewertung als Software-Entwickler erhalten hat, und nun seine Deutschkenntnisse auf A2-Niveau bringen möchte. Erst dann sucht er intensiv nach einem Job in Deutschland. Er hat verstanden, dass gute Deutschkenntnisse eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeitsaufnahme in Deutschland sind.

Kürzlich fand in Ho-Chi-Minh-City die zweite Jobbörse für junge Vietnamesen, die Talentbiz 2017, statt. Sie gibt jungen Absolventen, Schülern und Studenten die Möglichkeit, mit deutschen Firmen vor Ort direkt in Kontakt zu kommen und sich über Jobmöglichkeiten ganz konkret auszutauschen. ProRecognition war mit zwei eigenen Workshops zum ersten Mal dabei. Ein Widerspruch?

Die Talentbiz haben ca. 2.000 junge Leute besucht – das Interesse war wie 2015 wieder riesengroß. Die Teilnehmer konnten sich direkt mit Personalchefs von deutschen Firmen austauschen und über die duale Ausbildung in deutschen Unternehmen vor Ort informieren. Aber immerhin 90 Vietnamesen haben sich dafür interessiert, vielleicht auch einmal in Deutschland zu arbeiten. Vielleicht vorübergehend, vielleicht auch länger. Dass dies mit dem Anerkennungsgesetz grundsätzlich möglich ist, erkennen viele Vietnamesen als eine große Chance. So profitieren letzten Endes beide Seiten – die deutsche Wirtschaft im In- und Ausland und die Fachkraft. Kein Widerspruch also, sondern eine wunderbare Ergänzung.

Das Projekt ProRecognition endet im September 2018 – die Zielgerade ist in Sicht. Was haben Sie sich bis dahin noch vorgenommen?

Meinen Auftrag, interessierte Fachkräfte mit staatlich anerkanntem Abschluss über das Thema Anerkennung zu informieren, setze ich bis zum Schluss um. Ich möchte aber auch noch den ersten Personen gratulieren, die nach der erfolgreichen Beratung bei mir den Schritt in einen Job nach Deutschland geschafft haben. Daran arbeite ich mit Nachdruck – auch wenn das über meinen eigentlichen Auftrag hinausgeht.

Das Gespräch wurde im Dezember 2017 geführt.

Das im Herbst 2015 mit Fördermitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gestartete Projekt „ProRecognition“ hat eine Verbesserung der Anerkennungsberatung im Ausland zum Ziel. Im Rahmen des Projektes beraten deutsche Auslandshandelskammern und Delegationen der Deutschen Wirtschaft in Ägypten, China, Indien, Iran, Italien, Marokko, Polen und Vietnam in speziellen Beratungsstellen. Das Projekt wird von der DIHK Service GmbH in enger Abstimmung mit dem DIHK e. V. durchgeführt.