Esther Wamala - Anerkennung als Gesundheits- und Krankenpflegerin

Esther Wamala - Anerkennung als Gesundheits- und Krankenpflegerin

testimonial_2015_wamala_715
Esther Wamala-Bollig

Für mich ist Krankenschwester mehr als ein Beruf.


Die Anerkennung hat mir wieder ein erfülltes Berufsleben ermöglicht.


Esther Wamala-Bollig zog 2011 mit ihrem Mann nach Deutschland. Nach 1,5 Jahren erhielt die in Jinja, Uganda, ausgebildete Krankenschwester und Hebamme die volle Anerkennung als Gesundheits- und Krankenpflegerin.


Name Esther Wamala-Bollig
Alter 30
Referenzberuf Gesundheits- und Krankenpflegerin
Herkunftsland Abschluss Uganda
Tätig als Gesundheits- und Krankenpflegerin in Berlin

 

Anerkennung bedeutet für mich …

... große Freude und mehr berufliche Sicherheit.


Mein Tipp

Man muss nicht alles alleine machen. Es gibt viele Institutionen, die während des Anerkennungsprozesses weiterhelfen können.


„Als ich hierhergekommen bin, wusste ich gar nicht, dass ich nicht als Gesundheits- und Krankenpflegerin oder Hebamme arbeiten darf“, erzählt Esther Wamala-Bollig, die 2011 von Uganda mit ihrer Familie nach Deutschland zog. „Schließlich hatte ich eine Arbeitserlaubnis und am Goethezentrum in Uganda schon etwas Deutsch gelernt.“ Als sie sich – parallel zu ihrem Integrationskurs – als Krankenpflegerin bewarb, erhielt sie nur Absagen. Das einzige Angebot für die damals 27-Jährige war ein sechsmonatiges Vollzeit-Praktikum auf einer Mutter-Kind-Station. „Dort durfte ich zwar nur einfache Aufgaben erledigen, aber ich dachte, so lerne ich wenigstens das deutsche Gesundheitswesen kennen“, erinnert sich Esther Wamala-Bollig.

Bei intensiven Beratungsgesprächen beim Berliner Verein „Miteinander Weltweit“ und dem „IQ-Netzwerk“ erfährt sie von der Möglichkeit der Anerkennung ihres Berufsabschlusses. Bereits während des Praktikums reicht sie ihre Dokumente beim Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin (LAGeSo) ein. Doch ohne das B2-Zertifikat nach dem europäischen Referenzrahmen für Sprachen wurden die Unterlagen  der Uganderin zunächst nicht angenommen - obwohl sie im Dezember 2012 den Integrationskurs mit Bestnote auf dem Niveau B1 abgeschlossen hatte und damit zeigte, dass sie sich bereits gut in Deutsch verständigen konnte.

Esther Wamala-Bollig belegte deshalb einen Sprachkurs am Goethe-Institut Berlin. „Nach einem internen Test wurde mir gleich ein Vorab-Bescheid über das Bestehen der B2-Prüfung ausgestellt, den ich dann zum LAGeSo geschickt habe.“

Die letzte Hürde zur Anerkennung war schließlich noch die Einreichung des „Code of Conduct“, eine Art internationales Führungszeugnis, das sie sich auf Wunsch des LAGeSo von Interpol ausstellen lassen sollte. „Das Dokument zu bekommen, war eine echte Herausforderung, da sich das Bundeskriminalamt (BKA) in Deutschland als nicht zuständig erklärte. Auch wollten die Polizeidienststellen keine Fingerabdrücke abnehmen, weil nichts gegen mich vorlag. Ein freundlicher Polizeibeamter hat mir dann doch geholfen, Fingerabdrücke zu erstellen, die ich dann zu den  Behörden nach Kampala schickte. Das Dokument musste ich allerdings persönlich bei Interpol in Uganda abholen.“

Als Esther Wamala-Bollig im Jahr 2011 nach Deutschland kam, gab es das Anerkennungsgesetz noch nicht. Seit dessen Inkrafttreten im April 2012 ist es  möglich, den Antrag auf Anerkennung vom Ausland aus zu stellen. Das hätte ihr möglicherweise einigen Aufwand erspart. Nachdem Esther Wamala-Bollig jedoch alle Unterlagen vollständig eingereicht hatte, ging die weitere Bearbeitung sehr schnell. Nach einem persönlichen Gespräch hatte das LAGeSo auf Grund ihrer guten Arbeitszeugnisse und Sprachkenntnisse sowie all der anderen vorliegenden Unterlagen die Gleichwertigkeit ihrer Ausbildung ausnahmsweise schon vorab geprüft. Im Mai 2013 erhielt Esther Wamala-Bollig den  Anerkennungsbescheid nach Vorlage des Interpol- und des B2-Sprachzeugnisses.

Seit Juli 2013 ist sie ununterbrochen als Gesundheits- und Krankenpflegerin  beschäftigt und hat heute einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Im Dezember 2014 wurde sie – nach nur dreijährigem Aufenthalt  – eingebürgert. „Während des Anerkennungsprozesses war ich manchmal frustriert. Ich bin aber sehr froh, dass ich nicht aufgegeben habe. Heute werde ich nicht nur besser bezahlt, sondern bekomme auch sehr viel Respekt von meinen Kollegen.“

Das Gespräch mit Esther Wamala-Bollig wurde im Dezember 2014 geführt.