Podiumsdiskussion

„Ein Blick zurück nach vorne – Hilft uns das Anerkennungsgesetz bei der Fachkräftesicherung?“


Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Kornelia Haugg Moderation, Leiterin der Abteilung „Berufliche Bildung, Lebenslanges Lernen“ im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Matthias Anbuhl Leiter der Abteilung „Bildungspolitik und Bildungsarbeit“ im Deutschen Gewerkschaftsbund
Elke Badde Staatsrätin der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz Hamburg
Peter Clever Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), verantwortlich für die Bereiche Arbeitsmarkt, Internationale Beziehungen einschließlich europäische Sozialpolitik sowie Bildung/Berufliche Bildung
Dr. Sonja König Leiterin der Aus- und Weiterbildung bei KIND Hörgeräte GmbH & Co. KG
Prof. Dr. Christine Langenfeld Vorsitzende des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR)

 

Es bestand bei den Podiumsteilnehmerinnen und -teilnehmern Konsens darüber, dass das Anerkennungsgesetz ein wichtiger Baustein im Rahmen einer liberalen Einwanderungsgesetzgebung sei und damit auch den Prozess mentaler Veränderungen hin zu einer Willkommens- und Anerkennungskultur unterstütze. Der Zuzug von Menschen aus Drittstaaten setze selbstverständlich voraus, dass ihnen auch die Anerkennung ihrer Qualifikationen ermöglicht werde. „Das Gesetz selbst ist ein Meilenstein, allerdings hakt es noch bei der Umsetzung“, sagte Prof. Dr. Christine Langenfeld. „Das Ziel, bundesweit möglichst einheitliche und effiziente Regelungen für die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse zu schaffen, ist noch nicht erreicht.“ Kritisiert wurde die schleppende Verabschiedung der Landesanerkennungsgesetze. Man müsse sich zudem darauf verlassen können, dass die Bundesländer die Anerkennung eines Abschlusses wechselseitig akzeptieren. „Dies muss sichergestellt sein. Alles andere wäre widersinnig und das übergeordnete Ziel, die Anerkennungsverfahren umfassend zu verbessern und zu vereinfachen, würde konterkariert“, so Prof. Dr. Christine Langenfeld.

„Das Anerkennungsgesetz hilft unmittelbar den Inhabern ausländischer Berufsabschlüsse, aber auch den Unternehmen, die dringend auf qualifizierte Fachkräfte angewiesen sind“, so Peter Clever. Die zahlreichen Anträge in den Gesundheitsberufen machten deutlich, dass die Menschen genau wüssten, wo es in Deutschland Fachkräftemangel gebe. Gerade im Gesundheitsbereich müsse jetzt dringend in den Ländern die Einheitlichkeit und Qualität des Vollzugs sichergestellt werden. Dazu gehöre, dass Ausgleichsmaßnahmen für die Altenpflege entwickelt würden, die dann zwingend auch in Altenpflegeheimen absolviert werden müssten. Er appellierte an die Finanzminister der Länder, die zentrale Gutachtenstelle bei der ZAB entsprechend auszustatten.

„Betriebe brauchen Unterstützung, damit sie die neuen Möglichkeiten für Ihren Betrieb und auch für die eigene Belegschaft nutzen können“, so Dr. Sonja König. Ungenutzte Potenziale in der eigenen Belegschaft seien eine „Verschwendung für das Unternehmen und für die betroffene Person“. Für ihr bundesweit tätiges Unternehmen habe sich die jeweils örtliche Zuständigkeit und unterschiedliche Handhabung als schwierig erwiesen.

Matthias Anbuhl unterstrich, dass das Tarifsystem auf Abschlüsse ausgerichtet und deshalb die Anerkennung der ausländischen Qualifikation auch in nicht reglementierten Berufen sehr wichtig sei, um qualifikationsadäquat beschäftigt und entlohnt zu werden. Auch er sieht noch großen Informationsbedarf bei den Unternehmen: „Betriebs- und Personalräte müssen für das Thema sensibilisiert werden, um Potenziale in der Belegschaft zu erkennen!“.

Eine bundeseinheitliche Umsetzung der gesetzlichen Regelungen sei unverzichtbar, fand auch Elke Badde. Allerdings benötigte die Einführung von Standards Zeit und könne nicht für alle Berufe in kurzer Zeit entwickelt werden. Der Föderalismus erschwere diese Prozesse, denn die Gegebenheiten vor Ort ließen sich oft nicht über einen Kamm scheren. Man müsse daher „vom Besten lernen“ und dazu seien weiterhin Arbeitsgruppen in den unterschiedlichen Zuständigkeitsbereichen notwendig. Es sei richtig gewesen, die dezentrale Kompetenz ins Gesetz zu schreiben, aber es sollte ein Beratungsanspruch ins Bundesgesetz aufgenommen werden.

Konsens bestand auch hinsichtlich der Notwendigkeit einer glaubwürdigen Willkommens- und Anerkennungskultur. „Jede ausländische Fachkraft muss schon beim ersten Kontakt mit deutschen Behörden und Unternehmen auch im Umgangston spüren: Du wirst gebraucht und bist uns sehr willkommen“, so Peter Clever.