BMBF-Tagung zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen

Potenzial erkannt – Beruf anerkannt!

  

Am 25. September 2015 fand die Fachtagung „Potenzial erkannt – Beruf anerkannt!“ in Berlin statt. Auf Einladung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) diskutierten über 200 Vertreterinnen und Vertreter von Ländern, Unternehmen, Spitzenverbänden, Arbeitsverwaltung, Beratungseinrichtungen und Gewerkschaften sowie aus den zuständigen Anerkennungsstellen über Erfahrungen und Herausforderungen bei der Umsetzung der gesetzlichen Regelungen. Grundlage der Diskussionen bildete der „Bericht zum Anerkennungsgesetz 2015“, der u.a. auf Ergebnissen des BIBB-Projekts „Monitoring der Umsetzung des Anerkennungsgesetzes des Bundes“ beruht und am 10. Juni 2015 vom Bundeskabinett beschlossen worden war.

Stefan Müller, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, eröffnete die Fachtagung mit den Worten: „Wir haben mit dem Anerkennungsgesetz eine gute rechtliche Grundlage geschaffen, um die im Ausland erworbenen Abschlüsse bei uns in Deutschland anzuerkennen und die Menschen, die zu uns kommen, in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Dadurch hat sich auch der Respekt und die Wertschätzung der Bevölkerung für die Berufsabschlüsse aus anderen Ländern verändert: Das Anerkennungsgesetz ist ein Teil unserer neuen Willkommenskultur.“

Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), stellte die Ergebnisse des Monitoring vor. „Unser Monitoring zeichnet eindeutig ein positives, vielschichtiges Bild der aktuellen Praxis“, betonte Esser. „Die Möglichkeiten der Anerkennung werden genutzt. Und auch die teilweise Anerkennung sorgt für Transparenz und Vorteile auf dem Arbeitsmarkt.“ Esser zog die Bilanz, dass Herausforderungen bestehen und es wichtig bleibe, „die Entwicklung bei der Anerkennung im Ausland erworbener Qualifikationen zu verfolgen“.

Staatssekretärin Martina Hoffmann-Badache vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen (MGEPA Nordrhein-Westfalen) berichtete in ihrem Beitrag über die Anerkennung aus Sicht der Länder. Sie betonte die Bedeutung der zentralen Gutachtenstelle für die Gesundheitsberufe bei der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB), die nun endlich umgesetzt wird. Die damit verbundene Vereinheitlichung sei ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Anerkennungsverfahren.

Der Syrer Fares Schammas, der 2001 Asyl in Deutschland beantragte, berichtete von seinem Weg bis zur Anerkennung seiner ausländischen Qualifikation. Zunächst war er in vielen Aushilfsjobs tätig und kann seit 2015 dank der Anerkennung in seinem gelernten Beruf als Tischler arbeiten.

Die Anerkennung ausländischer Qualifikationen in der Zuwanderungs- und Flüchtlingspolitik wurde im Beitrag des Vorstandsmitglieds der Bundesagentur für Arbeit (BA) Raimund Becker thematisiert. Die aktuell nach Deutschland kommenden Flüchtlinge stellten eine Herausforderung für alle Beteiligten und zugleich eine große Chance dar. Die der BA verfügbaren Daten sprechen dafür, so Becker, dass die formale berufliche Qualifikation der Flüchtlinge deutlich geringer ist als bei anderen Ausländergruppen. Aufgrund des geringen Durchschnittsalters der Flüchtlinge besteht jedoch ein erhebliches Potenzial, das durch geeignete Investitionen qualifiziert werden könne. Becker betonte, dass die Flüchtlinge ohne zertifizierten Berufsabschluss vom Anerkennungsgesetz nicht profitieren und dass daher für die neu Ankommenden ein großer Bedarf an neuen Qualifizierungsmaßnahmen sowie an Kompetenzfeststellungsprüfungen besteht.

In vier Fachforen diskutierten Publikum und Fachexpertinnen und -experten über Chancen und Hindernisse aus betrieblicher Sicht, die Erhöhung der beruflichen Mobilität in der Europäischen Union, die Finanzierung der Anerkennung sowie über die Schnittstellen von Zuwanderung und beruflicher Anerkennung.

Ein abschließender Beitrag zur Anerkennungs- und Willkommenskultur im Einwanderungsland Deutschland von Prof. Dr. Naika Foroutan (Humboldt-Universität zu Berlin (HU Berlin), Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM)) beendete die Fachtagung. Dabei wurde der Frage nachgegangen, ob die Integrationsnarrative, wie sie sich in den letzten 35 Jahren in der Politik und dem öffentlichen Raum etabliert haben, noch angemessen sind, um die Transformation Deutschlands in eine Migrationsgesellschaft zu erfassen. Die Herausforderung der postmigrantischen Gesellschaft bestehe darin, so die Professorin, dass die Qualifikation von Migranten mit der Qualifikation der Gesamtgesellschaft einhergehen müsse.