Panel 1: Welche Rolle spielt die Anerkennungsberatung?


Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Daniel Schreiber Moderation, Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn, Projekt: „Monitoring der Umsetzung des Anerkennungsgesetzes des Bundes als Beitrag zur Qualitätssicherung“
Michael van der Cammen Leiter der Koordinierungsstelle Migration bei der Bundesagentur für Arbeit (BA)
Regina Jordan Abteilungspräsidentin „Integration und Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF)
Denzil Manoharan Gesamtkoordination MigraNet beim IQ-Netzwerk Bayern
Wiebke Reyels Leiterin des IQ-Netzwerks Berlin
Attila Sepsi Projektkoordinator für die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse bei der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld

 

Vielfältige Beratungsbedarfe

Einstimmig wurde von den Teilnehmenden die Vielfältigkeit des Beratungsbedarfs seitens der Anerkennungsinteressierten hervorgehoben. Jeder Beratungsfall sei individuell und in der Regel bedürfe es einer ausführlichen und intensiven Beratung. Häufig liege die Herausforderung zunächst darin, dass falsche Erwartungen an das Verfahren „gerade gerückt“ werden müssten. Ein Schwerpunkt sei immer, den passenden deutschen Referenzberuf und damit die für die Anerkennung zuständige Stelle zu ermitteln. Dies sei für viele Anerkennungsinteressierte ohne unterstützende Beratung häufig sehr schwer. Auch die Begleitung während des gesamten Verfahrens sei in der Regel sehr wichtig, so Wiebke Reyels. Die Vernetzung der Akteure vor Ort, insbesondere von zuständigen Stellen, Arbeitsverwaltung und Beratungsstellen, als Voraussetzung für eine gute Beratung hob Denzil Manoharan hervor. Ziel dieser Vernetzung sei es, die Schnittstelle besser zu definieren und auch einen persönlichen Kontakt herzustellen, damit bei Einzelfällen schnelle und gezielte Lösungen gefunden werden könnten. Auch solle gemeinsam auf relevante Partner zugegangen und auf diese Weise die Anerkennungssituation verbessert werden.

Verhältnis Beratungen und Anträge

Die Diskrepanz zwischen hohen Beratungszahlen und im Vergleich dazu geringeren Antragszahlen beruhe auf unterschiedlichen Gründen. Attila Sepsi wies darauf hin, dass die Beschaffung der geforderten Unterlagen in manchen Fällen bis zu zwei Jahren dauere und erst dann ein Antrag gestellt werde. Als weitere Gründe dafür, dass es nicht unmittelbar nach der Beratung zur Antragstellung komme, wurden u.a. die Veränderung der Lebensumstände und die Absolvierung eines Sprachkurses im Vorfeld genannt. Einige Anerkennungsinteressierte verzichteten auch auf den Antrag, wenn es keine Möglichkeiten der Finanzierung gebe. Darüber hinaus könne sich in der Beratung auch zeigen, dass andere, alternative Verfahren (wie beispielsweise die Externenprüfung) zielführender seien.

Finanzierung der Verfahren

Wiebke Reyels machte deutlich, dass durch das Problem der Finanzierung im Vorfeld der Antragstellung, beispielsweise bei der Übersetzung von Dokumenten, häufig Unsicherheiten bei den Anerkennungsinteressierten entstünden. Wenn Kostenübernahmen ermöglicht würden, steige auch die Motivation zur Antragstellung. Michael van der Cammen wies darauf hin, dass eine Finanzierung über SGB II und III möglich sei insofern die individuelle und arbeitsmarktliche Notwendigkeit gegeben sei. Das geplante ESF-Förderprogramm „Qualifizierung von Migrantinnen und Migranten im Kontext des Anerkennungsgesetzes“ eröffne zusätzliche Fördermöglichkeiten, wenn Weiterbildungsmaßnahmen (wie Anpassungsqualifizierungen oder Kenntnisprüfung) zur Erlangung der vollen Gleichwertigkeit notwendig sind (Förderbeginn ab 2015).

Unternehmen einbeziehen

Die regionalen Netzwerke, die zum Thema Anerkennung bereits bestehen, sollten stärker auch auf Betriebe zugehen und diese einbinden. Vor allem die Kammern sollten ihren guten Zugang zu den Betrieben nutzen. Bisher würden vor allem diejenigen Betriebe aktiv, die selbst schon deutlich den Fachkräftemangel spürten. Gerade diese Betriebe erwarteten dann ein sehr schnelles Verfahren, was so in der Regel nicht umsetzbar sei, sagte Attila Sepsi. Frühzeitige, gezielte Informationen seien daher besonders wichtig.

Qualitätsstandards der Beratung

Die Beratung sollte nach bundeseinheitlichen Standards durchgeführt werden, darüber bestand Konsens. Denzil Manoharan erläuterte, dass in den bayerischen Anerkennungsberatungsstellen ein gemeinsames Leitbild zur Qualität der Anerkennungsberatung entwickelt worden sei. Für Standards seien Strukturen notwendig, die eine Kooperation von Zuwanderungsberatung und Anerkennungsberatung sicherstellten. Bestehende Datenbanken, so Regina Jordan, sollten zusammengeführt werden, damit Informationen an einer Stelle aktuell abgerufen werden könnten. Wichtig sei auch die Gewährleistung einer mehrsprachigen Beratung, die zumindest neben Deutsch immer auch in Englisch möglich sein sollte. Um die hohe Qualität der Beratung aufrechtzuerhalten, müsse die Vernetzung aller im Thema aktiven Einrichtungen vorangetrieben und intensiviert werden. Um die Möglichkeiten des Anerkennungsgesetzes breiter bekannt zu machen, wurde vorgeschlagen, in sogenannten Willkommens-Paketen für Neuzuwanderer Informationen zum Thema einzuspeisen.