Wessal Alkhalil - Anerkennung als Zahntechnikerin

Frau mit Kopftuch in einem Zahnlabor lächelt in die Kamera
Wessal Alkhalil

Nach meiner Anerkennung geht alles besser


In Deutschland profitiere ich von meinen 3D-Kenntnissen


In Syrien führte Wessal Alkhalil ihr eigenes Dentallabor mit sechs Mitarbeitenden. Nach ihrer Flucht nach Deutschland absolvierte sie eine Qualifikationsanalyse und Anpassungsqualifizierung – und arbeitet heute wieder in ihrem Beruf. Ab April 2017 besucht sie die Meisterschule.


Name Wessal Alkhalil
Alter 37
Referenzberuf Zahntechnikerin
Herkunftsland Abschluss Syrien
Tätig als Zahntechnikerin

 

Anerkennung bedeutet für mich …

... meinen Meister machen zu können.


Mein Tipp

Unbedingt Kontakt zu Deutschen suchen, nicht zu Menschen der eigenen Muttersprache - nur so verbessern sich die Sprachkenntnisse.


Eine bunte 3-D-Aufnahme eines Gebisses dreht sich auf dem Monitor. Gleich nebenan fräst sich langsam der passende Zahnersatz aus einem Zirkon-Block. Bei einem Besuch am neuen Arbeitsplatz von Wessal Alkhalil in Hamburg-Eppendorf zeigt die Syrerin, wie diese modernste Technik der Zahnmedizin funktioniert und wie die Rohlinge später aufbereitet werden. Dabei sah ihr Leben noch vor wenigen Monaten komplett anders aus. Mitte 2014 floh die Zahntechnikerin vor dem Krieg in Syrien nach Hamburg. In Damaskus führte die 37-Jährige ihr eigenes Dentallabor mit sechs Mitarbeitenden. In Hamburg angekommen, stand sie vor dem Nichts.

Die erfahrene Fachkraft wandte sich im August 2014 an die Anerkennungsberatung der Handwerkskammer Hamburg. Erster Schritt ihres Anerkennungsverfahrens war eine Qualifikationsanalyse, da sie auf der Flucht keine Unterlagen mitnehmen konnte - in ihrem Fall eine Praxiswoche in den Hanseatischen Dental Werkstätten. Hier zeigte sie Sachverständigen und Ausbildern, was sie in ihrem Beruf gelernt hat. Ergebnis: Ihre Ausbildung wurde als teilweise gleichwertig anerkannt. Für eine volle Anerkennung wurde eine Anpassungsqualifizierung bei Höfs & Ristau Dentaltechnik mit individuellen Maßnahmen vereinbart. So musste sie sich beispielsweise das Verarbeiten von zahnfarbenen Werkstoffen aneignen. Einen Sprachkurs wollte sie ohnehin noch besuchen. Nach fünf Monaten war es geschafft: Im Februar 2016 wurde ihr die volle Gleichwertigkeit ihrer Ausbildung bescheinigt.

Als anerkannte Fachkraft hat sie sofort eine feste Anstellung gefunden - in einer Zahnarztpraxis in Hamburg-Eppendorf. Die Praxis mit integriertem Dentallabor bietet bereits als eine von wenigen in Hamburg die 3-D-Technologie an und hatte sich erst vor wenigen Monaten das neue Fräsgerät zugelegt. "Ich habe nicht schlecht gestaunt, als Frau Alkhalil im Vorstellungsgespräch berichtete, dass sie diese Technologie ebenfalls in ihrem Dentallabor in Damaskus eingesetzt hat", berichtet Dr. Peter Weiss. "Sie hat fachlich und menschlich absolut überzeugt."

Mit der beruflichen Anerkennung ihrer syrischen Ausbildung ist für Alkhalil aber noch lange nicht Schluss, sie strebt nach mehr: Die Fachfrau will nun den Abschluss "Zahntechnikermeisterin" erlangen und besucht ab April 2017 am Wochenende die Meisterschule. Die Kosten hierfür übernimmt ihr Chef. "Nach der Anerkennung geht alles besser. Ich bin mehr als glücklich, lächelt Alkhalil.

Foto: © IQ Netzwerk Hamburg – NOBI / Ingo Johannsen

Das Gespräch mit Wessal Alkhalil wurde im Januar 2017 geführt. Bei der Anerkennung ihres Abschlusses beriet und begleitete sie die Handwerkskammer (HWK) Hamburg. Die Anpassungsqualifizierung erfolgte im Teilprojekt "APQ für duale Berufe" im IQ Netzwerk Hamburg – NOBI.